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Unerwarteter Effekt: Froschsterben löste Epidemie aus

Als ein Killerpilz Amphibien in Mittelamerika dezimierte, erkrankten tausende Menschen an Malaria. Der unerwartete Zusammenhang ist ein Warnsignal für die Zukunft. Ein natürliches Experiment machte den Zusammenhang sichtbar.
Ein toter Frosch schwimmt mit dem Bauch nach oben im Wasser.
Eine vernichtende Epidemie tötete Amphibien, veränderte ganze Ökosysteme und kam schließlich auch beim Menschen an.

Eine der größten ökologischen Katastrophen der Gegenwart hat auch den Menschen getroffen. Das große Froschsterben, ausgelöst durch den Pilz Batrachochytrium dendrobatidis, führte in Panama und Costa Rica zu einer massiven Malariawelle, berichtet eine Arbeitsgruppe um Michael R. Springborn von der University of California in Davis. Wie das Team in »Environmental Research Letters« schreibt, begannen die Fallzahlen in jeder Region der beiden Länder zu steigen, als der Pilz dort ankam.

Die unerwarteten Epidemien dauerten rund acht Jahre, auf dem Höhepunkt der Welle erkrankten bis zu fünfmal so viele Menschen an Malaria wie vor der Seuche. Die Studie demonstriert, dass drastische Veränderungen im Ökosystem auch direkte Konsequenzen für die menschliche Gesundheit hatten. Außerdem ist sie ein Warnsignal – derzeit verbreitet sich ein ähnlicher Pilz, Batrachochytrium salamandrivorans, der Salamander und Molche tötet. Eine erneute ökologische Katastrophe vergleichbaren Ausmaßes könnte demnach merkliche Konsequenzen für die menschliche Gesundheit haben.

Der Pilz Batrachochytrium dendrobatidis vernichtet seit den 1980er Jahren Amphibienpopulationen weltweit. Bisher weiß man von rund 90 Arten, die durch die Seuche ganz ausstarben, mehrere hundert dezimierte der Pilz zum Teil um 90 Prozent. Für die betroffenen Ökosysteme hat das weit reichende Folgen – unter anderem, dass die Insektenpopulationen deutlich zunahmen. Das Team um Springborn konnte nun dank einer besonderen Konstellation den Zusammenhang zwischen Froschsterben und Malariafällen in den beiden mittelamerikanischen Ländern nachweisen.

Dort nämlich breitete sich der Pilz langsam von West nach Ost aus, so dass das Amphibiensterben in den verschiedenen Verwaltungsbezirken zeitversetzt begann. Das Team wertete die Gesundheitsdaten der einzelnen Bezirke aus und stellte fest, dass die Fallzahlen jeweils bis zur Ankunft des Pilzes gleich blieben und dann drastisch anstiegen. Der Beginn der steigenden Fallzahlen wanderte ebenso wie der Pilz von West nach Ost.

Ursache ist nach Ansicht der Fachleute der dramatische Anstieg der Moskitopopulation durch das Verschwinden der Amphibien. Zum einen fressen einige Amphibienlarven enorme Mengen Mückenlarven. Zum anderen verschwand mit den Raubtieren der Zwang zu kostspieligen Verteidigungsstrategien, ein Effekt, den das Team als sogar noch höher einschätzt. Mit der zunehmenden Zahl Stechmücken stiegen auch die Fälle der von ihnen übertragenen Malaria.

Rätselhaft ist allerdings noch, weshalb die Malariawellen in beiden Ländern nach einigen Jahren wieder abflachten und die Fallzahlen auf ihr voriges Niveau fielen, obwohl sich die Amphibien kaum erholt hatten. Außerdem bemängeln die Fachleute, dass sie ihre Hypothese nicht anhand anderer Krankheiten überprüfen konnten. So sollte man vergleichbare Effekte ebenfalls bei anderen durch Insekten übertragene Krankheiten sehen, während Infektionen wie Grippe nicht ansteigen dürften. Für eine solche Analyse fehlten allerdings die Daten, schreibt das Team.

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