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Kampfmittelräumdienste: 77 Jahre Bomben im Boden

Im Zweiten Weltkrieg fielen zwei Millionen Tonnen Bomben auf Deutschland. Tausende davon stecken als Blindgänger noch immer im Boden. Fachleute entschärfen das explosive Erbe mit raffinierten Methoden.
Bomber der US-Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg beim Luftangriff über einer deutschen Stadt.

Rotbraun und rostig liegt ein großer Metallzylinder in einer Baugrube in Nordrhein-Westfalen. Daneben steht Karl-Friedrich Schröder, der jetzt vor allem eines braucht: Ruhe. Immerhin enthält die Eisenhülle vor ihm riesige Mengen Sprengstoff, oft sind es mehr als 100 Kilogramm. Der Zünder kann eine solche Bombe auch mehr als 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch in die Luft jagen. Genau das will der technische Einsatzleiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Bezirksregierung Arnsberg verhindern. Er und sein Team von 20 Leuten sind für Blindgänger und andere Kampfmittel in gut der Hälfte von Nordrhein-Westfalen zuständig. Dazu muss sich Schröder die Sache zunächst genau anschauen: Welche Art von Zünder steckt in der Bombe? Wie haben die Jahrzehnte im Untergrund jenen Mechanismus verändert? Wie lässt sich das explosive Gemisch unschädlich machen? Was also sollte mit diesem Blindgänger geschehen?

Ein solcher Einsatz benötigt häufig eine lange Vorarbeit, für deren erste Etappe im Regierungsbezirk Arnsberg Falk Lemanscheck verantwortlich ist. Er leitet dort das acht- bis zehnköpfige Team der Kriegsluftbildauswertung, das auf Antrag der 231 Ordnungsbehörden in den Bezirken Arnsberg, Detmold und Münster tätig wird. »Meist geht es um Bauvorhaben, von Carports bis hin zu Großprojekten – oder heutzutage auch sehr häufig – um Kabeltrassen«, erklärt Lemanscheck.

Es gibt zwei Millionen Gründe für die Suche nach Kampfmitteln – denn so viele Tonnen Bomben warfen die alliierten Flugzeuge im Zweiten Weltkrieg über Deutschland ab. 10 bis 20 Prozent dieser Waffen explodierten jedoch nicht wie vorgesehen, sondern blieben als Blindgänger im Boden stecken. In den 2020er Jahren liegen wohl noch rund 100 000 Tonnen nicht detonierter Bomben im deutschen Untergrund. Da die amerikanischen und britischen Verbände ihre Angriffe auf Industriekomplexe und Ballungszentren wie das Ruhrgebiet sowie Köln, Hamburg und Berlin, aber auch auf Potsdam und Oranienburg konzentrierten, verteilt sich die explosive Fracht nicht gleichmäßig übers Land. So landeten 48 Prozent aller Bomben in Nordrhein-Westfalen und bescheren dem Kampfmittelbeseitigungsdienst Arnsberg viel Arbeit. Allein im Jahr 2019 wurden in Nordrhein-Westfalen 2160 Bomben unschädlich gemacht.

Alte Luftbilder liefern Hinweise auf Blindgänger

»Wir profitieren dabei von der akribischen Dokumentation der Alliierten, die jede Menge Luftbilder von den Bombardierungen gemacht haben«, sagt Lemanscheck. Schon vor den Angriffen wurden aus Flugzeugen Industrieanlagen und Bahnhöfe, militärische Stellungen und Führungsstrukturen fotografiert, um die späteren Ziele zu identifizieren. Nach der Bombardierung wurden erneut Bilder gemacht, um die Wirkung der relativ ungenauen Abwürfe zu erfassen. Mehr als 300 000 solcher Schwarzweißfotos hat das Land Nordrhein-Westfalen von US-Amerikanern und Briten gekauft, um darauf nach Blindgängern fahnden zu können.

