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Changzheng-5B: Raketenstufe wird unkontrolliert auf die Erde stürzen

Geschätzt vier bis acht Tonnen Material der Rakete Changzheng-5B könnten den Absturz überstehen. Wo der Weltraumschrott aufschlagen wird, kann niemand vorhersehen.
Changzheng-5B beim Start am 29. AprilLaden...

Eine 20 Tonnen schwere Raketenstufe der chinesischen Weltraumbehörde wird in den nächsten Tagen unkontrolliert auf die Erde stürzen. Das berichtet unter anderem das US-amerikanische Astromagazin »Spacenews.com«. Wann und wo genau das Teil auf den Boden auftreffen wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Als sicher gilt allerdings angesichts der Flugbahn des Objekts, dass Deutschland nicht getroffen werden wird.

Bei der Stufe handelt es sich um ein Überbleibsel der Transportrakete Changzheng-5B (»Langer Marsch«), die Ende April 2021 das Kernmodul der neuen chinesischen Raumstation Tiangong-3 in den Weltraum brachte. Dabei erreichte sie Orbitalgeschwindigkeit und taumelt nun mit sieben Kilometern pro Sekunde auf einer Höhe von 170 bis 372 Kilometern um die Erde, wo sie durch Reibung mit der Atmosphäre langsam abgebremst wird. Die Zentralstufe ist 30 Meter lang und fünf Meter breit. Wie viel Material den Flug durch die Atmosphäre überstehen wird, ist unklar. Fachleuten zufolge dürften am Ende 20 bis 40 Prozent der Masse auf der Erde aufschlagen.

Die Bahnneigung der Raketenstufe beträgt 41,5 Grad, das bedeutet, dass sie überall in einem Korridor zwischen 41,5 Grad nördlicher und südlicher Breite abstürzen könnte. In Europa verläuft die kritische Grenze ungefähr auf der Linie Barcelona – Rom – Istanbul. Um den genauen Absturzort zu kennen, müsste man angesichts der hohen Geschwindigkeit, mit der die Raketenstufe um die Erde kreist, den Absturzzeitpunkt extrem genau vorhersagen. Ein Irrtum von nur fünf Minuten würde bedeuten, dass die Stufe in der Zwischenzeit über 2000 Kilometer weiter geflogen ist.

Der wahrscheinlichste Ausgang ist, dass die Raketenstufe ins Meer fällt. Dennoch stellt der unkontrollierte Absturz nach Ansicht des Raumfahrtexperten Jonathan McDowell einen außergewöhnlichen und »inakzeptablen« Vorgang seitens der chinesischen Raumfahrtbehörde dar, sagte er »Spacenews.com«. Seit 1990 habe man nichts, was schwerer ist als zehn Tonnen, auf diese Weise unkontrolliert abstürzen lassen.

Mit Bremsmanövern lassen sich Raketenstufen zu einem schnellen und planbaren Absturz zwingen. Ob ein solches System bei Changzheng-5B versagte oder gar nicht eingeplant war, ist unbekannt.

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