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Naturschutz: Brasilien: Waldvernichtung nähert sich neuem Rekord

Trotz intensiver Schutzanstrengungen durch Brasiliens Staatspräsidenten Lula da Silva werden die Regenwälder am Amazonas in rekordverdächtigem Tempo vernichtet. Illegale Holzfäller bedrohen zudem das Überleben verschiedener Indianervölker, die bislang noch keinen Kontakt zur Außenwelt hatten.

Nach neuen Angaben der brasilianischen Regierung fielen in der letzten Rodungssaison bis August 2004 mehr als 26 000 Quadratkilometer Regenwald Feuer und Axt zum Opfer. Dies ist der zweithöchste Wert der je gemessen wurde. Der Schwerpunkt des Zerstörungswerks liegt auf dem Bundesstaat Mato Grosso, in dem gegenwärtig die so genannte Agrarfront verläuft und wo sich allein die Hälfte der vernichteten Waldfläche befindet. Gelegt werden die Brände zumeist im Auftrag von Großgrundbesitzern, die auf den frei werdenden Flächen Soja für den Export nach Europa und China anpflanzen oder Vieh züchten. Am Raubbau beteiligt ist auch legaler und illegaler Holzeinschlag, der ungeachtet eines entsprechenden Moratoriums vor allem der Gewinnung von Mahagoni dient.

Die Suche nach diesem Edelholz führt mittlerweile auch in steigendem Maße zu Konflikten mit ortsansässigen Indianergruppen. Der Indianerrechtgruppe Survival International zufolge dringen gegenwärtig Holzfällertrupps in ein am Rio Pardo in Amazonien gelegenes Reservat ein und vertreiben die dortigen Stämme, die bislang noch keinen geregelten und gewollten Kontakt zur Außenwelt hatten und erst 1998 entdeckt wurden. Das Gebiet ist eigentlich von der brasilianischen Indianerbehörde FUNAI rechtmäßig als Indianerreservat ausgewiesen, doch wurde dieser Anspruch auf Drängen eines Sägewerks gerichtlich zurückgewiesen, um Nachteile für die Firma auszuschließen.

Nach dem Mord an der amerikanischen Nonne Dorothy Stang und der nachfolgenden nationalen und internationalen Kritik entsandte Präsident Lula Militäreinheiten in die Amazonasregion, um der ausufernden Gewalt Herr zu werden. Zudem wies er verschiedene große Regionen als Schutzzonen aus, in denen keine Waldvernichtung stattfinden darf. Die Umsetzung dieser Maßnahmen wird jedoch kaum kontrolliert.

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