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Wiedervernässung von Mooren: Möglichst jetzt und möglichst alle

Trockengelegte Moore unter Wasser zu setzen, hilft dem Klima, sofern man sich damit beeilt. Andernfalls treiben sie für Jahrhunderte den Klimawandel voran.
Ein Moorgebiet wird für den Torfabbau trockengelegtLaden...

Möglichst alle trockengelegte Moore sollten wieder vernässt werden – und das möglichst bald. Denn nur so könnten diese Landschaften effizient zum Klimaschutz beitragen. Das ist das Ergebnis einer Studie, für die Wissenschaftler simuliert haben, wie sich unterschiedliche Zeitpläne bei der Wiedervernässung auf das Klima auswirken.

Anke Günther von der Universität Rostock und Kollegen haben dazu auf Daten der Globalen Moor-Datenbank am Greifswalder Moor Centrum zurückgegriffen. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt im Fachmagazin »Nature Communications«.

Legt man ein Moor trocken, etwa um darauf Landwirtschaft zu betreiben oder Torf abzubauen, beginnt der Boden, über Jahrtausende gespeichertes Kohlendioxid freizusetzen. Rechnungen zufolge stecken die zahlreichen trockengelegten Moore weltweit hinter rund fünf Prozent der CO2-Emissionen. Bis zum Ende des Jahrhunderts brauchen diese Böden damit geschätzt 12 bis 41 Prozent des CO2-Budgets auf, das die Menschheit noch freisetzen darf, will sie die Erderwärmung auf unter zwei Grad begrenzen.

Leitet man wieder Wasser in ein Moor ein, stoppt das Freisetzen von Kohlendioxid praktisch sofort. Allerdings beginnen die nassen Böden nun, Methan zu emittieren, das eine erheblich größere Treibhauswirkung hat. Mit ihren Simulationen wollten Günther und Kollegen klären, welche Strategie angesichts dieses Konflikts die richtige ist.

Entscheidend sei bei der Abwägung die Tatsache, dass das Methan vergleichsweise schnell aus der Atmosphäre wieder verschwindet, während Kohlendioxid dort über sehr lange Zeiträume enthalten bleibt. Ein Jahrzehnt mit der Renaturierung der Moore zu warten, bedeute darum, dass nicht nur zehn Jahre lang weiter CO2 frei werde, das dann für Jahrhunderte in der Atmosphäre bleibt, sondern dass die unvermeidliche Methanwirkung auf eine bereits erwärmte Welt treffe und diese zusätzlich aufheize. Das erhöht unter anderem die Gefahr, so genannte Kipppunkte zu überschreiten, ab denen die klimabedingte Zerstörung zum Beispiel eines Ökosystems nicht mehr aufzuhalten ist.

15/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 15/2020

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