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Gesundheit

Kann man sich müde schlafen?

Für die Erholung ist es wichtiger, gut zu schlafen als lange! Der Psychologe Jürgen Zulley erklärt, warum wir oft nach besonders viel Schlaf erst recht schlecht in die Gänge kommen.
Schlafende

Werktags treiben uns die Pflichten früh aus den Federn. Am Wochenende bleibt so mancher dann gern etwas länger im Bett. Wer endlich mal ausschläft, ist tagsüber auch entsprechend ausgeruhter – sollte man meinen. Doch oft kommen wir gerade nach besonders ausgiebigem Schlaf nicht mehr so recht in die Gänge, fühlen uns schlapp und lethargisch. Wie kommt das?

Nach dem Aufstehen sind wir generell meist noch eine Weile schlaftrunken, also geistig, motorisch und manchmal auch stimmungsmäßig im Tief. Dieser ganz normale Zustand legt sich aber in der Regel nach spätestens einer halben Stunde. Schläft man allerdings weit über seine optimale Schlafdauer hinaus, hält die Verschlafenheit oft länger an. Das hat verschiedene Ursachen.

Guter Schlaf lässt sich durch Sport sowie den Verzicht auf längere Nickerchen am Tag fördern

Wir durchlaufen jede Nacht etwa 90-minütige Zyklen von leichterem und tieferem Schlaf. In einem ähnlichen Takt schwanken auch tagsüber Aktivität und Ruhe. Erwacht man von selbst, geschieht das meist aus einer leichteren Schlafphase. Dadurch stehen die Chancen gut, sofort munter zu sein. Wer dann jedoch lieber noch einmal die Augen zumacht, erwischt beim nächsten Aufwachen häufig einen Moment, in dem er tiefer geschlafen hat – und ist danach entsprechend desorientiert. Solche Schlafphasen sind vom echten Tiefschlaf zu unterscheiden, der normalerweise nur in der ersten Nachthälfte vorkommt. Ruht man allerdings sehr lange, kann es passieren, dass man morgens wieder in einen Tiefschlaf fällt. Dann ist die Schlaftrunkenheit besonders unangenehm.

Ähnlich ist es bei der Siesta. Legen wir uns nur kurz aufs Ohr, also weniger als 30 Minuten, sind wir meist rasch wieder fit. Ohne Wecker passiert es aber schnell, dass wir den richtigen Zeitpunkt zum Aufwachen verpassen und in tiefere Schlafphasen geraten. Mancher kommt dann gar nicht mehr richtig zu sich und ist den Rest des Tages wie benebelt. Zudem spielt der Kreislauf eine Rolle. Langes Liegen senkt den Blutdruck, so dass wir uns eher abgeschlagen fühlen.

Ein Erwachsener schlummert übrigens durchschnittlich rund sieben Stunden. Das Bedürfnis fällt jedoch sehr individuell aus. Es gibt Kurzschläfer, denen fünf Stunden reichen, und Langschläfer, die neun Stunden brauchen, um erholt zu sein. Wie viel Schlaf jemand benötigt, hängt von genetischen Faktoren, dem Alter, dem Geschlecht, der Jahreszeit und der Gewohnheit ab. Daneben können ein übertriebenes Schlafbedürfnis und ständige Tagesmüdigkeit aber auch auf eine Schlafstörung oder andere Erkrankungen hinweisen.

Allgemein gilt: Wie erholsam der Schlaf ist, hängt mehr von seiner Qualität ab als von seiner Dauer. Wer besonders lange schläft, tut sich somit unter Umständen keinen Gefallen. Guter Schlaf lässt sich durch Sport sowie den Verzicht auf längere Nickerchen am Tag fördern. Smartphone, Laptop und Tablet schalten Sie am besten frühzeitig am Abend ab. Das bläuliche Licht der Displays wirkt auf das Nervensystem wie Tageslicht und hemmt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Achten Sie außerdem auf regelmäßige Schlafzeiten, auch am Wochenende – dann steht einem frischen Start in den Tag nichts mehr im Weg!

7/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 7/2017

  • Quellen

Salzarulo, P., Giganti, F.: Psychologie, Physiologie und Klinik des Aufwachens. In: Kompendium Schlafmedizin. Ecomed, Landsberg 2008, II-8.0, S. 1–7

Schulz, H., Zulley, J.: The Position of the Final Awakening within the Ultradian REM/NREM Sleep Cycle. In: Journal of Sleep Research 9, S. 124, 1980

Zulley, J., Knab, B.: Die kleine Schlafschule. Mabuse, Frankfurt am Main 2002

Zulley, J.: Schlafen und Wachen als biologischer Rhythmus. Roderer, Regensburg 1993

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