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New Horizons: Ultima Thule - ein roter Schneemann im All

Die Raumsonde New Horizons hat ihr Ziel erfolgreich passiert. Noch nie zuvor hat ein so weit entferntes Objekt Besuch von der Erde bekommen.
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Die ersten veröffentlichten Bilder erinnerten an einen verpixelten Schneemann mit Wespentaille oder einen Bowlingkegel – je nach Interpretation. Doch bessere Aufnahmen von Ultima Thule – dessen eigentlicher Name noch 2014 MU69 lautet – waren bereits unterwegs und wurden vom New-Horizons-Team nun vorgestellt.

Sie zeigen tatsächlich ein Objekt, das laut den Farbanalysen wie ein roter Schneemann aussieht – und es ist das am weitesten von der Erde entfernte Objekt, das bislang von einer Raumsonde passiert, untersucht und fotografiert wurde. Ultima Thule umkreist die Sonne in Entfernungen zwischen 6,4 und knapp 7 Milliarden Kilometern.

Das Objekt ist demnach ein binärer Rotationsellipsoid, der sich aus zwei Körpern zusammensetzt, die irgendwann einmal miteinander »verschmolzen« sind. Laut NASA ist es das erste Binärkontaktobjekt, das von einer Raumsonde untersucht wurde. Es weist hellere und dunklere Flächen, aber keine offensichtlichen Einschlagkrater auf. Am auffälligsten ist die »Wespentaille«, wo die beiden Körper miteinander verbunden sind – wahrscheinlich durch Akkretion und nicht durch einen heftigen Zusammenstoß.

New Horizons flog erfolgreich an Ultima Thule in der Neujahrsnacht in einem Abstand von nur 3500 Kilometern vorbei, was ein Signal knapp zehn Stunden später bestätigte. Es löste in der Kommandozentrale großen Jubel aus. »Die Daten sehen fantastisch aus, und wir lernen bereits vieles über Ultima Thule aus der Nahsicht. Von jetzt werden die Daten immer besser«, sagte der leitende Wissenschaftler der Mission, Alan Stern vom Southwest Research Institute, in Boulder in einer Mitteilung.

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Noch verpixelt: Ultima Thule | Die ersten Bilder des Objekts aus größerer Nähe sind noch ziemlich verpixelt, aber das New-Horizons-Team bekommt noch zahlreiche Daten vom erfolgreichen Vorbeiflug – inklusive besserer Bilder.

Geklärt ist damit bereits ein Rätsel, das der Himmelskörper den Wissenschaftlern zuvor aufgegeben hatte. Sie wunderten sich, warum die Sonde während ihres Anflugs auf 2014 MU69 praktisch keine Helligkeitsschwankungen nachweisen konnte: Die Drehachse des Objekts liegt fast direkt in Anflugrichtung von New Horizons.

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Ultima Thule in Farbe

Der Name Ultima Thule steht symbolisch für einen fiktiven, weit abgelegenen Ort im hohen Norden, jenseits der mythischen Insel Thule am Ende der Welt, von der die keltisch-germanischen Sagen erzählen. Seinen endgültigen Namen soll Ultima Thule erhalten, wenn feststeht, wie der Brocken tatsächlich aussieht. Bis alle Daten tatsächlich von New Horizons heruntergeladen sein werden, geht allerdings noch einige Zeit ins Land. Wegen der großen Entfernung rechnen die Wissenschaftler mit etwa 20 Monaten. Bis 2021 soll sie weiter Daten erfassen. Ihren Platz in den Geschichtsbüchern der Raumfahrt hat die Sonde allerdings jetzt schon inne.

01/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 01/2019

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