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Ernährung: Süßstoff doch krebserregend?

Der künstliche Süßstoff Aspartam könnte entgegen bisheriger Studien Krebs auslösen, warnen Wissenschaftler aus Italien. Selbst bei niedriger Dosierung waren Ratten an Krebs erkrankt.

Die Forscher um Morando Soffritti vom Cesare-Maltoni-Krebsforschungszentrum der Europäischen Ramazzini-Stiftung in Bologna hatten 1800 Ratten im Alter von acht Wochen mit verschiedenen Dosen von Aspartam gefüttert. Im Gegensatz zu bisherigen Experimenten konnten die Ratten ein normales Lebensalter von etwa drei Jahren erreichen. Erst nach dem natürlichen Tod der Tiere suchten die Forscher nach Anzeichen von Krebs; bei herkömmlichen Tierversuche werden Ratten spätestens nach zwei Jahren getötet.

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Aspartam | Der künstliche Süßstoff Aspartam wirkt 200-mal süßer als Saccharose.
Dabei zeigte sich, dass etwa ein Fünftel der weiblichen Ratten, die 20 bis 500 Milligram Aspartam pro Kilogramm Körpergewicht erhalten hatte, Lymphome oder Leukämie entwickelt hatten. Bei den Kontrolltieren waren dagegen nur neun Prozent erkrankt. Bei Männchen stieg das Blutkrebsrisiko erst bei deutlich höheren Dosen an. Die mit dem Süßstoff gefütterten Tiere erreichten etwa das gleiche Lebensalter wie die Kontrollnager.

Die neue Studie ist in Forscherkreisen umstritten, da unklar bleibt, ob der Krebs tatsächlich auf den Süßstoff oder auf das hohe Alter der Tiere zurückzuführen ist. Die Weltgesundheitsorganisation betrachtet bisher eine tägliche Dosis von 40 Milligramm Aspartam pro Kilogramm Körpergewicht als unbedenklich. Um diesen Wert zu übersteigen, müsste eine Person mehr als 28 Büchsen Diät-Cola pro Tag vertilgen.

Der 1965 zufällig entdeckte Süßstoff wirkt 200-mal süßer als Rohrzucker. Im Körper wird Aspartam zu den natürlich vorkommenden Aminosäuren Asparaginsäure und Phenylalanin sowie zu Methanol gespalten. Der Alkohol Methanol gilt zwar als giftig, jedoch nicht als krebserregend.
22.11.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 22.11.2005

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