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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Betula-Arten

Betula-Arten

Fam.: Betulaceae.

Betula pendula Roth.(syn. Betula alba, B. lobulata, B. odorata, B. rhombifolia, B. verrucosa); Gewöhnliche Birke (syn. Hängebirke, Harzbirke, Rauhbirke, Sandbirke, Weißbirke), vgl. Abbildung.
Vork.: Der bis 30 m hohe Baum mit weißer Rinde und überhängenden Zweigen, ist in ganz Europa und gemäßigtem Asien bis etwa 65 ° nördlicher Breite zu finden.
Drogen: 1. Betulae cortex (syn. Cortex Betulae); Birkenrinde. Inh.: Gerbstoffe (4-15 % Proanthocyanidine), Leucoanthocyanidine, Triterpene (u.a. Betulin, Betulinsäure, Lupeol), Phenolcarbonsäuren, Spuren äther. Öls sowie Betulosid (bis 0,3 %). Anw.: Die Droge wird zur Herstellung von Birkenteer (s. Betulae pix) eingesetzt. In der Volksheilkunde werden Dekokte innerlich bei Hautkrankheiten und Wassersucht verwendet; äußerlich wird die Droge zu Bädern gegen Fußschweiß und Hautausschlägen bzw. für Umschläge bei Abszessen genutzt. 2. Betulae folium (syn. Folia Betulae, Folium Betulae); Birkenblätter. Inh.: Flavonoide (2-3 %, bes. Hyperosid, Quercitrin), Proanthocyanidine, Triterpene (Dammaranderivate), Monoterpenglucoside, Phenolcarbonsäuren, u.a. Kaffeesäure und Chlorogensäure, wenig äther. Öl, Ascorbinsäure (bis 0,5 %) und mineralische Bestandteile (Kaliumtartrat, Calciumoxalat). Anw.: Die Droge wird als Tee zur Durchspülungstherapie (aquaratische Wirksamkeit) bei bakteriellen und entzündlichen Infektionen der ableitenden Harnwege und bei Nierengrieß eingesetzt. In der Volksheilkunde dienen Birkenblätter auch zur Frühjahrskur bei Gicht und Rheuma sowie zur Blutreinigung. Als Badedroge werden sie auch bei Arthritis genutzt. Zur Teezubereitung verwendet man als mittlere Tagesdosis etwa 2-3 g Droge. 3. Betulae pix (syn. Oleum Betulae empyreumaticum, Oleum Betulae pyroligneum, Oleum betulinum, Oleum Moscoviticum, Oleum Rusci, Pix Betulae, Pix betulina, Pyroleum Betulae); Birkenteer (syn. Birkenöl, Birkenrindenteer, Birkenrindenteeröl, Juchtenöl, Litauischer Balsam, Russischer Balsam). Inh.: aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe (u.a. Guajacol, Kresol, Brenzcatechin, Phenol), Behensäure, Pyrogalloldimethylether-Derivate. Anw.: Zubereitungen aus Birkenteer werden insbes. in der Volksheilkunde zur Behandlung von Ekzemen, Psoriasis und anderen chronischen Hauterkrankungen genutzt. In Salben verarbeitet dient Birkenteer auch zur Therapie bei Parasitenbefall sowie von trockenen Flechten und Dermatosen. Birkenteerpräparate können auf der Haut auch unerwünschte Reizungen hervorrufen!
Hom.: 1. Betula pendula e cortice, äthanol. Decoctum HAB1, die getrocknete Rinde nur der weißen Ast- und Stammteile. 2. Betula pendula e foliis HAB1, die frischen, jungen Blätter. 3. Betula pendula ferm. 34e HAB1, die frischen, jungen Blätter. Anw.-Geb.: anthroposophisch orientierte Therapierichtung. 4. Carbo vegetabilis HAB1, die gut ausgeglühte Kohle von Birkenholz (syn. Carbo Betulae). Anw.-Geb.: Krampfaderleiden, Entzündungen der Atemwege, Verdauungschwäche sowie Herz-Kreislauf-Schwäche.



Betula pendula, Gewöhnliche Birke

Betula pubescens Ehrh. (syn. Betula alba, B. odorata, B. tomentosa); Behaarte Birke (syn. Besenbirke, Haarbirke, Moorbirke).
Vork.: Der aufrechte, bis 30 m hohe Baum oder Strauch ist in Mittel- und Nordeuropa bis 71 ° nördlicher Breite heimisch, wird aber auch in Nordasien gefunden, nicht jedoch in Nordamerika.
Drogen: Betulae cortex, Betulae folium, Betulae pix, Carbo vegetabilis. Inh. und Anw.: s. Betula pendula.

Histor.: Der Name Betula wurde bei den Römern für Birke gebraucht, ist jedoch möglicherweise gallischen Ursprungs, da Plinius von der Birke als "gallica arbor" schreibt. Der Name Birke ist vemutlich aus dem Altindischen abgeleitet (bhargás, strahlender Glanz und bhrag, glänzen, hell), da der Baum nach seiner weißen leuchtenden Rinde benannt ist. Die Birke ist vermutlich bereits in der Urheimat der Indogermanen vorgekommen, zumal sich der Name sowohl im Sanskrit als auch bei den germanischen und slawischen Völkern findet.

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