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Haastadler: Nicht nur ein gefürchteter Jäger

Der größte bekannte Greifvogel hätte auch Menschen erbeuten können. Bei der Ernährung bevorzugte er dann die inneren Organe.
Rekonstruktion eines Haast-Adlers

Bis vor wenigen hundert Jahren kreiste ein gewaltiger Greifvogel am Himmel über Neuseeland: Mit einer Flügelspannweite von drei Metern und bis zu 15 Kilogramm Gewicht ist der Haastadler (Hieraaetus moorei) der größte bekannte Adler der Erde. Mit seinen gewaltigen Fängen konnte er selbst große Moas mühelos erbeuten. Doch beim Fressen verhielt er sich dann eher wie ein Geier, berichten Anneke van Heteren von der Zoologischen Staatssammlung München und ihr Team in den »Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences«.

Das Team untersuchte dazu Schädel des Adlers sowie die biomechanischen Eigenschaften des Hirnschädels und seine Krallen und verglichen diese mit fünf heute noch lebenden Greifvögeln, darunter auch Geier. Der Hirnschädel des Haastadlers ist demnach geierähnlich geformt, während Schnabel und Krallen eher denen heute noch lebenden Adlern ähneln. Van Hetern und Co simulierten dann biomechanisch, wie der Haastadler beim Fressen seinen Kopf bewegt: Die Verformung des Schädelknochens war beim Töten am geringsten. Er biss mit dem Schnabel kräftiger zu als andere Adlerarten wie etwa die Harpyie, die zu den stärksten überlebenden Greifvögeln gehört.

Nach dem Erbeuten ging der neuseeländische Gigant dann jedoch eher wie ein Geier vor. Das zeigen typische Verformungen des Schädels beim Zurückziehen und seitlichen Schütteln des Kopfes. Diese sind beim Haastadler ähnlich wie beim Andenkondor, der hauptsächlich die Eingeweide von Kadavern frisst und dafür mit dem Kopf tief ins Innere der toten Tiere vordringt. Dass er tatsächlich mit den Füßen zustoßen und töten konnte, zeigte wiederum die Simulation der Krallenfunktion: Die Formveränderung beim Zupacken war deutlich geringer als bei den anderen Greifvögeln. Die Fänge konnten so extrem hohen Belastungen standhalten.

Deshalb konnte es dem Adler gelingen, selbst schwere Moas zu töten. Nach deren Aussterben – wahrscheinlich ausgerottet durch die neu auf der Insel siedelnden Maori – verschwanden schließlich auch die Haastadler. Legenden der Maori nach verlegten sich die Greifvögel parallel zum Niedergang ihrer wichtigsten Beute womöglich auch auf Menschen als Nahrung. Die Kraft dazu hätten sie sicher gehabt. Sicher ist jedenfalls, dass die ersten Menschen Neuseelands die Tiere noch sahen: Davon zeugen unter anderem Felszeichnungen. Sie deuten auch an, dass die Haastadler womöglich ähnlich wie heutige Geier aussahen und am Kopf nicht oder nur schwach gefiedert waren – eine Anpassung an das Fressen innerhalb blutiger Kadaver.

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