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Lexikon der Mathematik: Ostrowski, Alexander Markowitsch

Mathematiker, geb. 25.9.1893 Kiew, gest. 20.11.1986 Certenago-Montagnola (b. Lugano).

Schon vor seinem Studium beschäftigte sich Ostrowski unter Anleitung von D.A. Grave (1863–1939) intensiv mit Mathematik. Von 1912 bis 1914 studierte er in Marburg und nach seiner Internierung ab 1918 in Göttingen, wo er 1920 promovierte. 1922 habilitierte er sich an der Universität Hamburg, 1923 an der Universität Göttingen und nahm 1927 einen Ruf an die Universität Basel an. Dort lehrte er bis zu seiner Emeritierung 1958.

Ostrowski hatte ein sehr breites Forschungsspektrum. Er arbeitete sich rasch in neue Gebiete ein und besaß ein gutes Gespür für interessante Problemstellungen. In seinen Forschungen zur Algebra und zur Bewertungstheorie konnte er 1918 zeigen,

daß auf dem Körper der rationalen Zahlen jeder Absolutbetrag entweder dem gewöhnlichen Absolutbetrag oder einem der p-adischen Absolutbeträge äquivalent ist, d. h. die gleiche Topologie definiert. 1935 konnte er dieses Resultat dann auf algebraische Zahlkörper ausdehnen.

Im Rahmen von Studien zur Funktionentheorie erzielte er Anfang der 20er Jahre interessante Ergebnisse zur gleichmäßigen Konvergenz von Funktionenfolgen sowie zur Fortsetzbarkeit von Potenzreihen, und verschärfte 1926 die Aussage des großen Picardschen Satzes zur Wertverteilung holomorpher Funktionen.

Ende der 30er und in den 50er Jahren wandte sich Ostrowski verstärkt numerischen Problemen zu. Dies führte ihn u. a. zur Berechnung von konformen Abbildungen sowie zu Fragen der Matrizentheorie und zur Berechnung von Matrizen.

Ostrowski war als Hochschullehrer sehr aktiv und schrieb mehrere Lehrbücher. Sein dreibändigen „Vorlesungen über Differential- und Integralrechnung“ (1945 bis 1954) und sein Buch über nichtlineare Gleichungen und Gleichungssysteme (1960) wurden Standardwerke.

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  • Die Autoren
- Prof. Dr. Guido Walz

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