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Covid-19: Mehr als die Hälfte der Betroffenen hat nach sechs Monaten Beschwerden

Auch Monate nach durchgemachter Coronainfektion können Husten, Atemnot oder Müdigkeit bestehen bleiben. Diese Langzeitfolgen betreffen womöglich jede zweite infizierte Person.
Frau liegt erschöpft auf dem Sofa

Nach einer durchgemachter Coronainfektion berichtet die Hälfte aller Betroffenen noch sechs Monaten über anhaltende Beschwerden. Zu diesem Ergebnis kam das Team um Vernon Chinchilli vom Penn State College of Medicine im US-amerikanischen Pennsylvania im Fachjournal »JAMA Network Open«.

Die Forscherinnen und Forscher hatten die Daten von 57 Studien ausgewertet, die zwischen Dezember 2019 und März 2021 erschienen sind; darin waren über 250 000 Erwachsenen und Kinder erfasst, die eine Covid-19-Infektion durchgemacht hatten. Von den Patientinnen und Patienten litten 54 Prozent ein halbes Jahr nach der akuten Infektion an mindestens einem der Symptome, die unter dem Begriff »Long Covid« zusammengefasst werden. Prozentual ebenso viele berichteten schon im ersten Monat nach der Erkrankung von andauernden Symptomen: Die Zahl der Betroffenen scheint demnach in den Monaten nach der akuten Phase auf einem gleichmäßigen Niveau zu bleiben. Ein Aufenthalt im Krankenhaus auf Grund der Infektion hatte nur einen geringen Einfluss darauf, ob sich danach Langzeitbeschwerden einstellten.

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Am häufigsten stellten sich nach Angaben der Patientinnen und Patienten generalisierte Symptome ein, wie Schmerzen, Fieber und Gewichtsverlust, Atembeschwerden und Husten sowie psychischen Störungen. Müdigkeit und Muskelschwäche begleiteten über 37 Prozent der Befragten, über Konzentrationsstörungen klagte knapp ein Viertel. Besonders Angststörungen beeinträchtigen die mentale Gesundheit der Betroffenen: Etwa einer von drei Menschen wurde nach der Infektion mit einer generalisierten Angststörung diagnostiziert. Zudem berichtete jeder Vierte über Schlafstörungen, jeder Fünfte bekam Depressionen. Weiterhin erzählten die Patienten über Herz-Kreislauf-Beschwerden, Störungen der Haut und des Verdauungstraktes.

Eine Coronainfektion kann mehrere Phasen durchlaufen. Die akute Krankheit dauert rund zwei Wochen an. Selten schließt sich ihr eine etwa vierwöchige Krankheitsphase an, in der mitunter starke Entzündungsprozesse im Vordergrund stehen. Anschließend folgt eine Phase, in der Langzeitbeschwerden auftreten können. Einige dieser Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten oder Gedächtnisprobleme könnten auf kleine Schädigungen der Nervenfasern im Gehirn zurückzuführen sein.

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