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News: Wer liegen bleibt, stirbt aus

Schlangen haben einen schlechten Ruf. Vielleicht bleibt es deshalb eher unbemerkt, dass immer mehr dieser Reptilien-Arten vom Aussterben bedroht sind. Um sinnvoll dagegen vorgehen zu können, brauchen Ökologen dringend ein Hilfsmittel, mit dem sich die Gefährdung einzelner Populationen abschätzen lässt. Bei Giftnattern reichen dafür offenbar zwei grundlegende Verhaltensweisen.
Ringelnatter und Kreuzotter, zumindest die Namen dieser beiden Schlangenarten haben die meisten schon einmal gehört – aber bei weitem nicht alle haben auch schon einmal ein Exemplar gesehen, ganz zu schweigen von deren selteneren Verwandten Äskulapnatter oder Aspisviper.

Sechs Arten sind in Deutschland heimisch, und sie alle sind geschützt. Australien, etwa 20-mal so groß, beherbergt etwa 700 Schlangenspezies. Bei dieser Vielfalt verwundert es kaum, dass über viele dieser Arten nur wenig bekannt und der Schutzstatus daher sehr schwer zu erfassen ist.

Robert Reed von der University of Georgia und Richard Shine von der University of Sidney nahmen sich daher "nur" 75 Angehörige aus der Familie der Giftnattern oder Elapidae vor, zu deren bekannteren Verwandten die Korallenschlangen oder die Kobra gehören. Sie analysierten die Daten von 18 000 Museumsexemplaren weltweit, um Faktoren zu finden, mit denen sich die Gefährdung einer Art abschätzen ließe.

Die typischen Merkmale, wie Körpergröße, Nahrungsspezialist oder geringe Nachkommenzahl, erwiesen sich als ungeeignet. Stattdessen erlaubte das Paarungsverhalten erste Hinweise: Schlangenarten, bei denen die Männchen nicht um die Weibchen kämpfen, sind eher in Gefahr. Denn in diesen Gruppen sind die Weibchen meist größer, fallen daher in der Natur eher auf und werden so im Verhältnis zu den Männchen häufiger von Menschen getötet. Der überdurchschnittliche Verlust fortpflanzungsfähiger Weibchen gefährdet allerdings die ganze Population.

Weitaus wichtiger jedoch ist offenbar das Jagdverhalten. Denn Schlangen, die aktiv jagen, gelten seltener als bedroht als ihre Verwandten, die im Laubstreu oder anderen Verstecken auf ihre Beute lauern. Veränderungen der Lebensräume beispielsweise durch die Landwirtschaft fallen diese Strukturen oft zum Opfer – und mit ihnen die Beute.

Während die jagenden Arten das geringere Nahrungsangebot durch häufigere Jagdausflüge oder andere Beutetiere ausgleichen können, geraten die lauernden Schlangen nun in Bedrängnis: Zum einen werden sie häufiger gesehen, zum anderen bekommen sie seltener etwas Fressbares vor die Giftzähne. Die reduzierte Energiezufuhr führt letztendlich dazu, dass sich auch die Zahl der Nachkommen verringert und die gesamte Population nach und nach immer kleiner wird.

Der ökologische Ansatz der beiden Wissenschaftler lieferte in der Kontrolle überzeugende Ergebnisse: Allein anhand der beiden Merkmale Paarungs- und Jagdverhalten konnten Reed und Shine 90 Prozent der als bedroht eingestuften Schlangenarten bestimmen. Außerdem fanden sie noch sechs Spezies, die bisher nicht als gefährdet gelten, ihrem Verhalten nach jedoch womöglich ein solches Schicksal erwartet, was nun in weiteren Untersuchungen geklärt werden muss. Vielleicht haben australische Naturschützer jetzt tatsächlich ein Instrument in der Hand, mit dem sie zumindest bei den Giftnattern der Gefahr des Artensterbens rechtzeitig begegnen können.

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