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Amphibiensterben

Herbizid tötet Kaulquappen

Bedrohter Leopardfrosch
Inhaltsstoffe des unter dem Handelsnamen Roundup vertriebenen beliebten Pflanzenschutzmittels Glyphosat löschen einer Untersuchung von Rick Relyea von der Universität Pittsburgh zufolge beinahe ganze Kaulquappenpopulationen in Gewässern aus.

Der Wissenschaftler verglich die Wirkung von vier verschiedenen Insektiziden (Carbaryl alias Sevin, Malathion) und Herbiziden (Glyphosat, 2,4-D) auf Wasserlebewesen. Er fügte dazu jeweils die bislang in der Umwelt festgestellten Höchstwerte der einzelnen Mittel einzeln oder kombiniert den – exakt die natürlichen Bedingungen simulierenden – Wassertanks hinzu und beobachtete die Reaktion der eingebrachten Planktonorganismen, Wasserinsekten, Schnecken und Kaulquappen.

Dabei zeigte sich, dass alle Wirkstoffe bis auf 2,4-D die Artenvielfalt in den Süßwasserlebensräumen um 15 bis 30 Prozent verringerten. Süßwasserschnecken blieben von allen Giften unberührt. Die Insektenvernichtungsmittel reduzierten verstärkt die Populationen von Raubinsekten, was indirekt die vorhandenen Kaulquappen förderte. Ganz anders fiel dagegen die Wirkung von Roundup auf den Froschnachwuchs aus: Dieses Herbizid eliminierte in einer Konzentration von 3,8 Milligramm pro Liter innerhalb eines Tages die vorhandenen Kaulquappen von Leopard- (Rana pipiens) und Grauen Laubfröschen (Hyla versicolor) vollständig sowie die Zahl von Waldfroschjungen (Rana sylvatica) weitestgehend. Die Chemikalie 2,4-D hatte im Ganzen gesehen die geringsten Nebenwirkungen.

Relyae nimmt allerdings an, dass die für die Quappen schädlichen Wirkstoffe nicht Glyphosat, sondern so genannte POEA (Polyethoxylierte Talgamine) sind. Diese Zusätze ermöglichen dem Herbizid normalerweise das Durchdringen der wächsernen Oberflächen von Pflanzen. Wahrscheinlich beeinflussen sie aber auch die Funktionsfähigkeit der Kaulquappenkiemen. Wegen dieser Inhaltsstoffe darf Roundup eigentlich nicht direkt an und in Gewässern eingesetzt werden, über Auswaschungen oder durch Einwehen kann die Chemikalie dennoch in Wasserlebensräume eingetragen werden.

Diese Wirkung von Roundup, das weltweit verbreitet eingesetzt wird, könnte daher ein weiteres Mosaiksteinchen in der Auflösung des immer noch rätselhaften Amphibiensterbens sein, das im globalen Rahmen schon zum Aussterben oder zumindest zum massiven Bestandsrückgang vieler Arten führte. Bislang dachte man, dass Roundup mit seinem eigentlich aktiven Glyphosat – es unterbindet die Aminosäurebildung in Pflanzen – unschädlich für Tiere ist und sich biologisch abbaut.
07.04.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 07.04.2005

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