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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Bryonia-Arten

Bryonia-Arten

Fam.: Cucurbitaceae.

Bryonia alba L. (syn. Bryonia monoeca, B. nigra, B. vera, Uva angina, Uva serpentina, Vitis alba, Vitis nigra); Weiße Zaunrübe (syn. Schwarzbeerige Zaunrübe, Schwarzfrüchtige Zaunrübe), vgl. Abbildung.
Vork.: Südosteuropa, Westasien.
Droge: Bryoniae Radix (syn. Radix Bryoniae); Bryonia-alba-Wurzel (syn. Faselrübe, Faulrübe, Gichtrübe, Heckenrübe, Hundskürbiswurzel, Hundsrübe, Sauwurzel, Tollrübe). Die Droge gilt als stark giftig! Inh.: Curcurbitacine (u.a. Curcurbitacine B, D, E, I, J, K, L und ihre Glykoside) vgl. Formel, Trihydroxyoctadecadiensäuren, Bryonolsäure (Triterpenhydroxysäure). Wirk.: Die wäßrigen Extrakte der Droge besitzen antitumorale Aktivität in vitro, die aber wegen der starken toxischen Wirkungen therapeutisch nicht genutzt wird. Anw.: in der Volksheilkunde als Abführmittel, Brechmittel und Diuretikum (obsolet); bei Erkrankungen des Verdauungstraktes, der Atemwege, Rheuma, Stoffwechselstörungen, Lebererkrankungen und Infektionen. Aufgrund der toxischen Risiken ist eine Anwendung der Droge nicht empfehlenswert. Spezielle Extrakte aus der Droge werden wegen ihrer immunstimulierenden Wirkung in einigen Fertigarzneimitteln verwendet, ein toxikologisches Risiko besteht bei diesen Präparaten nicht.
Hom.: Bryonia (syn. Bryonia alba), die frische Wurzel. Anw.-Geb.: Katarrhalische und rheumatische Erkrankungen, zur Beseitigung des Schmerzempfindens. vgl. Abbildung



Bryonia alba, Weiße Zaunrübe





Bryonia alba. Blühender Sproß (A), rübenartige Wurzel (B).

Bryonia cretica L. (syn. Bryonia acuta, B. digynia, B. dioica, B. sicula); Rote Zaunrübe (syn. Falsche Alraune, Gichtrübe, Heckenrübe, Hundskürbis, Hundsrübe, Roßrübe, Rotbeerige Zaunrübe, Rotfrüchtige Zaunrübe, Teufelsrübe), vgl. Abbildung.
Vork.: Mittel- und Südeuropa, Nordafrika.
Droge: Radix Bryoniae; Bryonia-cretica-Wurzel (syn. Faselrübe, Faulrübe, Gichtrübe, Heckenrübe, Hundskürbiswurzel, Hundsrübe, Sauwurzel, Tollrübe), die getrockneten, rübenförmigen Wurzeln. Inh.: Curcurbitacine und ihre Glykoside, Bryoamarid, Bryonosid, Bryosid, Bryonolsäure (Triterpensäure), ferner Chrysophansäure, Bryodin-L und Bryodin-R (ribosomeninaktivierende Proteine) und Lectine. Anw.: drastisches Abführmittel, Brechmittel. Andere Anw. und Bewertung s. Bryonia alba.
Hom.: 1. Bryonia cretica (syn. Bryonia) HAB1, die frische, vor der Blütezeit geerntete Wurzel. Anw.-Geb.: akute Entzündungen der Atemwege, des Rippenfells, des Bauchfells, der Leber; akuter und chronischer Rheumatismus. 2. Bryonia cretica ferm. 33b HAB1 (syn. Bryonia e radice ferm 33b), die frischen, vor dem Austreiben geernteten Wurzeln. Anw.-Geb.: anthroposophische Therapierichtung.



Bryonia cretica, Rote Zaunrübe

Histor.: Die Zaunrübe war bereits den Ärzten des Altertums bekannt. Ihre oft menschenähnliche rübenförmige Wurzel wurde bei den Südslawen häufig als "Alraune" aufbewahrt und galt als starkes Heilmittel bei einer Vielzahl von Erkrankungen. Der Gattungsname Bryonia wurde von Plinius für Kletterpflanzen geprägt und ist vom griechischen bryo (wachsen), sprossen abgeleitet, da sich die Stengel schnell und zahlreich aus dem Wurzelstock entwickeln. Der Name Zaunrübe weist auf das bevorzugte Vorkommen, nämlich kletternd an Zäunen, sowie auf die rübenartig verdickte Grundachse hin. Als Droge war die Zaunrübe bereits den Ärzten der Antike bekannt. Die Hippokratiker verwandten sie als gynäkolisches Mittel und nach Dioskurides dienten die Früchte der Weißen Zaunrübe unter anderem als Mittel gegen Epilepsie, Schlaganfälle, Schwindel sowie als Abortivum.

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