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Teenager: Jung und wagemutig

Jugendliche neigen stärker zu riskantem Verhalten als Erwachsene. Doch die Gründe dafür sind weitaus komplexer, als Neurowissenschaftler lange annahmen.
Mädchen übt Parkour

Cole Skinner hängt an einer Wand über einem verlassenen Steinbruch, als er ein Auto heranfahren hört. Zusammen mit seinem Freund flüchtet er schnell zu einem schmalen Pfad am Rand des Hangs. Die Teenager klettern über einen Stacheldrahtzaun und verlassen das Gelände.

Für Cole Skinner und seinen Freund Alex McCallum-Toppin ist die Verfolgungsjagd ein Teil des Spaßes. Beide sind 15 Jahre alt sind und gehen im englischen Faringdon zur Schule. Sie suchen sich speziell Orte wie Baustellen und stillgelegte Gebäude aus – nicht um in Schwierigkeiten zu kommen, sondern um sie auszukundschaften. Natürlich kann man damit auch gut angeben, meint McCallum-Toppin. »›Ja, echt, ich war in einem verlassenen Steinbruch!‹ – »das hört sich doch gut an; da kann man was erzählen.«

In der Wissenschaft hieß es lange, dass diese Risikobereitschaft von Jugendlichen ein Problem darstellt, welches Eltern und die Öffentlichkeit bewältigen oder ertragen müssen. Die Hirnforscherin Eva Telzer sieht das anders. Sie arbeitet an der University of North Carolina in Chapel Hill und erforscht, wie sich das Gehirn während des Heranwachsens verändert. Immer wieder fragt sie Familienangehörige, Freunde, Studenten und Forscher in ähnlichen Bereichen, wie sie Teenager sehen. »Da nennt fast keiner etwas Positives«, sagt Telzer. »Nichts als Stereotype.«

Jugendliche sind per se risikobereiter als Erwachsene. Sie nehmen mögliche Folgen wie Verletzungen, Todesfälle, Rechtsstreitigkeiten und langfristige Gesundheitsprobleme eher in Kauf. Laborstudien der letzten zehn Jahre haben jedoch gezeigt, dass junge Menschen ihre Risikobereitschaft sehr nuanciert abschätzen. Sie erwägen dabei den sozialen Wert sowie andere Vor- und Nachteile. Das Verhalten von Jugendlichen gehe weit über ungestüme Rebellion oder unkontrollierbare Hormonschübe hinaus, sagt Adriana Galván. Sie forscht als Neurowissenschaftlerin an der University of California in Los Angeles. »Unsere Definition von Risikobereitschaft verändert sich gerade.«

Es gibt auch Situationen, in denen Teenager wesentlich risikoscheuer als ältere Menschen sind. Verglichen mit den Studien im Labor müssen sie im echten Leben lernen, mit einem wesentlich breiteren Spektrum an Risiken umzugehen. Das sind zum Beispiel soziale Risiken wie ein Probetraining für die Sportmannschaft. Diese unterschiedlichen Verhaltensweisen scheinen sich verschieden auf das Gehirn auszuwirken.

»Unsere Definition von Risikobereitschaft verändert sich gerade«(Adriana Galván, Neurowissenschaftlerin)

Es ist wichtig, wie Jugendliche mit verschiedenen Risiken umgehen. Erkenntnisse darüber, welche neuronalen Prozesse sich bei riskantem Verhalten abspielen, können helfen, sinnvolle Richtlinien und Gesetze zu erarbeiten – etwa für das Autofahren oder für Strafen für Gewaltverbrechen. Würden wir verstehen, wie das jugendliche Gehirn Risiken bewertet, wäre es eventuell sogar möglich, Anzeichen für Schizophrenie und Depressionen zu identifizieren. Psychische Erkrankungen beginnen häufig schon in der Pubertät.

