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Besser vorsorgen: Wer sollte zum Augenarzt?

Oft bleiben Augenerkrankungen zu lange unbemerkt. Das kann gefährlich sein. Ein Vorsorgecheck ist daher empfehlenswert. Doch was passiert dabei?
Wie die augenärztliche Vorsorge abläuft, hängt vom Ziel der Untersuchung ab.

Mit dem Alter steigt das Risiko für Augenerkrankungen. Manche von ihnen sind tückisch: Sie verlaufen oft unbemerkt und bereiten Betroffenen erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden. Weil Krankheiten umso besser behandelt werden können, je früher sie entdeckt werden, empfehlen viele Ärzte, die Augen regelmäßig untersuchen zu lassen: ab 40 alle zwei Jahre auf den grünen Star (Glaukom) hin, ab 55 auf die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), eine Erkrankung der Netzhaut. Liegen in der Familie bereits Augenerkrankungen vor, raten der Berufsverband der Augenärzte (BVA) und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), schon vor dem 40. Geburtstag zum Augenarzt zu gehen. Zu den Standard-Vorsorgeleistungen der gesetzlichen Krankenkassen gehören die Checks allerdings nicht.

Wozu ist die Augenuntersuchung gut?

Vorsorgeuntersuchungen bei einem Augenarzt oder einer Augenärztin können helfen, Probleme rechtzeitig zu entdecken. Es gibt mehrere altersbedingte Erkrankungen des Sehapparats, die anfangs keine Beschwerden verursachen, aber frühzeitig behandelt werden sollten, um Spätfolgen wie eine dauerhafte Sehverschlechterung oder gar Erblinden zu verhindern.

Die Krankheit grüner Star zeigt sich etwa durch einen erhöhten Augeninnendruck, den der Patient selbst nicht bemerkt. Langfristig schädigt er jedoch den Sehnerv, was unbehandelt zur Erblindung führt. In Deutschland haben rund drei Millionen Menschen einen zu hohen Augeninnendruck. Auch die altersbedingte Makuladegeneration, in Industrieländern die häufigste Erblindungsursache, gehört zu den Erkrankungen, die schleichend verlaufen und anfangs oft kaum wahrgenommen werden. Weil ein einmal eingetretener Sehverlust bedingt von AMD nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, ist eine frühe Diagnose wichtig.

Wie läuft der Check beim Augenarzt ab?

Wie die augenärztliche Vorsorge abläuft, hängt vom Ziel der Untersuchung ab. Wichtig ist das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin, in dem es um aktuelle Beschwerden und Vorerkrankungen, auch in der Familie, geht. Dann werden die Augen meist per Spaltlampenmikroskop untersucht – seit mehr als 100 Jahren das klassische Untersuchungsgerät der Augenheilkunde. Es ermöglicht eine 6- bis 30-fache Vergrößerung bei gleichzeitig guter Beleuchtung. Der Arzt kann damit vor allem den vorderen Augenabschnitt beurteilen.

Steht das Glaukom im Vordergrund des Termins, erfolgt danach die Messung des Augendrucks per Tonometrie. Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl: Nach einer kurzen Betäubung mit Hilfe von Augentropfen kann der Arzt einen Drucksensor auf die Hornhaut setzen. Oder er misst den Druck per Luftstoß auf den Augapfel. Diese Methode kommt ohne Berührung und Betäubung aus.

Serie: »Besser vorsorgen«

Krebsvorsorge, Früherkennung, Check-up – es gibt viele Untersuchungen, die Gesunde regelmäßig wahrnehmen sollten. Denn vorsorgen ist besser als nachsorgen. Wir erklären die gängigsten Methoden und beantworten die wesentlichen Fragen: Wozu ist die Untersuchung gut? Was macht die Ärztin, worauf achtet der Arzt? Und tut das weh?