Auf diesen Bildern sieht man nicht nur Gebäude, Verkehrswege und Schützengräben, sondern auch die von explodierten Bomben geschlagenen Krater. »Deren Durchmesser liegt normalerweise über fünf Metern, kleinere Strukturen lösen daher einen Anfangsverdacht aus, es könnte ein Blindgänger sein«, weiß Falk Lemanscheck. Das klingt in der Theorie einfach, ist es in der Praxis aber nicht. So haben die Alliierten ebenfalls sehr große Bomben eingesetzt, deren Blindgänger Trichter mit mehr als fünf Meter Durchmesser hinterlassen haben. Andererseits sieht man auf einigen Luftbildern auch Schützenlöcher, in denen keine Bomben liegen, sondern einst Soldaten Deckung fanden. Laut Lemanscheck befanden sich die Schützenlöcher jedoch häufig entlang von Straßen. Sie lassen sich also der Lage nach einigermaßen gut identifizieren.

Bombenentschärfer | Karl-Friedrich Schröder, hier links, und sein Team zeigen zwei Bomben, die sie im Januar 2020 in Dortmund entschärft haben.

Mit ihrer langjährigen Erfahrung sind der Leiter der Kriegsluftbildauswertung und sein Team einem automatischen Programm weit überlegen. Dessen Trefferquote ist schlicht schlechter. Daher verlässt sich die kleine Gruppe lieber auf die eigenen Augen als auf computergestützte automatische Auswertungen.

Wenn die Experten ein Baugebiet untersuchen, dann beziehen sie eine ungefähr sechs Meter breite Pufferzone rundherum ein. »Bomben dringen ja meist schräg in den Boden ein und bewegen sich dann zum Beispiel in lockeren Sandböden oft in Form einer Parabel weiter«, erklärt Falk Lemanscheck. So kann ein Blindgänger in der Pufferzone niedergegangen, aber anschließend in das Gebiet geraten sein, in dem nun die Bagger den Boden ausheben sollen. Zehn solcher Anträge bearbeitet Lemanscheck durchschnittlich am Tag, für jeden einzelnen davon werden im Schnitt 70 Bilder angeschaut. Am Ende der Sisyphusarbeit sind dann Verdachtspunkte identifiziert worden, die anschließend vor Ort genauer untersucht werden.

Nur klappt das keineswegs überall gleich gut. Fielen die Bomben dicht über einer Innenstadt ab, verdeckt der Bauschutt die meisten Krater. Trotzdem bleibt die Luftbildauswertung eine der entscheidenden Säulen der Kampfmittelbeseitigung. So wurden vom Team des Regierungsbezirks Arnsberg 2019 insgesamt 163 Bomben jeweils mit einem Gewicht über 50 Kilogramm unschädlich gemacht, 123 davon hatte die Luftbildauswertung vorher als Verdachtspunkt eingestuft. Dazu kamen 34 Zufallsfunde, sechs Blindgänger wurden bei Flächenräumungen entdeckt.

Wie Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich gemacht werden

Für die zweite Etappe, das Unschädlichmachen des explosiven Erbes, sind Menschen wie Henner Sandhäger vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Arnsberg und Mario Ranzinger vom Kundenteam Altlasten-/ Entsorgungsmanagement der Deutschen Bahn in München zuständig. »Oft liefert uns die Luftbildauswertung der Kollegen eine Art Schatzkarte mit den Punkten, an denen wir weitersuchen sollten«, sagt Sandhäger. »Besteht ein Verdacht auf Kampfmittel im Untergrund, schauen wir uns die betroffene Fläche mit geophysikalischen Methoden genauer an«, ergänzt Ranzinger, der mit solchen Verfahren vor seiner Tätigkeit bei der Deutschen Bahn und einer privaten Kampfmittelräumfirma archäologische Funde aus dem Mittelalter, der Römer- und Bronzezeit unter der Erde aufgespürt hat.