Rebell aus gutem Grund

Die Pubertät ist eine gefährliche Lebensphase. Die Sterblichkeitsrate ist bei 15- bis 19-Jährigen auf der ganzen Welt etwa 35 Prozent höher als die von 10- bis 14-Jährigen. Riskantes Verhalten steht ganz oben auf der Liste der Gefahren. Weltweit sind Verkehrsunfälle die häufigste Todesursache für Jugendliche, dicht gefolgt von Selbstverletzungen und andere Formen von gewalttätigem Verhalten. Noch dazu kann man viele gesundheitsschädliche Gewohnheiten im späteren Leben – seien es Tabak- und Alkoholkonsum oder sitzende Tätigkeit – auf schlechte Entscheidungen in den Teenagerjahren zurückführen. Nicht zuletzt deshalb interessiert sich die Wissenschaft so sehr für die Pubertät.

»Risikobereitschaft war eines der ersten Forschungsthemen zum Gehirn«, sagt Ronald Dahl. »Man konnte so leicht Forschungsgelder einstreichen, deshalb gab es da einen Schwerpunkt.« Er untersucht an der University of California in Berkeley, wie sich das Gehirn entwickelt. Früher vermuteten Forscher, dass ein Ungleichgewicht während der Entwicklung des Gehirns für die hohe Risikobereitschaft verantwortlich sei. Die Hirnbereiche, die bestimmen, wie impulsiv und empfindlich man für Belohnungen ist, sind schon in jungem Alter aktiv. Dagegen entwickeln sich die Hirnareale, die kognitive Prozesse wie das Arbeitsgedächtnis steuern, eher gemächlich während der Pubertät.

Neurowissenschaftler verglichen das jugendliche Gehirn lange mit einem Auto mit durchgedrücktem Gaspedal und defekten Bremsen. Dieses Bild stimmt mit den bekannten Daten zur Entwicklung des Gehirns überein. Es passe aber nicht zu der Tatsache, dass es auch viele Jugendliche gibt, die keine besondere Neigung zum Risiko zeigen, meint Ted Satterthwaite von der University of Pennsylvania in Philadelphia. Er ist Psychiater und forscht zu bildgebenden Verfahren in der Neurowissenschaft. Laut einer US-amerikanischen Umfrage aus dem Jahr 2016 mit mehr als 45 000 Jugendlichen haben 61 Prozent der Befragten bis zum Alter von 17 bis 18 Jahren noch keine Zigarette probiert und etwa 29 Prozent noch nie Alkohol getrunken.

Besonders männliche Jugendliche sterben eher durch risikoreiches Verhalten
Todesursachen bei Jugendlichen | Im Jahr 2015 starben schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen im Alter von 10 bis 19 Jahren. Die häufigsten Todesursachen sind mit riskantem Verhalten verbunden, insbesondere bei älteren Jugendlichen und bei Männern.

Heute sehen die meisten Neurowissenschaftler in der unterschiedlich raschen Entwicklung der verschiedenen neuralen Systeme des Gehirns kein Ungleichgewicht mehr. »Die Pubertät ist eine empfindliche Phase, aber nicht deshalb, weil etwas im Gehirn schieflaufen würde«, sagt Satterthwaite.

Forscher schauen inzwischen eher auf ein breiteres Spektrum von Risiken sowie auf mögliche Umwelteinflüsse. Viele Teenager empfinden schon relativ basale Erlebnisse als Risiko, wie beispielsweise, wenn sie einen Freund verteidigen oder jemanden zu einem Date einladen, erklärt Dahl. »Soziale Risiken nehmen Jugendlichen besonders stark wahr.«

Sozialer Strudel

Seit einiger Zeit sind Forscher auch daran interessiert, wie soziale Faktoren das Risikoverhalten beeinflussen. Im Jahr 2009 setzte der Psychologe Laurence Steinberg von der Temple University in Philadelphia die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) ein, um Vorgänge im Gehirn zu untersuchen. Dabei beobachtete er Jugendliche, die das »Chicken Game« spielten. Bei diesem fährt der Spieler in einem Auto und passiert innerhalb von sechs Minuten ganze 20 Ampeln, die immer wieder umschalten. Als die ersten Ampeln auf Gelb wechselten, fuhren einige Spieler einfach weiter. Andere dagegen hielten an und warteten auf Grün. Der Clou dabei: Manchmal lohnte es sich schnell weiterzufahren, manchmal kam es aber auch zu einem Verkehrsunfall.

