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Lügendetektoren: Der Traum von der Wahrheitsmaschine

Polygrafen und Hirnscans sollen helfen, Falschaussagen zu entlarven. Wie viel Wissenschaft steckt hinter dieser Idee – und wie viel Mythos?
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Der erste dokumentierte Lügentest verwendete Getreide. Im alten Indien, so wurde überliefert, mussten Beschuldigte eine Hand voll Reis in den Mund nehmen, ein wenig darauf herumkauen und danach auf ein Feigenblatt ausspucken. Blieben die Körner trocken, galt die Täuschung als erwiesen.

So kurios dies anmutet, folgte es doch einer gewissen Logik: Wer nervös ist, dem bleibt oft buchstäblich die Spucke weg. Ein trockener Mund ist eine typische Reaktion auf Stresssituationen. Wenn man so will, nutzten die Inder damals schon einen Biomarker, um Rückschlüsse auf die verborgene Gedankenwelt eines Menschen zu ziehen. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren Lügendetektoren bis heute.

Die Wahrheit von einer arglistigen Täuschung zu unterscheiden, ist ein alter Menschheitstraum. »Wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, überzeugt sich, dass die Sterblichen kein Geheimnis verbergen können«, schrieb der Psychoanalytiker Sigmund Freud 1905. »Wessen Lippen schweigen, der schwätzt mit den Fingerspitzen, aus allen Poren dringt ihm der Verrat.« Doch diesen sicher zu erkennen, ist komplizierter, als man meint.

Durch bloße Beobachtung gelingt es jedenfalls kaum. Menschen sind relativ schlecht darin, Lügen zu entlarven. Mit vielen Flunkereien kommt man im Alltag gut davon, weil sich unsere Nächsten oft lieber einen Bären aufbinden lassen, als eine Unwahrheit zu vermuten. Als »truth bias« ist dieser beliebte Urteilsfehler in der Psychologie bekannt.

Im Labor konnten Versuchspersonen eine Lüge im Schnitt nur in 54 Prozent der Fälle als solche erkennen – man könnte also beinahe ebenso gut eine Münze werfen. Das ergab eine Metastudie der Psychologen Charles Bond und Bella DePaulo aus dem Jahr 2006, welche die Ergebnisse aus mehr als 200 verschiedenen Untersuchungen zusammenfasste. Selbst Profis, die von Berufs wegen mit Schwindeleien zu tun haben, etwa Polizisten und Lehrer, schneiden in solchen Tests nicht viel besser ab. Zwar gibt es durchaus Indizien: Wer lügt, wirkt zum Beispiel eher angespannt, blinzelt öfter und erzählt tendenziell detailarm. Einen zweifelsfreien Beweis für die Täuschung gibt es jedoch nicht.

Kann die Technik richten, wozu der Mensch allein nicht in der Lage ist? So genannte Polygrafen (wörtlich: »Vielschreiber«) sind Apparate, die verschiedene physiologische Kennwerte einer Person aufzeichnen. Das kennt man aus zahllosen Filmen und Serien: Der Verdächtige sitzt mit versteinerter Miene im Verhörraum, viele Elektroden mit langen Drähten sind an seinem Körper befestigt. Eine Kiste neben ihm zeichnet Kurven auf eine Papierrolle, während die Ermittler ihn mit endlosen Fragen löchern. Aber können Maschinen tatsächlich dabei helfen, Lügnern auf die Schliche zu kommen – und wenn ja, wie?

Die meisten Polygrafen sind sehr simpel konstruiert. Messfühler erfassen verschiedene Parameter wie Herzschlag, Blutdruck, Atemfrequenz oder die Hautleitfähigkeit, deren Verläufe elektronisch verarbeitet, ausgedruckt oder gespeichert werden. Für die Befragungen bieten sich verschiedene Interviewtechniken an (siehe »Wie man Schwindler überführt«). Aus den registrierten Kurven schließen Gutachter auf verschiedene kognitive und emotionale Prozesse, die mit Lügen einhergehen können. Mit Betonung auf können, denn perfekt sind diese Hinweise alle nicht.

