Direkt zum Inhalt
Evolution

Die wohl härteste Schlange der Welt

Wer Appetit auf Rattenbabys hat, muss mit deren Müttern zurechtkommen. Am Erdpython beißen sich die Nager die Zähne aus.
Am Erdpython beißen sich Ratten die Zähne aus

Viele große Entdeckungen beginnen mit einem Zufall – so auch die von Bruce Young von der A.T. Still University in Missouri und seinem Team: 2015 wollten sie eigentlich die Gehirnstrukturen von verschiedenen Schlangen untersuchen. Dazu hätten sie die Tiere köpfen müssen, doch in einem Fall scheiterten sie erst einmal völlig. Bei jeder Spezies schnitt das verwendete Rasiermesser mit Leichtigkeit durch die Haut und das darunter liegende Gewebe, bei dem Erdpython (Calabaria reinhardtii) jedoch gelang es den Biologen nicht einmal unter Aufbietung aller Kräfte, das Reptil zu enthaupten. Erst mit Hilfe eines neuen, sehr scharfen chirurgischen Skalpells und immer noch mit brachialer Gewalt hatten die Forscher letztlich Erfolg. Dieser Kampf weckte zusätzliches Interesse von Young und Co, die ihr Ergebnis im "Journal of Morphology" vorstellen.

Schlangen besitzen wie Menschen eine ganz außen liegende Epidermis – bei den Reptilien durch Schuppen aufgebaut –, unter der sich die Dermis (oder Lederhaut) anschließt. Letztere besteht aus Bindegewebe und ist normalerweise recht elastisch; sie kann aber leicht verletzt werden. Der Erdpython weicht von dieser Norm allerdings markant ab. Zum einen ist seine Lederhaut 15-mal dicker als die anderer Schlangen und um einige Größenordnungen widerstandsfähiger, wie Young und seine Kollegen mit verschiedenen Tests ermittelt haben: Sie lässt sich kaum mit spitzen Gegenständen durchdringen. Verantwortlich dafür ist die besondere Anordnung der Bindegewebsfasern. Ihre zahlreichen Lagen sind hochgradig organisiert und nicht nur lose Bündel wie bei anderen Schlangen (und uns Menschen). Stattdessen verlaufen die einzelnen Kollagenlagen zusätzlich kreuzweise geschichtet zueinander. Dadurch entsteht ein extrem stabiles, reißfestes Gewebe, das dennoch flexibel ist.

Wer das Beutespektrum des Erdpythons betrachtet, ahnt, warum die Schlangen so widerstandsfähig sein müssen. Sie dringen in die Nester von Nagetieren ein und fressen dort den Nachwuchs der Säuger – was natürlich fanatische Gegenwehr der Mütter auslöst. Diese attackieren den Invasor aggressiv mit ihren spitzen Zähnen, können jedoch wegen dessen stabiler Rüstung nichts ausrichten. Diese schränkt den Python auf der anderen Seite jedoch auch ein, denn er kann im Gegensatz zu seiner Verwandtschaft keine Beute verschlingen, die größer als sein Kopf ist: Der Schlangenkörper kann sich wegen der dicken Kollagenlagen kaum aufdehnen. Und wahrscheinlich führt dies ebenso dazu, dass die Art nur sehr wenige Eier legt, wenn sie Nachwuchs zeugt. Während es bei verwandten Spezies bis zu 100 Stück sind, beschränken sich die Erdpythons auf durchschnittlich vier.

Lesermeinung

1 Beitrag anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Vielen Dank!

Partnervideos