Die Methode der Wahl ist häufig eine Messung des Erdmagnetfeldes, da die Bomben zu großen Teilen aus Eisen bestehen und daher das Magnetfeld der Erde deutlich verzerren. Der Räumdienst zieht dafür ein entsprechendes Messgerät über den Boden eines verdächtigen Geländes, um Störungen im Magnetfeld zu finden. »Allerdings funktioniert eine solche Suche nur bis in rund drei Meter Tiefe, darunter wird das Signal zu schwach«, erklärt Sandhäger, der vor seiner Zeit beim Kampfmittelbeseitigungsdienst als Geophysiker beim Alfred-Wegener-Institut, dem Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung tätig war. »Die meisten Blindgänger liegen allerdings in drei bis fünf Meter Tiefe und damit unter der Reichweite dieser Methode«, fährt der Spezialist fort. Einige Bomben liegen sogar acht Meter unter der Erde. Werden solche Blindgänger bei Bauarbeiten von Geräten direkt getroffen oder stark erschüttert, können sie explodieren.

»Wir profitieren von der akribischen Dokumentation der Alliierten, die jede Menge Luftbilder von den Bombardierungen gemacht haben«(Falk Lemanscheck, Teamleiter Kriegsluftbildauswertung im Regierungsbezirk Arnsberg)

Zudem funktioniert die Geomagnetik kaum an Orten, an denen ohnehin große Mengen Eisen liegen. Zum Beispiel erzeugen die Schienen der Bahn ein eigenes Magnetfeld, in dem die Störung durch einen Blindgänger unter dem Gleisbett verschwindet. Die privaten Bergungsfirmen im Auftrag der Deutschen Bahn setzen daher meist ein Georadar ein. »Dabei werden aus einem Schiebewagen elektromagnetische Wellen nach unten abgestrahlt, die von größeren Gegenständen im Untergrund reflektiert werden«, erklärt Mario Ranzinger das Grundprinzip solcher Messungen. Ein Display zeigt die zurückgeworfenen Signale, die später im Büro ausgewertet werden. Ein Blindgänger zeigt sich dann durch ein bestimmtes Muster in der Messung.

Zumindest, solange er nicht tiefer als zwei Meter liegt. Und auch hier hängt das Ergebnis von der Bodenbeschaffenheit ab: Auf den trockenen Sandböden im Nordosten Deutschlands oder in der Lüneburger Heide funktioniert das Georadar gut. Feuchte Böden mit viel Ton, Löss oder in den Küstenregionen mit Salz leiten elektromagnetische Wellen gut. Das verringert jedoch die Tiefenreichweite. Außerdem reflektieren nicht nur Metalle die hochfrequenten Wellen, sondern auch Steine. In steinreichen Böden stößt das Georadar daher rasch an seine Grenze. »Wir haben damit schon Findlinge entdeckt, die von den Gletschern der Eiszeit bis ins heutige Nordrhein-Westfalen geschleppt worden waren«, berichtet Henner Sandhäger. »Um solche Verwechslungen zu vermeiden, braucht man viel Erfahrung«, ergänzt Mario Ranzinger von der Deutschen Bahn.

Fehlalarme unerwünscht

Die Beteiligten haben triftige Gründe, Fehlalarme möglichst zu vermeiden. Schließlich kostet es leicht sechsstellige Summen, wenn viele 1000 Menschen aus ihren Wohnungen, Seniorenresidenzen, Krankenhäusern oder Industriebetrieben evakuiert werden müssen. Ebenso wenn ICE-Strecken und Güterverkehrsmagistralen stundenlang gesperrt sind, damit ein Bagger und Fachleute samt Handspaten zu einer vermeintlich hochempfindlichen Bombe vordringen können, die sich dann als Findling oder als alter Hydrant entpuppt.

»Ein Räumdienst bohrt daher 6,5 Meter um einen Verdachtspunkt herum mit Flachschnecken in regelmäßigen Abständen 37 tiefe Löcher mit einem Durchmesser von zwölf Zentimetern in die Erde«, erklärt Sandhäger das Verfahren. In die meist rund sieben Meter tiefen Bohrungen wird ein Kunststoffrohr eingesetzt. Darin wird eine stabartige Sonde eingeführt, die im Abstand von einem halben Meter zwei Geomagnetiksensoren trägt. Dieses Gerät misst die Differenz zwischen den von beiden Sensoren empfangenen Signalen, kann so den Fundort also relativ zuverlässig angeben und auch den Bereich absuchen, der mehr als drei Meter unter der Oberfläche liegt.

