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Gesundheit: Macht Schlafmangel dick?

Menschen, die zu wenig schlafen, müssen eher mit einer Gewichtszunahme rechnen als Personen, die sich ausreichend Ruhe gönnen. Zwei Studien haben einen engen Zusammenhang zwischen dem Schlafpensum und den Konzentrationen der Hormone Leptin und Ghrelin festgestellt, die als Appetitregler bekannt sind. Das im Magen produzierte Ghrelin löst dabei Appetit aus, während Leptin dem Körper das Sättigungsgefühl vermittelt. Steigende Ghrelin- und fallende Leptin-Konzentrationen wecken daher das Bedürfnis nach Essen.

Eve Van Cauter von der Universität Chicago und ihre Kollegen baten zwölf junge Männer Anfang zwanzig ins Schlaflabor. In einem ersten Experiment durften die Freiwilligen zwei Nächte nacheinander nur vier Stunden schlafen, in einem anderen Test über neun Stunden. Nach den kurzen Nächten kletterte ihr Ghrelin-Gehalt um 28 Prozent, während die Leptin-Konzentrationen um 18 Prozent fielen [1]. Außerdem hatten die Teilnehmer weitaus mehr Appetit auf Süßigkeiten, Chips und Nüsse oder stärkehaltige Produkte wie Nudeln und Brot als in ausgeschlafenem Zustand. Der Hunger auf Obst, Gemüse oder Milchprodukte stieg weitaus schwächer an. Die Forscher vermuten, dass dadurch die Nachfrage des Gehirns nach Energie liefernder Glukose gedeckt werden soll, die bei Schlafmangel und dem damit verbundenen Stress womöglich höher ist. Hinzu könnte kommen, dass es bei Ermüdung schwieriger sei, Entscheidungen zu treffen – und damit der Griff zum süßen Kringel wohl leichter falle als der zum fettarmen Joghurt.

Diese Laborergebnisse decken sich mit einer umfangreichen Untersuchung an über tausend Teilnehmer einer langfristigen Schlafstudie. Emmanuel Mignot von der Stanford-Universität und seine Mitarbeiter hatten über Jahre hinweg die Teilnehmer nach ihren Schlafgewohnheiten befragt, sie im Schlaflabor beobachtet und regelmäßig ihre Ghrelin- und Leptin-Gehalte erfasst. Sie stellten bei Personen, die weniger als fünf Stunden schlafen, im Vergleich zu Acht-Stunden-Schläfern eine Zunahme der Ghrelin-Konzentrationen um 14,9 Prozent und eine Abnahme der Leptin-Konzentrationen um 15,5 Prozent fest [2]. Außerdem zeigte sich mit geringerem Schlafpensum ein höherer Body-Mass-Index (BMI).

Die Schlafgewohnheiten haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert: Inzwischen schlafen die Menschen in Deutschland durchschnittlich nur noch siebeneinviertel Stunden, in den USA sogar weniger als sieben Stunden. In den 1960er Jahren lag dort das nächtliche Schlafpensum noch bei achteinhalb Stunden. Gleichzeitig nahm auffälligerweise die Zahl der übergewichtigen Menschen dramatisch zu: Während damals nur jeder vierte Erwachsene übergewichtig und jeder neunte fettleibig war, bringen heute zwei von drei Erwachsenen in den USA zu viel auf die Waage, und beinahe jeder Dritte muss als fettleibig gelten.

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