Als die Teenager allein spielten, waren sie ähnlich risikobereit wie erwachsene Spieler. Als Steinberg den Jugendlichen aber erzählte, ihre Freunde würden von einem Nebenraum aus zuschauten, nahm die Risikobereitschaft merklich zu. Telzer führte mit ihren Kollegen eine ähnliche Studie durch. Wie sie beobachten konnte, gingen die an der Untersuchung beteiligten Teenager weniger Risiken ein, wenn ihnen gesagt wurde, dass ihre Mutter zuschaute. Während des Spiels zeichnete Telzer auf, wie aktiv verschiedene Hirnregionen der Jugendlichen waren. Sie stellte fest, dass Areale, die sehr empfindlich für Belohnungen sind, zum Beispiel das ventrale Striatum, stärker aktiviert waren, wenn das Verhalten der Jugendlichen durch Freunde beeinflusst war. War die Mutter anwesend, verzeichnete sie stattdessen erhöhte Aktivität im präfrontalen Kortex, dem Bereich des Gehirns, der an der kognitiven Kontrolle beteiligt ist.

Neurowissenschaftler testeten mit Hilfe des Videospiels auch, wie sehr die Risikobereitschaft von Teenagern von deren sozialem Status abhing. Ein Team von der University of Oregon in Eugene bat eine andere Gruppe von Jugendlichen, das »Chicken Game« im Hirnscanner zu spielen. Vorher war ihnen gesagt worden, zwei ihrer Freunde würden zusehen. Im Anschluss daran sollten sie ein weiteres Videospiel spielen, bei dem sie vom eigentlichen Spiel ausgeschlossen wurden. Sie durften den Spielball weder fangen noch zu ihren Gleichaltrigen werfen. Mit dieser Erfahrung von sozialer Ausgrenzung kehrten die Jugendlichen dann zum »Chicken Game« zurück. Auf einmal gingen die Jugendlichen, die sich selbst als empfänglich für die Signale Gleichaltriger beschrieben, wesentlich mehr Risiken ein. Bei ihnen fanden die Forscher auch eine höhere Aktivität der temporoparietalen Hirnregion, die unter anderem an moralischen Entscheidungen beteiligt ist.

In einer anderen Studie konnte Telzer zeigen, dass Teenager, die oft sozial ausgegrenzt und schikaniert werden, verstärkt Risiken eingehen. Nun wollen Forscher verstehen, welche Jugendlichen am verwundbarsten sind. »Wenn wir erkennen, wann und warum Jugendliche rauchen oder prekäre Entscheidungen treffen, finden wir vielleicht auch heraus, wie wir sie beeinflussen und in ein positiveres Umfeld drängen können«, sagt Telzer.

Gleichaltrige können auch positiven Einfluss haben. In einer Studie aus dem Jahr 2014 sollten Teenager in einem Onlinespiel entscheiden, ob sie Geld spenden oder behalten wollten. Dabei wurde ihnen erzählt, sie würden von zehn Gleichaltrigen beobachtet. Sobald einer der Teilnehmer eine Spende machte und seine Freunde dies mittels »Daumen hoch« befürworteten, war seine Spendenfreudigkeit im weiteren Spielverlauf höher (allerdings gab es auch gegenteilige Fälle). »Alle vermuten immer, die Freunde von Jugendlichen hätten nur schlechten Einfluss«, sagt Telzer. Die Realität ist komplexer.

»Das meiste, was wir über Risikobereitschaft im Jugendalter wissen, stammt von relativ normalen Jugendlichen und weniger von sehr risikobereiten«(Eva Telzer, Neurowissenschaftlerin)

Dieselben Hirnbereiche scheinen nicht bloß gefährliche, sondern auch positive Risikobereitschaft zu vermitteln. Wird das ventrale Striatum aktiviert und nehmen die Dopaminrezeptoren dort zu, sind die Jugendlichen eher dazu bereit, sich sowohl positiv als auch gefährlich zu verhalten.

Die Untersuchungen von Telzer deuten aber auch auf etwas anderes hin. Jugendliche, bei denen die Aktivität des ventralen Striatums steigt, wenn sie andere unterstützen (beispielsweise durch Spenden), haben im späteren Leben eine niedrigere Risikobereitschaft und ein geringeres Depressionsrisiko. »Das hat alles zwei Seiten«, sagt Dahl.

