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Blutsauger-Orientierung

Warum stechen Malariamücken lieber krank riechende Opfer?

Wer an Malaria erkrankt ist, hat gesundheitliche Probleme genug - ganz nebenbei wird er aber auch häufiger von Mücken angesteuert und gestochen, die neue Malariaerreger übertragen. Nur: Woran erkennen die Blutsauger den Duft eines Kranken?
Malariamücke

Was im Geruch eines Menschen Mücken anlockt – und wer deswegen mehr oder weniger intensiv angeflogen wird –, das wird seit vielen Jahrzehnten mit mehr oder weniger großem Erfolg erforscht. Die Parasitologen unter den Mückenforschern interessiert auf dem Gebiet zudem ein Spezialfall: Offenbar wird der Duft von Malariainfizierten für die fliegenden Blutsauger noch einmal attraktiver, und sie werden häufiger gestochen. Das ist zum Vorteil der Parasiten im Blut der Opfer, die ausschließlich mit den Stechmücken von Mensch zu Mensch gelangen können. Manipulieren Malariaparasiten deswegen absichtlich den Geruch ihrer Opfer? Woran erkennen die Mücken einen Kranken? Ein Team von Tropenmedizinern hat nun Mücken im Experiment Fußgeruch von Kranken und Gesunden vorgeworfen und präsentiert in »PNAS« wieder neue Antworten.

In Kenia hatten die Experimentatoren getragene Socken von fünf- bis zwölfjährigen Malariakranken vor und nach einer erfolgreichen Malariatherapie gesammelt und diese Malariamücken in Flugkäfigen vorgesetzt. Dabei zeigte sich: Der Duft der noch kranken Kinder war für Mücken stets attraktiver als der nach der Behandlung gesammelte. Die Forscher extrahierten anschließend das typische Duftstoffgemisch und versuchten einzelne für die Mücken besonders attraktive Komponenten auszumachen – ein notorisch komplexes Unterfangen, weil die Blutsauger nicht durch einzelne Moleküle angelockt werden, sondern die Attraktivität eines Geruches vom Mischungsverhältnis und der Konzentration der unterschiedlichsten Komponenten auf der Haut, im Schweiß oder im Mikrobiom abhängen kann. Dennoch meint das Team um Ailie Robinson von der London School of Hygiene and Tropical Medicine nun eine besonders entscheidende flüchtige Komponente ausgemacht zu haben: Die kurzkettigen Aldehyde Heptanal, Octanal und Nonanal finden sich deutlich häufiger im Duft der für Mücken attraktiveren Malariakranken als in dem der wieder gesunden Kinder.

Vor allem Heptanal scheint dabei eine Rolle zu spielen, wie gezielte Experimente zu bestätigen scheinen. Ein von der Haut gesunder Freiwilliger abgesaugtes Duftstoffgemisch wird für Mücken attraktiver, wenn es zusätzlich mit geringen Mengen Heptanal angereichert wird. Andererseits hatten die Forscher wenig Erfolg damit, ein künstliches Duftstoffgemisch mit Heptanal attraktiver zu machen, das den Duft des Menschen nachahmt, um Mücken in die Falle zu locken.

Unklar ist auch die biologische Rolle des möglichen Signalaldehyds. Flüchtige Aldehyde wie Heptanal entstehen unter anderem bei vermehrtem oxidatitven Stress aus zerstörten biologischen Membranen. Die Menge steigt nachweislich an, wenn Malariaparasiten in den Zellen aktiv sind. Womöglich ist ein erhöhter Heptanalgehalt im Duft aber eher ein genereller Effekt von Erkrankungen. Nach diesem Duftsignal der Krankheit könnten die Mücken in der Hoffnung Ausschau halten, weniger abwehrbereite Opfer zum Blutsaugen aufzusuchen. Lernfähig genug könnten die Insekten sein: Sie scheinen unter anderem in der Lage zu sein, besonders gefährliche, weil schlagkräftige Wirte zu meiden.

16/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 16/2018

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