Auf die Art der Fragen kommt es an

Am beliebtesten ist die Kontrollfragentechnik: Hier mischt der Ermittler seine Verhörfragen unter irrelevante Testfragen; er könnte sich beispielsweise nach dem fraglichen Mord erkundigen und anschließend danach, ob der Verdächtige schon einmal jemandem etwas weggenommen hat. Die Idee dahinter: Die »echten« Verhörfragen können nur den Täter nervös machen; auf sonstige moralische Fehltritte angesprochen zu werden, sollte jedoch das autonome Nervensystem von Unschuldigen stärker auf Trab bringen. Das Herz pocht dann schneller, der Blutdruck steigt, man kommt ins Schwitzen. Der Unterschied in den Reaktionen auf beide Arten von Fragen helfe daher, Lügner zu enttarnen.

Allerdings erkennt die befragte Person meist mühelos, welche der angesprochenen Dinge die relevanten sind – ob schuldig oder nicht. Und während der Täter seine Nervosität vielleicht unterdrücken kann, beginnt ein Unbescholtener womöglich schon allein deshalb zu schlottern, weil es »ernst wird«. Das schmälert die Aussagekraft.

Auch über die Genauigkeit des Tests ist kaum etwas bekannt. Bislang gibt es dazu nur wenige hochwertige Studien, und die berichten von eher mittelmäßigen Trefferquoten. Will man die Rate der falschen Verdächtigungen beispielsweise unter zehn Prozent halten, lassen sich mit der Kontrollfragentechnik höchstens 74 Prozent aller Lügner überführen. Das berechnete der National Research Council der USA im Jahr 2003 auf Basis der bis dahin erschienenen Studien zu dieser Methode.

Wie man Schwindler überführt: Die drei wichtigsten Fragetechniken

Kontrollfragentest

Echte Verhörfragen wechseln sich mit irrelevanten Kontrollfragen ab. Dann vergleicht man die Reaktionen. »Haben Sie in der Nacht zum 3. April Ihren Bruder erstochen?«, könnte der Ermittler fragen und danach: »Haben Sie schon mal jemandes Vertrauen missbraucht?« Einen Unschuldigen sollte die zweite Frage stärker nervös machen, während die erste Frage vor allem den Mörder ins Schwitzen bringt. Obwohl häufig eingesetzt, ist sie die dürftigste der drei Interviewtechniken. Die Grundidee funktioniert nicht immer: Manchmal werden die Probanden bei den »falschen« Fragen nervös – denn auch Unschuldige können oft unschwer erkennen, welche der Fragen eigentlich relevant sind.

Tatwissenstest

Es gibt Dinge, die kann nur der Mörder selbst wissen. »War die Brieftasche des Opfers blau? War sie rot? War sie grün?«, könnte die Ermittlerin fragen. Für einen Unwissenden wären alle drei Optionen gleichwertig – der Polygraf würde hier keinen Unterschied in den Reaktionen feststellen. Wer jedoch über kritisches Tatwissen verfügt, kann leicht vom eigenen Körper verraten werden. Wenn die korrekte Antwort an der Reihe ist, misst der Polygraf dann einen erhöhten Ausschlag. Es ist also keine Lügendetektion, sondern eher ein Wiedererkennungstest, bei dem nicht die Antworten entscheiden, sondern die körperlichen Reaktionen. Der Tatwissenstest ist zuverlässiger als der Kontrollfragentest, bringt aber ebenfalls große Probleme mit sich. Oft ist unklar, was wirklich nur der Täter wissen kann: Vielleicht wussten auch andere über die Brieftasche Bescheid? Ebenso ist es denkbar, dass der Mörder die Farbe in der Hektik überhaupt nicht bemerkte.

