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Lexikon der Ernährung: eiweißarme Diät

eiweißarme Diät, proteinarme Diät, E low protein diet, eine eiweißdefinierte Diät, bei der die Proteinzufuhr mit der Nahrung eingeschränkt ist (0,8–0,4 g / kg KG). Je nach Krankheitsbild bzw. -stadium legt der Arzt die zuzuführende Proteinmenge fest. Obwohl die von den Gesellschaften der DACH empfohlene tägliche Proteinzufuhr bei 0,8 g / kg KG liegt, kann diese Menge auf bis zu 0,4 g / kg KG gesenkt werden, wenn bevorzugt biologisch hochwertige Proteine verzehrt werden. Diesem Aspekt wird bei der Kartoffel-Ei-Diät bzw. bei der Schwedendiät Rechnung getragen.
Da Proteine im Stoffwechsel zu stickstoffhaltigen Endprodukten wie z. B. Harnstoff abgebaut werden, kann bei Ausscheidungs- oder Abbaustörungen eine Reduktion der Eiweißzufuhr das Krankheitsbild entscheidend verbessern. Bei einer Proteinzufuhr von 0,4 g / kg KG ist eine ausgeglichene Stickstoffbilanz gerade noch gewährleistet. Voraussetzung ist allerdings, dass die Energiezufuhr bei mindestens 30 kcal / kg KG beträgt, da Proteine sonst zur Energiegewinnung herangezogen werden. Eine Diät am Rande des Eiweißminimums muss immer unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden, um Proteinmangelerscheinungen vorzubeugen.
Durchführung: Eine e. D. lässt sich am einfachsten über eine vegetarische Ernährung realisieren, da Fleisch- und Wurstwaren zu den besonders eiweißreichen Lebensmitteln zählen (Tab.). Bei dieser Kostform liegt die Proteinzufuhr bereits zwischen 0,6 und 0,8 g / kg KG. Ebenfalls proteinreich sind Milch und Milchprodukte, wobei der Eiweißgehalt negativ mit dem Fettgehalt korreliert. Diese Lebensmittel sollten daher nur in Maßen verzehrt werden. Bei einer Proteinrestriktion auf 0,4 g / kg KG ist der Einsatz eiweißarmer diätetischer Lebensmittel meist unverzichtbar.
E. D. bei Niereninsuffizienz: Bei einer Niereninsuffizienz können durch eine Einschränkung der Eiweißzufuhr das Fortschreiten der Krankheit verzögert und Urämiesymptome reduziert werden. Die Proteinmenge hängt vom Stadium der Niereninsuffizienz ab. Im Stadium I (Kreatinin <  3 mg / dl) ist eine rein vegetarische Ernährung bereits ausreichend (0,6–0,8 g / kg KG). Bei Kreatininwerten zwischen 3 und 6 mg / dl sollte die Eiweißzufuhr auf 0,45–0,6 g / kg KG reduziert werden. Hierbei müssen besonders eiweißreiche Lebensmittel (z. B. magere Käsesorten) gemieden werden. Ab Kreatininkonzentrationen über 6 mg / dl sollte die Proteinzufuhr maximal 0,4 g / kg KG betragen. Bei dieser Menge ist die Umstellung auf eine Kartoffel-Ei-Diät erforderlich.
Durch eine e. D. kann eine Dialysetherapie bei Serum-Kreatininwerten von 6 mg / dl je nach auslösender Erkrankung durchschnittlich um 12 Monate (bei
Glomerulonephritis), um 16 Monate (bei Pyelonephritis) bzw. um ca. 25 Monate bei Nierencysten verzögert werden.
E. D. bei Leberinsuffizienz: Bei einer Leberinsuffizienz sollte so lange eine leichte Vollkost verordnet werden, bis bestimmte Begleiterkrankungen (PSE, Ascites, Ödeme) auftreten, die eine Modifizierung der Kost notwendig machen. Der Eiweißbedarf ist aufgrund der katabolen Stoffwechsellage (Hyperinsulinismus, Malnutrition etc.) leicht erhöht (1 g / d). Bei Ascites- bzw. Ödembildung ist die Natriumchloridzufuhr (natriumarme Diät) auf etwa 3 g / d zu begrenzen, unter ambulanten Bedingungen ist eine Zufuhr von 6 g / d realisierbar. Eine Flüssigkeitsrestriktion (750–1000 ml) sollte nur bei vorliegender Hyponatriämie verordnet werden.
