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Zentrum der Milchstraße: Schwarzes Loch gönnt sich Hauptmahlzeit

Im Mai 2019 flackerte das Herz unserer Galaxie plötzlich auf. Astrophysiker haben einen klaren Verdacht, was den Strahlungsausbruch ausgelöst haben könnte.
Schwarzes Loch mit StaubscheibeLaden...

Das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie scheint einen besonders großen Happen verspeist zu haben: Am 13. Mai dieses Jahres gab sein Umfeld für kurze Zeit eine Rekordmenge an Strahlung ab. Die Emissionen hätten das bisherige Maximum um den Faktor zwei übertroffen, berichtet ein Team um Tuan Do von der University of California in Los Angeles in einem aktuellen Fachaufsatz.

Die Experten deuten dies als Indiz dafür, dass ein extrem großer Massehaufen in das Schwarze Loch gerutscht ist. In diesem Fall kreist die Materie zunächst auf immer engeren Bahnen um den Ereignishorizont. Dabei wird sie stark beschleunigt, wodurch große Mengen an Strahlung entweichen. Hin und wieder schleudern auch wild durcheinanderwirbelnde Magnetfelder Partikel ins All, was ebenfalls für kurze Zeit viel Strahlung freisetzt. Welcher dieser Mechanismen hinter dem aktuellen Ausbruch steht, ist unklar.

Astronomen richten seit gut 20 Jahren leistungsfähige Infrarotteleskope auf das 26 000 Lichtjahre entfernte Zentrum der Milchstraße. Die Strahlung, die sie dabei auffangen, schwankt stets sehr stark. Nach einhelliger Expertenmeinung ist ein gigantisches Schwarzes Loch namens Sagittarius A* verantwortlich, das mal mehr und mal weniger Materie ansaugt.

Die Region ist von dichten Gas- und Staubwolken umgeben – einer der Gründe, weshalb es bisher nicht gelungen ist, das direkte Umfeld des Monsters abzulichten – anders als in der Galaxie M87. Bestimmte Strahlungsarten können diesen Schleier zwar durchdringen. Die Auflösung normaler Teleskopaufnahmen reicht jedoch bei weitem nicht aus, um Details erkennen zu können. Auf ihnen erscheint das Zentrum der Milchstraße nur als verwaschener Fleck.

Anhand von Riesensternen, die enge Bahnen um das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße ziehen, lassen sich immerhin indirekte Aussagen treffen, etwa über die Masse des Schwarzen Lochs. Einer dieser Sterne könnte den Forschern zufolge die jüngste Hauptmahlzeit von Sagittarius A* beschafft haben: Er kommt dem Schwarzen Loch zeitweise sehr nahe und könnte dabei eine große Menge Gas in Richtung des Schwarzen Lochs geschubst haben.

Denkbar ist aber auch, dass ein besonders großer Materieklumpen aus der Akkretionsscheibe in das Raumzeitloch gerutscht ist. Generell wundern sich Astrophysiker seit Längerem darüber, dass es nicht viel häufiger zu derartigen Ausbrüchen kommt. Im Vergleich mit den supermassereichen Schwarzen Löchern im Herzen anderer Galaxien feuert das Umfeld von Sagittarius A* nur sehr wenig Strahlung ins Weltall.

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