Natürlich haben solche Untersuchungen im Labor ihre Grenzen, denn es ist schwierig, den Einfluss der Gesellschaft auf das Teenagerleben in einem MRT-Scanner zu simulieren, sagt Galván. »Wie sollen wir in einem kalten Labor an einem Dienstagnachmittag nachstellen, was eigentlich an einem Samstagabend passiert?«, fragt sie. Die Studien erfassen eher die Risikoneigung der Teenager per se als die Wahrscheinlichkeit, dass Risiken im wahren Leben tatsächlich eingegangen werden, erklärt die Forscherin.

Außerdem sind durchschnittliche Teenager auch nur mäßig willig, für eine Studie Risiken einzugehen. »Das meiste, was wir über Risikobereitschaft im Jugendalter wissen, stammt von relativ normalen Jugendlichen und weniger von sehr risikobereiten«, fügt Telzer hinzu. Eine gefährliche Risikobereitschaft tritt nur bei einem kleinen Teil von Teenagern auf, und die gehen mit Wagnissen insgesamt ganz anders um als der Rest.

Hochrisikoforschung

Für eine bisher unveröffentlichte Studie beobachtete Telzer im Jahr 2015 Jugendliche, von denen einige wegen schwerer Verstöße von ihrer Schule verwiesen worden waren. Die Teilnehmer der Untersuchungen sollten in einem Scanner liegend auf einen Knopf drücken, wenn sie Buchstaben auf einem Bildschirm sahen, nicht aber bei einem »X«. Auf dem Bildschirm wurden dazu noch Bilder aus dem sozialen Leben gezeigt, positive Bilder wie am Strand lachende oder spielende Teenager, aber auch negative, wie eine Gruppe von Leuten, die aggressiv jemanden anpöbelt.

Die meisten Teenager bewältigten die Aufgabe des Knopfdrückens schlechter, wenn sie positive Bilder gezeigt bekamen, weil ihre kognitive Kontrolle durch das belohnende Bild überlagert wurde. Dabei nahm bei ihnen auch die Aktivität im ventralen Striatum zu. Bei den von der Schule verwiesenen Schülern waren es dagegen die aversiven Bilder, die ihre Leistung beeinträchtigten. Telzer schloss daraus, ein Kontrollverlust der Teenager könnte damit zusammenhängen, dass sie anders auf soziale Reize reagierten.

Studien zufolge liegen bei jungen Leuten mit hoher Risikobereitschaft andere Hirnprofile vor als bei durchschnittlichen Jugendlichen, sagt die Forscherin. Aber natürlich kann es auch sein, dass sie einfach nur »ein ganz anderer Typ von Heranwachsenden« sind.

Inzwischen interessiert sich auch das Justizsystem der USA für die Forschung. Behörden berücksichtigen etwa Faktoren, die die Selbstkontrolle von Jugendlichen beeinträchtigen können. Wie unlängst gezeigt wurde, scheinen junge Erwachsene in emotional neutralen Situationen ihre kognitiven Aufgaben genauso gut zu erfüllen wie ältere Erwachsene. Wenn die Situation allerdings emotional aufgeladen ist, fällt ihre Leistung stark ab. Demzufolge sind Verbrechen in emotional »kalten« Situationen vielleicht anders zu bewerten als solche, in denen emotional geleitete Entscheidungen die Oberhand gewinnen. Weitere Forschung zum Risikoverhalten könnten dazu beitragen, früher zu erkennen, welche Jugendliche in welchen Umständen zu gefährlichem Verhalten neigen.

Der Psychologe Steinberg hat im Jahr 2017 in fünf strafrechtlichen Verfahren mit Jugendlichen ausgesagt. So legte er vor einem Gericht in Kentucky etwa dar, wie die Entscheidungsfindung von Jugendlichen von ihren Emotionen abhängt. Daraufhin hob das Gericht das Mindestalter für die Verhängung der Todesstrafe auf 21 Jahre an. Die neuen Erkenntnisse wurden außerdem schon als Argumente gegen obligatorisch lebenslange Haftstrafen ohne Bewährung für Straftäter unter 21 Jahren angeführt.

