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Kompaktlexikon der Biologie: Aussterben

Aussterben, das unwiederbringliche Verschwinden von Arten, Gattungen oder höheren Taxa der Lebewesen im Verlauf der stammesgeschichtlichen Entwicklung oder durch den Menschen bedingt.

1) Natürlich bedingtes Aussterben. Beispiele sind das Erlöschen von Taxa ohne Hinterlassen von Nachfahren (z.B. leben von 17 Reptilienordnungen heute nur noch vier), Artaufspaltung und Artumwandlung (Artbildung). Als Ursachen werden v.a. diskutiert die Entstehung oder Einwanderung neuer, überlegener Formen (so ersetzte der Dingo in Australien den Beutelwolf) sowie erdgeschichtliche Katastrophen oder auch langsame Veränderungen des Klimas bzw. Schwankungen der Temperatur. Im Verlauf der Erdgeschichte wurden mehrere deutliche Massenaussterben, insbesondere am Ende des Perm und am Ende der Kreide beobachtet.

2) Durch den Menschen bedingtes Aussterben. Der Mensch führt beabsichtigt oder unbeabsichtigt zum A. vieler Arten. In vorgeschichtlicher Zeit wurde z.B. das Riesengürteltier ausgerottet (Ausrottung). Auf Neuseeland rotteten die Maoris die knapp 20 Arten der Moas (flugunfähige Riesenvögel) aus. Durch Jagd ausgestorben sind der Auerochse oder Ur (1627), die Steller'sche Seekuh (1768), der Riesenalk (1844) und zahlreiche andere Arten. In der Gegenwart hat das A. von Tier- und Pflanzenarten ein katastrophales Ausmaß angenommen. US-Forscher haben errechnet, dass etwa alle fünf Jahre eine Tierart durch natürliche Prozesse verschwindet. Nach neuesten Berichten der Deutschen Zoologischen Gesellschaft beträgt der tägliche Artenverlust etwa 100 Arten, ist also um den Faktor 180000 höher als das, was in der Natur verursacht wird.

Meist ist der Artenschwund auf mehrere Ursachen zurückzuführen. Zu den Hauptfaktoren, die zum Artensterben beitragen, gehören: Biotopveränderungen (Vernichtung von Biotopen, Entwaldung, Entwässerung, Kultivierung usw.), Übernutzung der Bestände, Jagd (insbesondere die Luxus- und Trophäenjagd, z.B. nach Elfenbein, Schildpatt, Fellen), Einführung fremder Arten (Faunenverfälschung), Bekämpfung von (vermeintlichen) Schädlingen, Einschleppung von Krankheiten sowie Umweltverschmutzung. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen ist eine der effektivsten internationalen Konventionen, die sich dem Trend zur Ausrottung seit über 25 Jahren entgegenstellt. Oft werden jedoch Handelsbeschränkungen nicht eingehalten. Der Arterhaltung dienen auch Zoos, Samenbanken und Genbanken. (Rote Liste, Artenschutz, Agenda 21)

Literatur: Engelhardt, W.: Das Ende der Artenvielfalt. Aussterben und Ausrottung von Tieren, Darmstadt 1997



Aussterben: Zahl der weltweit ausgestorbenen und gefährdeten Wildtierarten nach Angaben der Roten Liste (IUCN 1996). Prozentangaben beziehen sich auf die Gesamt-Artenzahl der jeweiligen Klasse (verschiedene Quellen). Die Kategorie „Daten defizitär“ enthält Arten, die aufgrund mangelnder Daten nicht eingestuft werden konnten

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Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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