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Unterwasserfund: Einbaum aus dem See

Im Bodensee hat ein Einbaum mehr als 4000 Jahre erstaunlich gut überdauert. Unterwasserarchäologen bargen den Fund, der dort bis dato das älteste Wassergefährt darstellt.
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Wrack aus der Frühzeit

Vor zweieinhalb Jahren erspähte ein Wassersportler das Gefährt auf dem Grund des Seerheins: einen über acht Meter langen Einbaum, den Archäologen in die Zeit zwischen 2400 und 2200 v. Chr. datieren. Das Boot aus dem Bodensee ist nicht nur der bislang älteste bekannte Fund seiner Art, sondern auch erstaunlich gut erhalten. Anfang April 2021 begann nun die Bergung, um den Einbaum an Land zu konservieren und eingehend untersuchen zu können, wie es in einer Pressemitteilung des Landesamts für Denkmalpflege in Baden-Württemberg heißt.

Der Einbaum war aus dem Stamm einer Linde geschlagen worden. Er ist gut 8,5 Meter lang und etwas mehr als 80 Zentimeter breit. Der Bug ist verloren, im Heck ist ein Brett aus Eichenholz eingesetzt. Warum das Gefährt genau an dieser Stelle zu Boden sank, konnten die Archäologen bisher nicht klären. Der Seerhein ist der Zufluss zwischen Unter- und Obersee des Bodensees. Sicher ist hingegen, dass die Forscher das Boot nicht in einem Stück aus dem Grund hieven können. Dafür sei das Holz zu fragil.

Der Fund belegt, dass Menschen vor mehr als 4200 Jahren den Bodensee befuhren. Aus dieser Zeit sind allerdings keine Siedlungsreste im Umfeld des Fundplatzes bekannt. Jene Phase definieren Archäologen als Übergang von der jüngeren Steinzeit in die frühe Bronzezeit. Aus den Epochen davor und danach sind mehr als ein Dutzend Fundorte von so genannten Pfahlbausiedlungen überliefert.

Seit zehn Jahren sind diese Fundstätten im und um den Bodensee UNESCO-Weltkulturerbe. In der Jungsteinzeit, bald nach 4000 v. Chr., ließen sich die ersten Bauern am Bodensee nieder. Mit Unterbrechungen lebten Menschen bis in die frühe Eisenzeit, dem 7. Jahrhundert v. Chr., dort in Pfahlbauten. Auf Grund des feuchten Bodenmilieus haben sich die Holzteile der Wohnhäuser besonders gut erhalten. So fanden sich nicht nur Gebäude, sondern auch mit Balken gesicherte Wege sowie zahlreiche Gegenstände des täglichen Gebrauchs: Nahrungsmittel, Textilien und Werkzeuge. (kas/dpa)

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