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Kurioser »Magnetpropeller«: Schnellster Weißer Zwerg rotiert in 25 Sekunden

Dieser Sternrekord kommt mit einem besonderen Bonuseffekt. Der schnell rotierende Sternüberrest sprüht mit enormer Geschwindigkeit das Material seines Begleitsterns ins All.
Künstlerische Darstellung eines Propellersterns und des von seinem Begleitstern abgezogenen Gasjets.

Nur 25 Sekunden braucht der Sternüberrest LAMOST J024048.51+195226.9, um sich einmal um seine Achse zu drehen – und mit seinem Magnetfeld das Plasma seines Begleitsterns in den Weltraum zu schleudern. Er ist damit der am schnellsten rotierende bekannte Weiße Zwerg, berichtet eine Arbeitsgruppe um Ingrid Pelisoli von der University of Warwick in den »Monthly Notices of the Royal Astronomical Society«. Der nächstschnellste Weiße Zwerg braucht 29 Sekunden für eine Umdrehung.

Außerdem ist er erst der zweite bekannte Vertreter einer kuriosen Klasse von Sternen, die man als »Magnetpropeller« bezeichnet. So nennt man Weiße Zwerge, die mit ihrer Schwerkraft Material eines Begleitsterns absaugen, dieses aber wegen des starken Magnetfelds nicht auf ihre Oberfläche fällt. Stattdessen beschleunigt die extrem schnelle Drehbewegung des Sternüberrests das Gas auf Geschwindigkeiten von bis zu 3000 Kilometern pro Sekunde und schleudert es ins Weltall.

Zu seiner enormen Rotationsgeschwindigkeit kam J024048.51+195226.9 vermutlich, weil er einst als ganz normaler Weißer Zwerg Material von seinem Begleitstern absaugte. Dieses stürzte am Äquator hinab und verlieh dem Sternüberrest sein gigantisches Drehmoment. Doch während normale Weiße Zwerge bald darauf ihre kritische Masse überschreiten und in einer Supernova des Typs Ia explodieren, geht ein »Magnetpropeller« einen anderen Weg. Er entwickelt ein starkes Magnetfeld, so dass das Plasma vom Begleitstern nicht mehr am Äquator auf den Weißen Zwerg fällt.

Ein Teil des Plasmas fällt an den Magnetpolen ein, ähnlich wie die geladenen Teilchen, die auf der Erde die Polarlichter verursachen. Für die Forschung ein Glücksfall, denn auf J02s4048.51+195226.9 erzeugen sie quasi Superpolarlichter, mit deren Hilfe die Fachleute die Rotationsperiode des Weißen Zwergs maßen. Der größte Teil des angezogenen Plasmas jedoch strömt entlang der Feldlinien wieder nach außen und schießt davon. Auch für den Weißen Zwerg ist das ein Glücksfall: Würde das angezogene Material ungebremst einfallen, hätte er wohl schon seine kritische Masse erreicht und wäre explodiert.

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