Eine e. D. ist dann erforderlich, wenn die Entgiftungsfunktion der Leber soweit eingeschränkt ist, dass die Serumkonzentrationen toxischer Abbauprodukte (Ammoniak, Phenole, Mercaptane) erhöht ist. Dies gilt als Ursache der portosystemischen Enzephalopathie (PSE), einer durch die Leberinsuffizienz ausgelösten Schädigung des Gehirns. Befindet sich der Patient im so genannten Coma hepaticum, wird parenteral ernährt. Bei einer Besserung der Symptomatik sollte die orale Eiweißzufuhr zwischen 0,35 und 0,4 g / kg KG (pflanzliche Proteine oder Kartoffel-Ei-Diät) liegen. Je nach Schweregrad kann die Eiweißzufuhr alle drei Tage um 10 g Eiweiß erhöht werden. Als Indikator werden sowohl die Ammoniakkonzentrationen als auch das Ausmaß der cerebralen Beeinträchtigung herangezogen.
Neben der Proteinzufuhr spielt auch die Art des zugeführten Eiweißes eine wichtige Rolle, da bei der PSE die Serumkonzentrationen von verzweigtkettigen Aminosäuren (Valin, Leucin, Isoleucin) erniedrigt und die von aromatischen bzw. schwefelhaltigen Aminosäuren (Phenylalanin, Tyrosin, Tryptophan, Methionin) erhöht sind. Da letztere Gruppe für die Entstehung der PSE verantwortlich ist, sollten Lebensmittel, die besonders reich an diesen Aminosäuren sind, gemieden werden. Dazu zählen vor allem Blut, Fleisch und Fisch. Als bevorzugte Eiweißquellen sollten pflanzliche Proteine und Milch herangezogen werden, die einen höheren Anteil an verzweigtkettigen Aminosäuren aufweisen. Eine gezielte Supplementierung dieser Eiweißbausteine kann im Einzelfall sinnvoll sein.
Eine reichliche Zufuhr von Ballaststoffen (v. a. wasserlösliche) wirkt sich positiv auf das Krankheitsbild aus, da diese im Dickdarm zu kurzkettigen Fettsäuren abgebaut werden. Dadurch wird der pH-Wert im Darm gesenkt und Ammoniak vermehrt mit dem Faeces ausgeschieden. Ballaststoffe fördern zudem das Wachstum von Bakterien, die Ammoniak als Stickstoffquelle nutzen, wodurch die NH3-Resorption verringert wird. Das Disaccharid Lactulose bewirkt eine Veränderung der Darmflora, wobei die Anzahl der Keime, die Neurotoxine synthetisieren, reduziert wird. Eventuell auftretende Nährstoffdefizite sind gegebenenfalls auszugleichen.
E. D. bei Aminosäure-Stoffwechselstörungen: Bei der milden Verlaufsform der Ahornsirup-Krankheit (E intermittent / mild MSUD) kann bei regelmäßiger Stoffwechselkontrolle eine e. D. zur Reduktion der problematischen Aminosäuren L-Leucin, L-Isoleucin und L-Valin ausreichend sein.

eiweißarme Diät: Tab. Eiweißgehalt einiger Lebensmittel. [nach Kluthe, B.: PRODI 4.5 LE, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2000]

Lebensmittel

Eiweiß [g / 100 g]

Hartkäse 30% Fett i. Tr.

38,5

Parmesan

32,3

Emmentaler

28,7

Gouda 30 % Fett i. Tr.

27,4

Hähnchenbrustfilet

23,6

Schweineschnitzel

22,2

Rindfleisch

19,6

Bierschinken

17,6

Kalbsleberwurst

16,8

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