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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Fraxinus-Arten

Fraxinus-Arten

Fam.: Oleaceae.

Fraxinus americana L. (syn. Fraxinus alba, F. acuminata, F. canadensis, Calycomelia americana); Amerikanische Esche (syn. Weißesche).
Vork.: Nordamerika, seit 1723 auch in Europa kultiviert.
Inh.: in den Blättern: u.a. Flavonoide, Sterole und Triterpene (u.a. Campestrol, Stigmasterol, Betulin). In der Rinde: Fraxin, Fraxinol, Fraxetin, Tannin, äther. Öl.
Hom.: Fraxinus americana HAB34, die frische Rinde. Anw.-Geb.: Gebärmuttererkrankungen.

Fraxinus excelsior L. (syn. Fraxinus apetala, F. biloba, F. excelsa); Steinesche (syn. Asch, Esche).
Vork.: in ganz Europa.
Drogen: 1. Fraxini folium (syn. Folia Fraxini); Eschenblätter, die im Mai bis Juni gesammelten und getrockneten Laubblätter. Inh.: Flavonoide (0,6-2,2 %, v.a. Rutin, Rhamnoglucoside von Kämpferol und Quercetin), Gerbstoffe (0,6-4 %), Ferulasäure, Kaffeesäure, p-Cumarsäure, p-Hydroxybenzoesäure, Protocatechusäure, Sinapinsäure, Syringasäure und Vanillinsäure, ferner Pflanzenschleime (9-22 %), Mannitol (16-29 %), Triterpene, u.a. Betulin und Betulinsäure, Sterole, Alkane und Iridoide. Anw.: in der Volksheilkunde bei rheumatischen Erkrankungen, Gelenkgicht, bei Steinleiden zur Diurese, bei Wassersucht und Fieber sowie weiterhin bei Maden- und Spulwürmern, als Abführmittel und äußerlich zur Wundbehandlung. 2. Cortex Fraxini; Fraxinus-excelsior-Rinde (syn. Eschenrinde), die Rinde jüngerer Zweige. Inh.: Cumaringlykoside und -derivate, u.a. Isofraxidin, Aesculetin, Aesculin, Scopoletin, Fraxinol, Fraxin, Fraxidin und Fraxetin, Secoiridoide (10-Hydroxyligstrosid), Gerbstoffe, Sterole, Mannitol, Glucose, äther. Öl. Anw.: in der Volksheilkunde früher bei Malaria und Wurmbefall.
Hom.: Fraxinus excelsior HAB34, die frische Rinde. Anw.-Geb.: Weichteilrheumatismus.

Fraxinus ornus L. (syn. Fraxinus mannifera, F. rotundifolia, Ornus europaea); Weißesche (syn. Blumenesche, Mannaesche).
Vork.: Südeuropa, von Spanien bis zu den Balearen, nördlich bis zur Provence und zum Südrand der Alpen, Südungarn, Rumänien, Türkei, Kleinasien. Die Pflanze wurde bis in unsere Zeit hinein in Sizilien und Italien kultiviert.
Droge: Manna; Manna (syn. Eschenmanna, Himmelsbrot, Himmelstau, Judenbrot, Stengelmanna, Röhrenmanna), der durch Einschnitte in die Rinde gewonnene, an der Luft getrocknete Saft. Inh.: D-Mannitol (70-90 %) vgl. Formel, D-Glucose (2,2 %), Fructose (2,5 %), Harz, Spuren von Schleim, Fraxin und bitteren Stoffen (in geringwertigen Sorten). Anw.: bei Verstopfungen und Erkrankungen, bei denen eine erleichterte Darmentlehrung mit weichem Stuhl erwünscht ist, z.B. Analfissuren, Hämorrhoiden, nach rektal-analen operativen Eingriffen. Die Droge wird auch als Hilfsstoff in der Galenik und für die Bereitung von Bakteriennährböden eingesetzt.



Histor.: Ob die Araber, denen Sizilien 827-1070 zufiel, die Verwertung der Manna-Esche ausfindig gemacht haben, ist nicht erwiesen, aber es wird berichtet, daß Venedig im 9. Jh. u.a. Manna aus Sizilien bezog. Mitte des 15. Jh. wird Eschen-Manna erstmals in Dispensatorien genannt und die Gewinnungsmethode durch Einschneiden der Rinde beschrieben. Das in der Bibel beschriebene Manna stammt wahrscheinlich von Tamarix gallica var. mannifera, dem zuckerhaltigen Sekret, das nach dem Stich einer Schildlaus austritt. Andererseits könnte es sich bei dem biblischen Manna auch um Bruchstücke der Mannaflechte Lecanora esculenta gehandelt haben.
Der Gattungsname Fraxinus entspricht dem lateinischen Namen für Esche, der wiederum vom griechischen phrasso (umzäunen) abgeleitet ist, weil der Baum angeblich gutes Holz für Umzäunungen lieferte. Der deutsche Name Esche leitet sich aus dem Althochdeutschen ab und bedeutete bes. im Altnordischen und Angelsächsischen Speer, der aus Eschenholz gefertigt wurde. In der Arzneikunde des griechischen und römischen Altertums spielten veschiedene Eschenarten eine wichtige Rolle. So empfahlen Hippokrates und Theophrast Eschenlaub als Laxans und Diuretikum sowie bei Gicht und Rheuma.

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