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Paleopharmakologie: Antikes Bier enthielt Antibiotika

Die alte Kultur der Nubier lebte im Gebiet des heutigen Sudan zwischen 350 und 550 n. Chr. offenbar gesund durch regelmäßige Rationen eines antibiotikahaltigen Bieres. Dies berichten Forscher der Emory-Universität um George Armelagos.

Die Wissenschaftler wiesen in fast neunzig Prozent aller Knochenreste der südlich von Ägypten gedeihenden Nubierstämme Spuren von Tetrazyklin nach. Dieser auch heute medizinisch verwendete Wirkstoff wird von Streptomyces-Bakterien produziert. Wahrscheinlich fanden sich die bodenlebenden Keime in den typischen, zur Vorratshaltung genutzten Gefäßen aus getrocknetem Schlamm. Darin aufbewahrte, mit Streptomyces-Keimen vermischte Getreidekörner verarbeiteten die Nubier zu einem Teig, kochten diesen kurz auf und vergoren ihn anschließend zu Bier.

Das so entstandene Gebräu ähnelte allerdings weniger heutigen Brauerzeugnissen, als einem wahrscheinlich zähflüssigen, sauren Schleimbrei, so Amelagos. Wahrscheinlich tranken alle Stammesmitglieder diesen Schleim und erlaubten auch dem Nachwuchs, etwa übrigbleibenden Bodensatz zu verspeisen: Die Forscher entdeckten Tetrazyklinreste auch in den Knochen von gerade einmal 24 Monate alten Kindern. Das Antibiotikum dürfte die Konsumenten vor Knocheninfektionen geschützt haben, so die Forscher: Alle untersuchten Skelettteile waren frei von bakteriell verursachten Infektionsfolgen.

Im nördlich des Nubier-Reiches gelegenen Ägypten reichen schriftliche Nachweise der segensreichen Wirkung von Biere lange zurück. Die alten Ägypter setzten aus Getreide gebraute Tränke gegen eine Vielzahl von Beschwerden ein – von Zahnfleischentzündungen bis zu Enddarmleiden. Obwohl der Gebrauch des Bieres sich wohl in erster Linie wegen der Nahrhaftigkeit und berauschenden Wirkung durchsetzte, sei nicht auszuschließen, dass die medizinische Bedeutung frühen Bierfreunden nicht verborgen geblieben war.
18.05.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 18.05.2005

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