Um ein Glaukom zuverlässig zu entdecken oder auszuschließen, ist zusätzlich eine Sehnervenuntersuchung nötig, zum Beispiel per Augenspiegelung, in der Fachsprache Ophthalmoskopie oder Fundoskopie genannt. Der Arzt verwendet dafür ein Ophthalmoskop. Mit dem Gerät lässt sich von außen in das Auge hineinschauen und der Augenhintergrund beleuchten. Das ermöglicht es, Schäden am Sehnervenkopf zu entdecken oder die Netz- und Aderhaut zu begutachten. Damit alles gut sichtbar ist, bekommt der Patient vorher Augentropfen, die die Pupillen weitstellen.

Zur Untersuchung der Netzhaut empfehlen Ärzte oft eine OCT, eine Optische Kohärenztomografie, auf Englisch »optical coherence tomography«. So lassen sich mit einem schwachen, ungefährlichen Laserlicht hoch aufgelöste Bilder auch der tieferen Netzhautschichten anfertigen. Für den Patienten ist das schmerzfrei – er muss lediglich für einige Minuten ruhig mit aufgestütztem Kopf vor dem Gerät sitzen. Eine Betäubung ist nicht nötig.

Woran sollten Patientinnen und Patienten denken?

Augenärztliche Vorsorgechecks wie der Glaukom-Check oder die OCT zum Feststellen einer AMD sind keine Kassenleistung, sondern individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL). Wer also keine Beschwerden hat, seine Augen aber trotzdem gründlich untersuchen lassen möchte, muss das selbst bezahlen. Die Kombiuntersuchung aus Augeninnendruckmessung und Augenspiegelung, die einen Glaukom-Verdacht abklärt, kostet zwischen 20 und 40 Euro. Deutlich teurer ist die OCD mit 85 bis 140 Euro.

Wer mit Beschwerden zum Augenarzt geht, etwa weil wegen einer AMD die Sehschärfe abgenommen hat, muss die Untersuchung nicht bezahlen, wenn der Arzt sie zur Diagnostik heranzieht. Das gilt auch, wenn eine Ärztin einen Glaukom-Verdacht äußert und die Druckmessung zur Abklärung empfiehlt. Wie bei allen Arztbesuchen sind die Versichertenkarte und vorhandene Überweisungen mitzubringen. Ebenso können Arztbriefe oder andere Untersuchungsergebnisse nützlich sein. Brillenträger sollten ihre Brille samt Brillenpass mitnehmen, Kontaktlinsenträger an eine Aufbewahrungsbox denken, weil die Untersuchungen ohne Linsen erfolgen.

Tropfen, die die Pupillen weitstellen, lassen die Sicht verschwimmen und wirken noch für eine Weile. In den ersten Stunden nach der Untersuchung sollte man deshalb nicht selbst Auto oder Fahrrad fahren, sondern sich aus der Praxis abholen und nach Hause fahren lassen.

Welche Nachteile oder Risiken gibt es?

Die Basisuntersuchungen des Auges – Sehtest, Begutachtung per Spaltlampenmikroskop, Augenspiegelung, Augeninnendruckmessung – sind für die Patienten schmerzfrei und ohne Risiken. Sie dauern jeweils nur wenige Minuten. Kommt es bei der Untersuchung zum Kontakt zwischen Gerät und Auge, kann das aber unangenehm sein und  – meist harmlose – Reizungen der Hornhaut auslösen. Die pupillenweitenden Augentropfen, die für die Ophthalmoskopie nötig sind, führen in seltenen Fällen zu einer Erhöhung des Augeninnendrucks bis hin zum behandlungsbedürftigen Glaukom.