Sheffield-Test

Einige Fragemethoden kommen bislang vor allem in der Grundlagenforschung zum Einsatz, fast nie in der Praxis. Beispielsweise der Sheffield-Lügentest: Der Proband soll eine Reihe von Fragen stets zweimal beantworten – einmal wahrheitsgemäß, einmal mit einer Lüge. Aus den Messungen ergeben sich zwei individuelle Profile: Wie schlägt der Polygraf typischerweise aus, wenn der Proband lügt oder aber die Wahrheit spricht? Die so ermittelten Muster könnten dazu dienen, im Verhör die Glaubwürdigkeit einer Aussage zu beurteilen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Ein Täuschungsmanöver beansprucht viele kognitive Prozesse zugleich und lässt sich nicht zuverlässig an einer bestimmten Hirnregion ablesen.

Eine Alternative ist die Tatwissenstechnik. Hier geht es darum, ob ein Verdächtiger Dinge über den Tathergang weiß, die ein Unschuldiger unmöglich wissen kann. Allerdings kommt die Technik in der Praxis nur selten zum Einsatz: In echten Strafverfahren ist die Lage selten so eindeutig. Oft ist unklar, ob das spezielle Tatwissen vielleicht bereits zu Unbeteiligten »durchgesickert« ist. Außerdem handelt es sich streng genommen nicht um einen Lügen-, sondern um einen Wiedererkennenstest.

Alle gängigen Methoden haben eines gemein: Die Täuschung an sich lässt sich mit ihnen nicht erfassen, bestenfalls indirekt erschließen. Dabei treten jedoch häufig Fehler und Unschärfen auf. Einen Polygrafen als »Lügendetektor« zu bezeichnen, ist also selbst schon ziemlich geflunkert.

Was, wenn der Lügner seine Aussage glaubt?

Als große Verheißung erschien vor einigen Jahren die Lügendetektion mittels bildgebender Verfahren, etwa der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT). Die Bilder aus dem Scanner sollen aufdecken, was in einem Menschen vor sich geht. Die US-Firma No Lie MRI pries eine zuverlässige Wahrheitsprüfung als Service etwa für misstrauische Chefs und eifersüchtige Ehepartner. Mittlerweile hat sie ihre Dienste jedoch eingestellt.

Ein Team um den Neurowissenschaftler Sean Spence setzte die fMRT-Technik bereits 2007 in einem Kriminalfall ein. Es ging um eine 42-jährige Frau, die laut Gerichtsurteil ein Kind vergiftet hatte. Selbst nach vier Jahren im Gefängnis beteuerte sie ihre Unschuld. Spence und seine Kollegen führten einen fMRT-gestützten Lügentest durch und wollten damit Hinweise auf die Unschuld der Frau gefunden haben. Kollegen kritisierten das Verfahren jedoch als unsauber. Auch Spence selbst gab zu bedenken: Was, wenn die Frau von ihrer eigenen Unschuld überzeugt war, die Fragen also aufrichtig und dennoch falsch beantwortete? Gegen solcherlei Selbsttäuschungen kommt die fMRT-Technik nicht an.

fMRT-Lügentests sind deutlich teurer und aufwändiger als die Prozedur mit herkömmlichen Polygrafen. Zudem lassen sie sich einfach manipulieren

In den wenigen bisherigen Laborstudien zeigten die Neuro-Lügendetektoren durchaus hohe Trefferquoten. Eine Arbeitsgruppe um die chinesische Psychologin Qian Cui unterzog Studenten beispielsweise einem fiktiven Verhör, während sie im fMRT-Scanner lagen. Mit dieser Technik identifizierte das Team die »Mörder« in rund 94 Prozent und die »Unschuldigen« in 88 Prozent aller Fälle. Der Wermutstropfen: Die fMRT-Lügentests sind deutlich teurer und aufwändiger als die Prozedur mit herkömmlichen Polygrafen. Zudem lassen sie sich einfach manipulieren.

Wer zuckt, gewinnt

In einer Studie des Neuroforschers Giorgio Ganis von der Harvard Medical School konnten Probanden den Tatwissenstest im fMRT-Scanner erfolgreich austricksen, indem sie jedes Mal einen Zeh und zwei Finger minimal bewegten, bevor sie eine der irrelevanten Kontrollfragen beantworteten. Das genügte, um die Trefferrate auf klägliche 33 Prozent zu drücken. Für die klassischen Lügentests am Polygrafen existieren übrigens ähnlich wirksame Störmanöver. Und noch fehlt es an Methoden, diese Tricks zuverlässig zu erkennen oder ihnen vorzubeugen.