Blick ins Innere eines Zünders | Es handelt sich um einen englischen Langzeitzünder. Beim Aufschlag zerbricht eine Ampulle und darin enthaltenes Aceton tropft auf eine Scheibe, die sich allmählich auflöst. Ist die Scheibe durchbrochen, zündet die Bombe.

Dennoch ist sehr viel Erfahrung nötig, um die Daten korrekt auszuwerten. »Manche Signale sehen deshalb komisch aus, weil an der Bombe noch das Leitwerk hängt, das die Reflexion der Wellen stark verändert«, erklärt Sandhäger. Obendrein weiß man oft nicht, ob eine Bombe – wie es häufig der Fall ist – mit der Spitze nach oben oder vielleicht in einer ganz anderen Position im Untergrund liegt. Diese Information ist wichtig, damit die Bergungsgrabung an der richtigen Stelle ansetzen und die Bombe exakt erfassen kann. Falls es nicht klappt, muss die teure Aktion abgebrochen und wiederholt werden.

Vor allem private Firmen, die alte Kampfmittel räumen, entwickeln derzeit neue Methoden. Sie versuchen etwa, mit Neutronenstrahlen ähnlich wie bei den Detektoren an der Flughafenkontrolle den Sprengstoff in der Bombe zu messen. Das Trinitrotoluol oder kurz TNT enthält sehr viel Stickstoff, der sich mit der Neutronenmethode gut aufspüren lässt. Zusätzlich werden radartomografische Verfahren angewendet, die ähnlich einer medizinischen Computertomografie den Boden nach Blindgängern durchleuchten.

Zünder, die zeitlich verzögert reagieren

Erhärtet sich der Verdacht, muss der Fund frei gelegt und identifiziert werden. Während ein Bagger in die Tiefe gräbt, zeigen regelmäßige Messungen an, wie nahe die potenzielle Bombe zur Schaufel liegt. Für das letzte Stück kommen dann Handschaufeln zum Einsatz, bis der Fund frei liegt.

»Der Sprengstoff TNT brennt normalerweise einfach ab«, erklärt Karl-Friedrich Schröder. »Nur wenn ein Mechanismus einen Initialsprengstoff zündet, explodiert die Bombe.« Oft handelt es sich um einen Zünder, der beim Aufschlagen mit einer Verzögerung von 0,02 Sekunden ein Zündhütchen explodieren lässt, das dann die Detonation der gesamten Bombe auslöst. Ein weiterer Zündertyp geht erst acht Sekunden nach dem Aufschlag los. So sollten Tiefflieger genügend Zeit bekommen, aus dem Bereich der Explosion zu entkommen.

»Englische Bomben hatten oft Zünder von der Größe eines Kugelschreibers, die mit einer Spezialzange herausgezogen werden können«(Karl-Friedrich Schröder, Teamleiter Kampfmittelbeseitigungsdienst im Regierungsbezirk Arnsberg)

Solche Bomben sollten allerdings nur im Ziel explodieren, aber nicht beim Transport der Bomben oder bei einer Havarie des Flugzeugs. »Daher wurden diese Kampfmittel zum Beispiel mit einer Mutter gesichert, die den Schlagbolzen festhält«, erklärt Kampfmittelexperte Schröder. Vor dem Abwurf wurde eine Sicherung entfernt: Während die Bombe Richtung Boden fiel, drehte ein Windrädchen im Leitwerk die Mutter ab und schärfte so den Mechanismus. Allerdings konnte das System versagen. Die Bombe zündete nicht, sondern ging als Blindgänger nieder. Oder die scharfe Bombe kam so schräg auf, dass die Zündung versagte. Explosiv ist das Geschoss aber nach mehr als sieben Jahrzehnten immer noch.

