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Virusevolution: Erkältung ist älter als die Menschheit

Dank 31 000 Jahre alter Virusgenome berechnen Fachleute den Ursprung der Erkältung. Demnach war die laufende Nase schon bei Frühmenschen eine klassische Kinderkrankheit.
Ein Kind in Winterklamotten putzt sich das Näschen.

Schon Frühmenschen infizierten sich wohl mit den Erkältungsviren, die uns bis heute plagen. Das schließt eine Arbeitsgruppe um Sofie Holtsmark Nielsen aus zwei mehr als 31 000 Jahre alten Virusgenomen, die sie aus in Sibirien gefundenen Milchzähnen rekonstruierte. Wie das Team in einer noch nicht begutachteten Veröffentlichung auf »bioRxiv« berichtet, gehören die Viren zu den Linien 1 und 2 des humanen Adenovirus C, das bis heute milde Erkältung bei Kindern verursacht, und unterscheiden sich kaum von ihren modernen Verwandten. Anhand der genetischen Unterschiede berechneten die Fachleute, dass sich die beiden Linien vor etwa 700 000 Jahren voneinander trennten – hunderttausende Jahre vor dem Auftreten des modernen Menschen. Vermutlich infizierten sie schon Vor- und Frühmenschen und blieben einfach an Bord.

Die beiden Milchzähne von zwei verschiedenen Kindern stammen von der Fundstelle Yana in Nordostsibirien, fast 500 Kilometer nördlich des Polarkreises. Das arktische Klima half wohl bei der Erhaltung des Virus-Erbguts. Die Viren gelangten einst über den Blutkreislauf in die Zähne, und da sich die meisten Zellen in den Zähnen nicht erneuern, enthalten die Milchzähne eine ganze Bibliothek der Viren, mit denen die Kinder bis zum Verlust der Zähne im Alter von zehn bis zwölf Jahren in Kontakt kamen. Neben den Erkältungsviren identifizierte die Arbeitsgruppe auch die Fragmente von vier unterschiedlichen Herpesviren, darunter das Cytomegalievirus. Das Team analysierte die stark zerfallenen Genome, indem es einzelne Genfragmente sequenzierte und – unter Berücksichtigung von Rekombinationsereignissen, bei denen Viren große Stücke Erbgut austauschen – mit Referenzgenomen moderner Viren abglich.

Dabei stellte sich heraus, dass die eng verwandten Adenoviren sich voneinander weit stärker unterschieden als von den modernen Vertretern ihrer jeweiligen Abstammungslinien. Anhand der Unterschiede zwischen den Yana-Viren und ihren modernen Gegenstücken kalkulierte die Arbeitsgruppe die ungefähre Rate an zufälligen Mutationen im Erbgut. Mit dieser Zahl berechnete sie dann anhand der Differenzen zwischen den Yana-Viren, dass sich die Linien 1 und 2 vor etwa 700 000 Jahren trennten. Diese Zahl ist noch extrem unsicher, da sie auf nur zwei Genomen basiert. Allerdings ist der Befund, dass manche Krankheitserreger uns seit grauer Vorzeit begleiten und gemeinsam mit uns evolvierten, keine Überraschung. So vermuten Fachleute unter anderem, dass mehrere Arten von Malariaerregern schon Frühmenschen befielen.

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