Kurzum: Die neueren Verfahren schaffen mehr Probleme, als sie lösen. »Die Kritikpunkte lassen sich nicht beseitigen, indem man zu neurowissenschaftlichen Messungen überwechselt«, geben die niederländischen Psychologen Ewout Meijer und Bruno Verschuere in einem Fachartikel zu bedenken. Sie fordern, lieber an den theoretischen Grundlagen zu feilen und bessere Fragetechniken zu erarbeiten, statt auf neue Technologien zu setzen.

In den USA kommt der Polygraf trotz aller methodischer Zweifel häufig zum Einsatz. Das ist auch dem Psychologenpaar William und Elizabeth Marston zu verdanken. Sie trugen in den 1920er Jahren maßgeblich zur Entwicklung des modernen Polygrafen bei. Gleichzeitig trieben sie seine Mystifizierung voran. Ihr Apparat hatte einen Gastauftritt in einem Werbespot des Rasierklingenherstellers Gillette. Nebenbei erfanden die beiden Tüftler die Comicfigur »Wonder Woman«. Die Superheldin besitzt ein »Lasso der Wahrheit«, mit dem sie Geständnisse aus ihren Widersachern hervorlocken kann – gegen deren Willen.

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Test mit dem Lügendetektor | Auf Kriminalfilm-Klischees der 1950er Jahre gründet die Idee der Lügendetektion bis heute.

Mit dem magischen Comic-Detektor kann sein reales Gegenstück aber nicht mithalten. Im Gegenteil, in einigen Fällen richtete der Glaube an die Polygrafie in den USA sogar handfesten Schaden an. Manche Verdächtige gerieten zu Unrecht ins Fadenkreuz der Ermittler, nachdem sie durch den Test gefallen waren. In anderen Fällen konnte sich der echte Täter aus der Schlinge ziehen: Das FBI fasste 1984 den Serienmörder Gary Ridgway und unterzog ihn einer polygrafischen Untersuchung. Er bestand den Test, kam auf freien Fuß und mordete weiter, bis er 2001 dingfest gemacht wurde.

Mehrere Doppelagenten konnten den US-Geheimdienst CIA fälschlicherweise von ihrer Unschuld überzeugen, nachdem sie sich dem Polygrafen stellten. Dem übergelaufenen Spion Aldrich Ames gelang das gleich zweimal. Besorgt fragte dieser zuvor bei seinen russischen Auftraggebern nach, wie er den Test überstehen könne. Er solle vorher gut ausschlafen und sich entspannen, so die Antwort. Offenbar genügte das bereits.

Vor deutschen Gerichten sind die Polygrafen bislang eine Seltenheit. Der Bundesgerichtshof (BGH) warnte schon 1954 vor einem »Einblick in die Seele des Beschuldigten« mittels Polygrafen. Mit dem Zugriff aufs Unbewusste würde eine Grenze überschritten – ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Aus heutiger Sicht mutet das sonderbar an: Die Urteilsbegründung spricht dem Apparat eine Kraft zu, über die er schlicht nicht verfügt. 1998 verwarf der BGH seine verfassungsrechtlichen Bedenken. Die ethische Debatte wich einer nüchtern-pragmatischen. In seinem neuen Urteil kritisierte der Gerichtshof den Lügendetektor lediglich als unzuverlässig. Der Kontrollfragentest habe »keinerlei Beweiswert«, heißt es in der Urteilsbegründung. Das generelle Beweismittelverbot aber war gekippt.

