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Masern - Mumps - Röteln: Auch in Dänemark führt Impfen nicht zu Autismus

Seit Jahrzehnten wird gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Dabei führt das Vakzin nicht zu Autismus, wie eine zurückgezogene Studie einst falsch behauptet hat.
Fläschchen mit ImpfstoffLaden...

Es leider Alltag, dass wissenschaftliche Studien wegen Fehlern oder auch arglistigen Täuschungen zurückgezogen werden. Wohl wenige aber waren und sind so gefährlich, wie die des britischen Exarzts Andrew Jeremy Wakefield. Er durfte 1998 eine Studie in »The Lancet« publizieren, laut der ein gängiger Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) Autismus auslösen könne. Sie wurde 2010 vom verantwortlichen Journal wegen offenkundiger Fehler, »unethischer Forschungsmethoden« und einer «unverantwortlichen Darstellung der Ergebnisse« zurückgezogen. Unter anderem hatte er verschwiegen, dass er von Anwälten finanziert wurde, die die Hersteller von Impfstoffen verklagen wollten. Dennoch kursiert das Traktat immer noch in Impfgegnerkreisen und verunsichert Eltern – obwohl schon mehrere große Studien gezeigt haben, dass kein derartiger Zusammenhang besteht. Auch eine weitere Datenauswertung eines umfangreichen nationalen Datensatzes bestätigt: Impfen erhöht in keiner Weise das Risiko für Autismus.

Anders Hviid vom Statens Serum Institut in Kopenhagen und sein Team haben dazu die Gesundheitsdaten von mehr als 650 000 dänischen Kinder ausgewertet, die zwischen 1999 und 2010 geboren und bis 2013 untersucht wurden. Ihre Ergebnisse legten sie im Journal »Annals of Internal Medicine« vor. Der Datensatz umfasste neben der Impfrate – die mehr als 95 Prozent betrug – auch bekannte potenzielle Risikofaktoren für Autismus wie das Alter der Eltern, das Vorliegen einer Autismus-Spektrum-Störung bei einem Geschwisterkind, Frühgeburten und ein niedriges Geburtsgewicht. Bei einem Prozent der Kohorte wurde später eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert.

Die entscheidende Aussage war aber: Unter den geimpften Kindern gab es statistisch gesehen nicht mehr Fälle von Autismus als bei den ungeimpften. Das galt auch für die Teilgruppe, bei denen auf Grund bestimmter Faktoren das generelle Risiko für eine Autismus-Spektrum-Störung erhöht war. Hier sorgte die Impfung ebenfalls nicht dafür, dass sich das Autismus-Risiko weiter erhöhte. Die dänische Studie ist mittlerweile mindestens die 18. Studie, die keinen Zusammenhang findet zwischen einer MMR-Impfung und der Ausbildung einer Autismus-Spektrum-Störung. Dennoch wird Wakefields »Arbeit« in sozialen Netzwerken und auf Impfgegnerseiten weiter als Punkt gegen das Impfen angeführt.

In den letzten Jahren hat die Zahl der Masernfälle weltweit wieder deutlich zugenommen. In Europa beispielsweise haben sie sich von 2017 auf 2018 verdreifacht – wobei ein Teil der Fälle nicht auf Impfgegner, sondern auf andere Faktoren zurückzuführen sind wie etwa den Krieg in der Ostukraine, der die Impfquoten reduziert hat. Deutschland und andere westeuropäische Länder mit guter medizinischer Infrastruktur erleben jedoch ebenfalls wiederkehrende lokale und regionale Masernwellen. Die WHO hat Impfgegner daher mittlerweile als eines der zehn größten globalen Gesundheitsrisiken eingestuft.

10/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 10/2019

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