Der IGeL-Monitor sowie der Medizinische Dienst des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen haben die Kombiuntersuchung aus Augeninnendruckmessung und Augenspiegelung bei Glaukom-Verdacht als »tendenziell negativ« bewertet: Die aktuelle Studienlage liefere keine Beweise dafür, dass die Untersuchungen tatsächlich verhindern, dass es zu Sehbeeinträchtigungen kommt. Dass der Check nutzlos ist, sei zwar nicht bewiesen. Jedoch sei aus vielen Studien bekannt, heißt es weiter, »dass Früherkennungsuntersuchungen immer indirekte Schäden haben können: Sie produzieren Fehlalarme, übersehen Krankheiten, und erkennen vor allem Veränderungen, die nie Probleme verursacht hätten, die man also gar nicht hätte behandeln müssen. Wenn wir Nutzen und Schaden abwägen, überwiegt also der mögliche Schaden.«

Der BVA und die DOG wiederum teilten mit: »Durch das Glaukom entstandene Schäden kann man nicht mehr bessern. So weit, dass die zentrale Sehschärfe abnimmt, sollten wir es nicht kommen lassen. Mit dem Früherkennungscheck kann man die Risikofaktoren oder ein Glaukom schon im Anfangsstadium erkennen. Zudem hat die Untersuchung den Vorteil, dass der Schädigungszustand sehr genau dokumentiert werden kann.« Es gebe nur einen Weg, ein Glaukom festzustellen: »die Untersuchung beim Augenarzt«.

Wer bezahlt Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen?

Ob Baby oder Greis – ein Leben lang übernehmen die Krankenkassen die Kosten für zahlreiche Früherkennungs- und Vorsorgechecks. Das bedeutet, die Untersuchungen sind für Patienten kostenlos. Einen Überblick, wer wann Anspruch auf welche Untersuchung hat, hat der Gemeinsame Bundesausschuss zusammengestellt. Untersuchungen, die Patienten selbst bezahlen müssen, heißen Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL. Zu den beliebtesten zählen zum Beispiel die Messung des Augeninnendrucks, eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke oder ein großes Blutbild. Der IGeL-Monitor vom »Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen« hat sich zum Ziel gesetzt, die verschiedenen IGeL wissenschaftlich zu bewerten, damit Patienten sich gut informiert für oder gegen eine bestimmte Untersuchung entscheiden können.

Die Stiftung Warentest rät Unentschlossenen: »Lassen Sie sich nicht zur Untersuchung drängen, die Entscheidung liegt bei Ihnen. Für Patienten mit bestimmten Risikofaktoren ist die Glaukom-Früherkennung sinnvoll. Für gesunde 40-Jährige hat sie nur einen geringen Nutzen.« Je höher das Alter, desto eher lohne sich der Test. Die Verbraucherzentrale empfiehlt Patienten, »konkret nach dem individuellen Nutzen« zu fragen, wenn der Augenarzt ihnen eine Glaukom-Untersuchung anbietet.

Auch die OCT fällt beim IGeL-Monitor durch, zumindest als Vorsorgeleistung: Es gebe keine Hinweise darauf, dass sie Patientinnen und Patienten als Früherkennung nützt. Es bestehe vielmehr das Risiko, »dass bei einer OCT Personen als behandlungsbedürftig eingestuft werden, die niemals Symptome entwickelt hätten oder bei denen eine frühzeitige Therapie keinen Nutzen hat. Das bedeutet, dass sie sich Folgeuntersuchungen unterziehen müssten oder ihnen Medikamente verabreicht würden, die sie gar nicht bräuchten und die erhebliche Nebenwirkungen haben können.« Das Team des IGeL-Monitors kommt zu dem Schluss, »dass die OCT-Untersuchung Menschen, die keine Symptome einer AMD haben, eher schadet, als dass sie ihnen nützt«.

Wie geht es weiter?

Ist alles in Ordnung, entscheiden Patient und Arzt gemeinsam, ob und wann ein erneuter Check sinnvoll ist. Je nach Alter und Vorerkrankungen – auch in der Familie – kann bei manchen Menschen eine jährliche Wiederholung sinnvoll sein, um Verschlechterungen rechtzeitig zu bemerken, etwa bei Personen mit Diabetes. Bei anderen Menschen reichen längere Intervalle, beispielsweise fünf Jahre. Ist der Augeninnendruck erhöht oder erschien der Hintergrund auffällig, rät der Augenarzt zu weiteren Untersuchungen. Augentropfen können helfen, den Innendruck zu senken. Auch für AMD-Patienten gibt es Medikamente.

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