Der Test darf entlasten, nicht aber belasten

Wie häufig die apparativen Lügentests hier zu Lande vor Gericht verwendet werden, lässt sich nur schwer benennen. »In manchen Fällen kommt der Polygraf vor Gericht zum Einsatz, wird dann jedoch nicht immer in der Urteilsbegründung erwähnt«, sagt Torsten Voigt von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Laut dem Soziologen stützen sich vor allem Familiengerichte hin und wieder auf polygrafische Untersuchungen. »Das läuft eher unter dem Radar.«

Das Amtsgericht Bautzen ließ 2017 und 2018 in zwei Strafverfahren eine polygrafische Untersuchung erstmals offiziell zu – und würdigte diese auch in seinen Urteilen. In einem Fall ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen Kindesmissbrauch, im anderen wegen Vergewaltigung. Die Angeklagten wollten den Test nutzen, um ihre Unschuld zu beteuern. Die Regeln dafür sind eng gesteckt: Der Test darf nur zur Entlastung eines Beschuldigten dienen, denn niemandem soll ein falsches Ergebnis zum Verhängnis werden.

Das führt zu einer paradoxen Lage: Einerseits hat der Test den Anspruch, verborgenes Wissen an den Tag zu bringen. Andererseits soll er nur auf freiwilliger Basis zum Einsatz kommen und erfordert die Kooperation der Angeklagten, die ja möglichst nicht mogeln sollen. Inwiefern der Polygraf tatsächlich der Wahrheitsfindung vor Gericht dient, bleibt offen. Für die beiden Angeklagten aus Bautzen gingen die Strafverfahren glimpflich aus. Die Gutachterin bescheinigte ihnen, die Wahrheit gesprochen zu haben. Die Verfahren endeten jeweils mit einem Freispruch.

Das Tabu gegen den Polygrafeneinsatz scheint zu bröckeln. Dabei ist dieser wissenschaftlich und rechtlich nach wie vor äußerst heikel. Dass ihm überhaupt so viel Bedeutung beigemessen wird, hängt auch mit dem Mythos zusammen, der die Erfindung umgibt: die Idee einer »Wahrheitsmaschine«, vor der nichts verborgen bleibt, die das geheime Innenleben des Gegenübers nach außen kehrt. Torsten Voigt spricht von einer Dialektik aus Technikskepsis und Technikbegeisterung. »Wir haben zwar diese Faszination, wissen aber zugleich, dass sie so nicht erfüllt werden kann«, sagt er. »Doch anstatt die ganze Idee zu hinterfragen, geht es meist nur darum, die Technik zu verbessern.«

Mittlerweile ist der Lügendetektor zum popkulturellen Allgemeingut geworden. Manche Gesellschaftsspiele enthalten billige Plastik-Lügendetektoren, die per Hautkontakt die Wahrheit erkennen sollen. Aus dem einstigen Furchtinstrument der Geheimdienste und Gerichte ist ein Freizeitspaß geworden. Und im Online-Versandhandel werden für einen kleinen Betrag professionell aussehende Lügendetektoren angeboten, die sich per USB an den Laptop anschließen lassen. »Funktioniert sehr gut bei meinem Elfjährigen!«, schreibt eine Mutter in der Bewertungsspalte. Valide Ergebnisse liefert so ein Spielzeug natürlich nicht.

Der Ruf einer »Wahrheitsmaschine« eilt dem Polygrafen voraus. Die tatsächliche Beweiskraft scheint dabei in den Hintergrund zu rücken – aber vielleicht spielt das auch nur eine untergeordnete Rolle. Im Verhörraum und im Gerichtssaal kann das Gerät mit seinen Messfühlern jedenfalls gewaltig Eindruck schinden und so für einen gewissen Placeboeffekt sorgen. Manchmal wirkt der Lügendetektor gerade durch den Mythos, der ihn umgibt. »Es ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung«, meint Voigt. »Wenn ich erwarte, dass das Gerät funktioniert, dann traue ich mich schon gar nicht mehr zu lügen.«

11/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2020

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  • Quellen

Fischer, L. et al.: Wahrheit unter dem Vergrößerungsglas. Vorstellungen von Subjekt und Technik in der Rechtsprechung zur Polygraphie. Zeitschrift für Soziologie 48, 2020

Ganis, G. et al.: Lying in the scanner: Covert countermeasures disrupt deception detection by functional magnetic resonance imaging. Neuroimage 55, 2011

Gombos, V. A.: The cognition of deception: The role of executive processes in producing lies. Genetic, Social, and General Psychology Monographs 132, 2006

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