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Konkurrenz: Wenn der Schakal dem Luchs die Beute abluchst

Der Goldschakal ist ein Neuankömmling in Europa und seine Rolle noch unbekannt. Eine Beobachtung aus Slowenien zeigt, welche Konkurrenz entstehen kann.
Der Goldschakal

Ursprünglich kamen Goldschakale (Canis aureus) vom Nahen Osten bis nach Südasien vor, doch mittlerweile haben sie sich weit in Europa ausgebreitet. Auch in Deutschland und in Skandinavien werden die Tiere immer häufiger gesichtet. Wie sie sich hier in die Ökosysteme einfügen werden und was das für andere Beutegreifer wie Fuchs, Wolf oder Luchs bedeutet, ist allerdings noch unbekannt. Einen ersten Einblick gibt eine Beobachtung aus Slowenien, die Miha Krofel von der Universität Ljubljana und Co in »Global Ecology and Conservation« beschreiben.

Goldschakale erreichten das Land bereits 1955, gleichzeitig ist es bekannt für seine guten Bestände an Braunbären, Wölfen und Luchsen, die durch die dichten Wälder der Gebirge und des Karsts streifen. Krofel und sein Team führten zwischen 2006 und 2021 eine Langzeitstudie an Luchsen in den Dinariden durch, einem Gebirgszug, der sich von Slowenien weit nach Südosten zieht. Zweimal entdeckte die Arbeitsgruppe auf Bildern der von ihr aufgestellten Kamerafalle Goldschakale, die an toten Rehen fraßen, welche Luchse erbeutet hatten.

In beiden Fällen kehrten die Raubkatzen nicht zu ihrem Riss zurück. Unbekannt ist jedoch, ob die Luchse von den Konkurrenten aktiv vertrieben worden waren oder ob sie die Kadaver aus anderen Gründen, etwa wegen des fremden Geruchs, gemieden hatten. Die Katzen sind prinzipiell stärker als die Schakale, doch treten diese mitunter in kleineren Rudeln auf, in denen sie den Luchsen dann überlegen sind.

Ebenfalls unklar ist, ob eine solche Nahrungskonkurrenz in den Dinariden überhaupt ein Problem für die bedrohten Luchse werden könnte. Hier leben auch viele Wölfe, welche wiederum die Zahl der Schakale kleinhalten: Bei Gelegenheit töten sie diese beziehungsweise die Schakale meiden die Reviere der größeren Verwandten. In Gebieten, in denen die Wölfe fehlen, könnte der Kleptoparasitismus genannte Nahrungsentzug die Luchse jedoch zusätzlich gefährden, schreiben Krofel und Co.

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