Die Wissenschaftler sind davon begeistert, dass ihre Arbeiten zur Entwicklungsforschung in der Politik gehört werden. Einige, unter anderem Satterthwaite und Galván, weisen darauf hin, dass es auch Tücken dabei gibt, wenn man fMRT-Daten für Einzelfälle vor Gericht verwendet. Die Daten aus den bildgebenden Studien werden in der Regel nämlich über alle Teilnehmer einer Studie gemittelt, weshalb Schlussfolgerungen über das Gehirn einer einzelnen Person riskant sind. »Ehrlich gesagt bin ich nicht dafür, Daten aus dem Neuroimaging bei Gericht einzusetzen«, sagt Satterthwaite. »Da gibt es zu viele Störfaktoren.«

Noch sind die Daten für diagnostische Zwecke zu ungenau. Satterthwaite ist hingerissen von der Möglichkeit, dass man in Zukunft bestimmte Reaktionen des jugendlichen Gehirns in Risikosituationen als Frühsymptome für Depression oder Angst erkennen könnte. Er hofft, dass die Forschungsergebnisse eines Tages die klinische Behandlung unterstützen werden. »Die Vorstellung, dass jemand, der ein lebensbedrohliches Verhalten aufweist, ohne diagnostischen Test, ohne Bildgebung und ohne Laboruntersuchung wieder geht, ist einfach mittelalterlich«, sagt er.

Die weit gefasstere Forschung zur Risikobereitschaft von Jugendlichen trägt schon dazu bei, gefährliches Verhalten im täglichen Leben zu minimieren. So ist bekannt, dass Jugendliche mit Schlafmangel anfälliger für Risiken sind, sei es Rauchen oder ungeschützte sexuelle Aktivitäten. Dutzende Studien weisen darauf hin, dass längerer Schlaf und ein späterer Schulbeginn Probleme und riskantes Verhalten mindern könnten. Einrichtungen wie die US Centers for Disease Control and Prevention und die American Academy of Pediatrics befürworten das und empfehlen einen Schulbeginn frühestens um 8.30 Uhr. Auch wenn Hunderte von Schulen in den Vereinigten Staaten ihren Morgengong schon verschoben haben, lag der Durchschnitt für die Mittelstufe im Jahr 2014 immer noch bei 8.00 Uhr.

Steinberg plädiert dafür, man sollte Jugendliche zunächst weniger Risiken aussetzen, beispielsweise, indem man das Mindestalter für Tabakkauf auf 21 Jahre anhebt und es verbietet, Alkohol im Umkreis von 300 Meter Entfernung von Schulen zu verkaufen. Diese Maßnahmen seien wahrscheinlich erfolgversprechender als reine Informationsveranstaltungen für Schüler, sagt er. Es gibt auch andere Strategien, um gefährliches Verhalten zu verhindern. So müssen junge Autofahrer in Australien, Neuseeland, Nordirland und den USA erst Erfahrung sammeln, bevor sie ohne Begleitung Erwachsener andere Jugendliche mitnehmen dürfen. Mit Hilfe solcher Programme ließ sich die Zahl der Unfallopfer bei jungen Fahrern verringern.

Aber ein bisschen Risiko ist auch eine gute Sache, sagt die Neurowissenschaftlerin B. J. Casey von der Yale University in Connecticut. »Wir wollen nicht, dass Jugendliche gar keine Risiken mehr eingehen. Denn diese Erfahrungen machen ihr Leben im erwachsenen Alter sicherer«, sagt sie.

Jugendliche müssen, in dem Prozess unabhängig zu werden, viel lernen – und niemand hat gesagt, dass das einfach ist. »Ich glaube, es gibt keine anspruchsvollere Entwicklungsphase in unserem Leben«, sagt Casey. »Bei jedem meiner Vorträge bitte ich die Zuhörer, mit Handzeichen zu signalisieren, wer noch einmal durch die Pubertät gehen möchte. Da hat sich noch nie jemand gemeldet.«

Dieser Artikel ist unter dem Titel »Sex and drugs and self-control: how the teen brain navigates risk« in »Nature« erschienen.

36/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 36/2018

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