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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Gentiana-Arten

Gentiana-Arten

Fam.: Gentianaceae.

Gentiana asclepiadea L. (syn. Coelanthe asclepiadea, Dasystephana asclepiadea, Pneumonanthe asclepiadea); Schwalbenwurz-Enzian (syn. Würger-Enzian), vgl. Abbildung.
Vork.: Mittel- und südeuropäische Gebirge, v.a. Alpenregion, Riesengebirge, Apennin, Balkan, Karpaten. Die Pflanze steht unter Artenschutz.
Droge: Gentianae radix; Gentiana-asclepiadea-Wurzel, die getrockneten Wurzeln. Inh.: Gentiopicrosid und 6'-O-β-D-Glucosylgentiopicrosid. Anw.: als Bitterstoffdroge früher eingesetzt, heute eher als Verfälschung von Gentiana lutea zu betrachten.



Gentiana asclepiadea, Schwalbenwurz-Enzian

Gentiana cruciata L. (syn. Hippion cruciatum, Tretorrhiza cruciata); Kreuz-Enzian. Die Pflanze steht unter Artenschutz.
Vork.: Europa, Westasien. Inh.: in den Wurzeln Gentiopicrosid; in Blättern und Stengeln Spuren an Gentiopicrosid sowie Magniferin, Isovitexin, Isoorientin und deren Glykoside.
Hom.: Gentiana cruciata HAB34, die frisch geernteten unterirdischen Organe. Anw.-Geb.: früher bei Tollwut empfohlen, aber keine Wirksamkeit dafür nachgewiesen.

Gentiana lutea L. (syn. Asterias lutea, Swertia lutea); Gelber Enzian; vgl. Abbildung.
Vork.: Mittel- und südeuropäische Gebirge, z.B. Pyrenäen, Alpen, Jura, Vogesen, Schwarzwald, Apennin, Sardinien, Korsika, Balkan, Karpaten. Die Pflanze steht unter Artenschutz. Für arzneiliche Zwecke angebaut in Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Rumänien und Rußland.
Droge: Gentianae radix (syn. Radix Gentianae); Enzianwurzel (syn. Bitterwurzel, Fieberwurzel, Hochwurzel), die getrockneten, unterirdischen Organe der Pflanze; vgl. Abbildung. Inh.: Bitterstoffe (Gentianaceenbitterstoffe), Kohlenhydrate (30-55 %, v.a. Glucose, Fructose, Saccharose, Gentiobiose, Gentianose, 3-11 % Pektine), Xanthone (u.a. Gentisin, Isogentisin, Methylgentisin, Gentisein, Gentiosid) vgl. Formel, wenig äther. Öl. Anw.: bei Magenbeschwerden infolge geringer Magensaftproduktion, zur Appetitanregung, Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl, Blähungen. In der Volksheilkunde wird die Droge v.a. bei Magen-Darm-Beschwerden verwendet, aber auch als Bestandteil von Tonika (z.B. im Schwedenbitter) und Magentees. Die Wirksamkeit gegen Fieber konnte nicht nachgewiesen werden. Besonders in den Alpen und im Jura wird die Droge zur Herstellung von Enzian-Branntwein (Enzler) verwendet. Dabei werden die Zucker der frisch geernteten Wurzel vergoren, der Branntwein wird als Destillat gewonnen. Die Bitterstoffe spielen dabei keine Rolle, da sie nicht ins Destillat übergehen. Aperitif-Getränke (Alpenbitter) enthalten Drogen-Extrakte, meist im Gemisch mit anderen Bitterstoffdrogen.
Hom.: Gentiana lutea HAB1, die frischen, unterirdischen Teile. Anw.-Geb.: Verdauungsstörungen.



Gentiana lutea, Gelber Enzian



Gentiana lutea, Gentianae radix, Enzianwurzel



Histor.: Die medizinische Verwendung der Enzianwurzel als Bittermittel geht bis in die römische Kaiserzeit zurück. Im 15. Jh. wurde die Wurzel als Quellstift zur Erweiterung von Wundkanälen gebraucht und erst im 19. Jh. durch die stärker quellenden Laminariastifte verdrängt. Wie andere bitteren Drogen galt Enzian früher als Fiebermittel. Nach Dioskurides soll der Gattungsname nach dem illyrischen König Gentis benannt worden sein, der sie als Mittel gegen Pest empfohlen haben soll. Die verschiedenen Artnamen der Gattung weisen meist auf äußere Besonderheiten hin, z.B. asclepiadea (Asclepias-ähnlich) oder lutea (gelbblühend). Ausführlich beschrieben und empfohlen, bes. bei Magen- und Leberleiden, wird der Enzian von Dioskurides und Plinius, wobei Plinius berichtet, daß der beste Enzian in Illyrien wächst. Es kann als sicher angenommen werden, daß es sich um den gelben Enzian gehandelt hat. Galen empfahl ihn besonders als Mittel gegen Gicht. Auch die Kräuterbücher des Mittelalters widmen dem Enzian breiten Raum und empfehlen ihn geradezu als Universalmittel, wobei allerdings die Meinung, daß bittere Arznei prinzipiell besonders wirksam sei, einst weit verbreitet war.

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