Direkt zum Inhalt

Drogen: Cannabidiol dämpft das Verlangen nach Heroin

Wer einmal von Heroin abhängig ist, kommt nur äußert schwer wieder davon los. Helfen könnte dabei ein Inhaltsstoff der Hanfpflanze, wie Forscher nun entdeckten.
Blätter einer HanfpflanzeLaden...

Ein Inhaltsstoff der Hanfpflanze könnte Heroinabhängigen möglicherweise den Entzug erleichtern. In diese Richtung deutet nun vorsichtig das Ergebnis eines Versuchs, den Wissenschaftler um Yasmin L. Hurd am Mount Sinai Hospital in New York durchgeführt haben. Die Forscher verabreichten 42 heroinsüchtigen Männern und Frauen, die zu der Zeit keine Drogen nahmen, entweder 400 oder 800 Milligramm einer Cannabidiollösung oder aber ein Placebo. Cannabidiol (CBD) ist ein Bestandteil von Cannabis; im Gegensatz zu beispielsweise THC hat es jedoch keine berauschende Wirkung.

Direkt im Anschluss konfrontierten Hurd und ihre Kollegen die Teilnehmer mit neutralen und mit drogenassoziierten Reizen. Das konnten etwa Naturaufnahmen sein – oder Bilder von Menschen, die gerade Rauchmittel konsumierten, von Spritzen und kleinen Pulverpäckchen, die verdächtig an Heroin erinnerten. Parallel dazu sollten die Probanden angeben, wie es ihnen beim Anblick der Szenen erging. Außerdem maßen die Wissenschaftler verschiedene Vitalparameter wie die Hauttemperatur, die Herz- und die Atemfrequenz der Teilnehmer.

Probanden, die den Cannabisinhaltsstoff erhalten hatten, verspürten weniger Verlangen nach Heroin beim Anblick der Drogenbilder als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Außerdem waren sie weniger ängstlich, hatten eine niedrigere Herzfrequenz und geringere Mengen des Stresshormons Kortisol im Speichel. Das Cannabidiol schien sogar präventiv zu wirken: Verabreichten die Forscher es ihren Versuchspersonen an drei aufeinander folgenden Tagen, gelang es diesen eine Woche später immer noch besser, sich von der Drogenszene fernzuhalten.

Hurd und ihr Team hoffen deshalb, dass CBD sich künftig im Heroinentzug als hilfreich erweisen könnte. Bislang erhalten Heroinabhängige im Zuge einer Substitutionstherapie oft andere Opioide wie Methadon oder Buprenorphin, damit es ihnen leichter fällt, ihren Konsum der Droge zu reduzieren. Allerdings können die Substanzen ebenfalls abhängig machen, weshalb viele Betroffene den endgültigen Absprung nicht schaffen. Im nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie CBD auf das Gehirn von suchtkranken Personen wirkt.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnervideos