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Mimikry: Diesen Vogel kann der Kuckuck nicht täuschen

Kuckucke ahmen die Eier anderer Vögel nahezu perfekt nach. Doch eine afrikanische Vogelart lässt sich nicht foppen und entwickelte einen raffinierten Schutz gegen die Schmarotzer.
Trauerdrongo
Ein Trauerdrongo (Dicrurus adsimilis) im Flug: Der Vogel ist in Subsahara-Afrika heimisch.

Kuckucke imitieren täuschend echt die Eier anderer Vogelarten, sodass sie ihren Nachwuchs nicht selbst hochpäppeln müssen. Allerdings lassen sich nicht alle Vögel ein falsches Ei ins Nest legen. Der Trauerdrongo (Dicrurus adsimilis), eine im tropischen Afrika heimische Vogelart, hat eine derart individuelle Musterung und Färbung seines Geleges entwickelt, dass er schätzungsweise 94 Prozent aller Kuckuckseier erkennt und sie aus dem Nest befördert. Und das, obwohl sein Gegenspieler, der Afrikakuckuck (Cuculus gularis), das Gelege des Drongos nahezu perfekt nachahmt, wie eine Forschergruppe um Jess Lund von der University of Cambridge und der University of Cape Town jetzt im Fachblatt »Proceedings of the Royal Society B« berichtet.

Für ihre Studie besuchten die Forscherinnen und Forscher die Region um Choma im Süden Sambias. Dort dokumentierten sie 192 Eier der beiden Vogelarten in einem Zeitraum von vier Jahren, jeweils von September bis November. Dabei zeigte sich, dass die Eier sehr unterschiedlich gemustert und gefärbt sind – von weiß bis rotbraun, mal gesprenkelt und mal größer gefleckt. Ebenso fanden die Ornithologen heraus, dass die Kuckucke in der Lage sind, das Drongogelege recht exakt zu imitieren. »Die Nachahmung [die Mimikry] der Farbe durch die Kuckucke ist praktisch perfekt«, und »die Musternachahmung ist nahezu perfekt«, schreiben die Forschenden in ihrer Studie.

Gelege | In den beiden Gelegen des Trauerdrongos liegt jeweils ein Kuckucksei – kaum zu unterscheiden. Vom Afrikakuckuck stammt das Ei ganz rechts.

Als Nächstes sammelten Jess Lund und ihre Kollegen Eier des Trauerdrongos und tauschten sie mit solchen in den Nestern von Artgenossen aus. Dabei stellten sie fest, dass die Drongoweibchen selbst die arteigenen Eier sehr oft erkannten und hinauswarfen. 76 von 114 Stück entdeckten die Drongos. Der Grund: Jedes Weibchen des Trauerdrongos produziert Eier mit einer spezifischen Musterung und Farbe. Sie können ihr eigenes Gelege also sehr genau identifizieren.

Aus ihren Ergebnissen berechnete die Arbeitsgruppe, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Trauerdrongos Eier von Brutschmarotzern wie dem Afrikakuckuck entdecken würden: mit geschätzten 94 Prozent. Ob diese Zahl tatsächlich den wirklichen Begebenheiten entspricht, ist aber noch fraglich. Wie das Wissenschaftlerteam selbst anmerkt, würde ein Kuckuckweibchen dann zeitlebens nur zwei Vögel produzieren. Das wäre eigentlich zu wenig; die Population des Afrikakuckucks müsste schrumpfen, was jedoch nicht der Fall ist. Womöglich, so überlegen Lund und ihr Team, wandern die Kuckucke auch von anderswo zu, wo sie weniger gut gewappneten Drongos begegneten.

Kuckucksküken | Gelingt es dem Afrikakuckuck, einem Drongo erfolgreich ein Ei unterzujubeln, vertreibt das geschlüpfte Küken alsbald das Gelege des Vogels aus dem Nest. Nur der Nachwuchs des Schmarotzers kommt durch.

Nicht nur was die individuelle Markierung ihrer Eier betrifft, sind die Trauerdrongos gewiefte Vögel. Sie bedienen sich nämlich selbst der Nachahmung: So imitieren sie die Warnrufe verschiedener Tiere, wenn sich Greifvögel nähern. Machen sich diese Tiere gerade über ihre Beute her, scheucht sie der Drongo mit dem nachgeahmten Warnruf zu Flucht und bedient sich dann an der hinterlassenen Beute.

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