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Augmented Reality: Spinnenangst mit einer App bekämpfen

Bei rein digitalen Spinnen ist selbst die schlimmste Spinnenangst nicht so schlimm. Eine Studie zeigt nun: Das kann Betroffenen helfen, den Achtbeinern auch in echt nahezukommen.
Der digitale Härtetest

Eine ausgeprägte Spinnenphobie kann die Lebensqualität deutlich verschlechtern. Betroffene würden etwa auf soziale Anlässe in der Natur verzichten oder bestimmte Reiseziele meiden, andere würden Räume exzessiv auf Spinnen kontrollieren und andere wiederum bestimmte Bereiche wie Keller gar nicht erst betreten, schreibt ein Forschungsteam der Universität Basel in einer Mitteilung anlässlich einer neuen Studie im Fachblatt »Journal of Anxiety Disorders«. Darin testeten die Wissenschaftler, inwieweit die von dem Team entwickelte Augmented-Reality-App den Phobikerinnen und Phobikern helfen kann, ihre Angst besser in den Griff zu bekommen.

In ihrer kleinen Studie an 33 Freiwilligen, die während zwei Wochen sechs halbstündige Trainingseinheiten mit der App absolviert hatten, zeigte sich tatsächlich ein positiver Effekt: Die Probanden konnten sich auch sechs Wochen später merklich näher und stressfreier einer echten Spinne unter Glas annähern als vor dem Training. Bei einer gleich großen Kontrollgruppe, die nichts gegen die Spinnenangst unternahm, war die Angst nachher so ausgeprägt wie vorher. Unklar ist, ob der Angst lindernde Effekt der App auch über die sechs Wochen hinaus anhält, zudem war die Wirkung der App – über alle Freiwillige hinweg gemittelt – nicht sonderlich hoch.

Das Team um Erstautorin Anja Zimmer verfolgt mit dem digitalen Training einen ähnlichen Ansatz wie die klassische Expositionstherapie, bei der Betroffene ebenfalls mit Spinnen konfrontiert werden. Weil es sich dabei jedoch um lebendige Krabbeltiere handelt, trauen sich viele von der Phobie Betroffene nicht, das Training durchzuführen. Das sei der Vorteil ihres App-Ansatzes. »Für Menschen, die Angst vor Spinnen haben, ist es leichter, sich einer virtuellen Spinne auszusetzen, als einer echten«, sagt Zimmer in der Pressemitteilung.

Laut der Mitteilung bietet die App namens Phobys neun verschiedene Levels, um der virtuellen Spinne näher zu kommen und mit ihr zu interagieren. Mit der eingebauten Kamera des Smartphones wird dabei die Umgebung aufgenommen und das bewegliche 3-D-Modell so in die Szene integriert, als würde die Spinne auf der abgefilmten Oberfläche sitzen. Mit den Levels werden die Aufgaben intensiver und damit schwieriger. Jedes Level endet mit einer Bewertung der eigenen Angst und des Ekels, und die App schlägt vor, ob das Level wiederholt werden sollte oder zum nächsten fortgeschritten werden kann. Die App verwendet zudem spielerische Elemente wie belohnende Feedbacks, Animationen und Soundeffekte, um die Motivation hochzuhalten. Nutzer können die App kostenlos in den App-Stores downloaden und testen, wie groß die eigene Spinnenangst ist. Für ein reguläres Training würden allerdings Kosten anfallen, schreibt das Basler Team.

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