Im einfachsten Fall können Fachleute wie Schröder die Zünder beim Entschärfen vorsichtig aus der Bombe herausdrehen. »Englische Bomben hatten oft Zünder von der Größe eines Kugelschreibers, die mit einer Spezialzange herausgezogen werden können.« Einmal entfernt, wird der Zünder samt Sprengkapsel in sicherer Entfernung mit Torf abgedeckt und gefahrlos gesprengt. Die Bombe selbst wird ins Lager gebracht und in einer Spezialanlage verbrannt.

Wenn die Bombe erst Stunden später explodieren sollte

Besonders heimtückisch sind Langzeitzünder. Sie sollten die Explosion erst mit einer Verzögerung zwischen einer halben und 144 Stunden auslösen. Damit wollten die Alliierten die Aufräumarbeiten stören und den Wiederaufbau der angegriffenen Industrieanlagen oder Bahnhöfe erschweren. In einem Langzeitzünder hält eine Scheibe aus Zelluloid einen Schlagbolzen fest. Beim Aufschlag zerbricht eine Ampulle und lässt darin enthaltenes Aceton auf die Scheibe tropfen, die sich dadurch langsam zersetzt. Je dicker die Zelluloidscheibe, umso länger dauert ihre Auflösung und umso später wird die Explosion ausgelöst. Landete eine solche Bombe im weichen Boden, drehte sie sich häufig, bis die Spitze nach oben ragte. Dann tropfte das Aceton nicht mehr auf die Zelluloidscheibe – die Bombe explodierte nicht, sondern blieb im Boden liegen.

Solche Blindgänger sind unberechenbar, weil sie zur Selbstauslösung neigen. Obendrein ist der Zünder mit einer Ausbausperre versehen – beim Versuch, ihn herauszuschrauben, löst er sofort aus. Schröder und sein Team kennen auch für diesen Fall eine Methode: »Mit einem ferngesteuerten Schneidegerät, das mit einem Druck von 700 Bar einen mit Sand gemischten Wasserstrahl aussendet, gehen wir zwischen das Außengewinde des Zünders und das Innengewinde der Zünderbuchse. Danach können wir den Zünder ohne Drehung herausziehen.«

Oft ist in der Baugrube allerdings nicht genug Platz für das Schneidegerät. Dann kommt eine Raketenklemme zum Einsatz, die am Zünder festgeschraubt wird. Sie dreht sich extrem schnell um die eigene Achse und holt so den Zünder blitzartig aus der Bombe. »Der Zünder kann dabei zwar ausgelöst werden, der Schlagbolzen trifft aber seitlich auf und verfehlt so das Zündhütchen«, sagt Schröder. Bisweilen ist kein Gerät hilfreich, weil der Zünder stark verformt ist. Dann geht Schröder zur Handarbeit über: Rings um das entscheidende Teil bohrt er vorsichtig Löcher, bis er es gefahrlos herausnehmen kann.

Wenn keine dieser Methoden in Frage kommt, dann schraubt Karl-Friedrich Schröder die dem Langzeitzünder gegenüberliegende Seite der Bombe auf. Er füllt etwa 150 Gramm Sprengstoff hinein und befestigt rund drei Kilogramm Sprengstoff am Kampfmittel selbst. Behutsam schüttet anschließend ein Bagger Sand auf die Bombe. Dabei messen die Experten laufend den elektrischen Widerstand ihrer Zündkabel, um sicherzugehen, dass sie unbeschädigt bleiben. Sonst müsste der Blindgänger unter extrem hohem Risiko erneut frei gelegt werden. Klappt alles, werden beide Sprengstoffpackungen gleichzeitig gezündet. »Detoniert die Bombe, bin ich sehr erleichtert«, beschreibt Schröder seine Gefühle. Wieder ist ein gefährlicher Blindgänger unschädlich gemacht. Lange dauert es allerdings bis zum nächsten Einsatz nicht. Schließlich liegen noch genug Bomben im Untergrund, mit deren Entschärfung die Kampfmittelbeseitiger einige weitere Jahrzehnte beschäftigt sein werden.

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