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Onkologie: Krebs, was ist das eigentlich?

Fast jeder Zweite erkrankt an Krebs. Was genau dabei in unserem Körper passiert, wissen die wenigsten. Unsere Kolumnistin erklärt es für jeden verständlich.
Im Fall von Krebs wissen Zellen im Körper nicht mehr genau, wo ihr Platz ist, und wachsen, wo sie nicht hingehören. (Symbolbild)
Bei Krebs wissen Zellen im Körper nicht mehr genau, wo ihr Platz ist. Sie wachsen, wo sie nicht hingehören. (Symbolbild)

Um Krebs zu verstehen, hilft es zu wissen, wie der gesunde Körper funktioniert. Dazu strecken Sie jetzt bitte einmal eine Hand vor sich aus, spreizen die Finger und achten auf die Zwischenräume. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die Finger eigentlich nicht zusammenwachsen?

Weil die kleinen Bausteine des Körpers, die Zellen, genau wissen, wo sie hingehören. Es steht in ihrem Bauplan, dem Erbgut, auch DNA genannt. Insgesamt gibt es mehr als 100 verschiedene Arten von Zellen im menschlichen Körper. Sie kommen an unterschiedlichen Stellen vor und haben verschiedene Aufgaben, bilden etwa Organe, Muskeln, Knochen und andere Gewebe.

Nun gehen solche Zellen kaputt oder werden alt und sterben. Gleichzeitig entstehen ständig neue. Letztlich bleiben etwa gleich viele Zellen übrig. Auch das ist verständlich: Würden zu viele Zellen nachkommen, würden Teile des Menschen unendlich wachsen; wären es zu wenig, würden sie schrumpfen. Tatsächlich bleiben Körper aber immer ungefähr gleich. So kommt es, dass Bekannte einen noch nach Jahren auf der Straße erkennen, obwohl man bis dahin aus völlig neuen Zellen besteht.

Hat jemand Krebs, ist dieses Gleichgewicht jedoch gestört. Die Zellen wissen nicht mehr, wo ihr Platz ist, und wachsen, wo sie nicht hingehören.

Krebs ist nicht eine Erkrankung, sondern viele

Fängt ein Gewebe über die normalen Grenzen hinweg an zu wuchern, spricht man in der Medizin von Tumoren. Diese können gut- oder bösartig sein. Sind sie bösartig, hat ein Mensch Krebs. Die Tumoren wachsen in fremde Gewebe hinein, stören deren Funktion und breiten sich immer weiter im Körper aus, auch an entfernten Stellen.

Je nachdem, welche Zellen im Körper sich unkontrolliert vermehren, entstehen unterschiedliche Arten von Krebs mit verschiedenen Eigenschaften. Da es mehr als 100 Arten von Zellen im Körper gibt und fast alle Zellen zu Krebszellen werden können, gibt es mehr als 100 Arten von Krebs. Am häufigsten sind Krebsarten, die von Deck- und Drüsengewebe ausgehen, dem Epithel. Medizinerinnen und Mediziner sprechen in diesen Fällen von Karzinomen. Entstehen die Wucherungen zum Beispiel aus Blut(stamm)zellen, handelt es sich um Leukämien oder Lymphome, Tumoren aus Binde- und Stützgewebe wiederum sind Sarkome.

Krebs ist kein Eindringling, sondern ein Fehler im System

Wie es kommt, dass Körperzellen keine Grenzen zu benachbarten Geweben mehr respektieren und zu wuchern beginnen?

Das passiert, wenn Fehler in ihren Bauplan, das sogenannte Erbgut (DNA), geraten. Damit Zellen ihre Aufgaben erledigen können, stellen sie sich Arbeiter her, die Abläufe wie Zellwachstum, Zellvermehrung, Zelltod oder die Kommunikation mit anderen Zellen im Körper regeln. Diese Arbeiter heißen Proteine, ihre Bauanleitung ist das Erbgut. Es befindet sich gut geschützt im Inneren von Zellen in einer Art Tresor: dem Zellkern. Kopien des Bauplans, sogenannte mRNAs, verlassen den Kern, werden im Zellinneren in Proteinstücken übersetzt und zu Proteinen zusammengebaut.

Geraten Fehler in das Erbgut, werden die Proteine falsch zusammengebaut und führen ihre Aufgaben nicht mehr richtig aus. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass Zellen sich unkontrolliert vermehren. Krebs ist also kein Eindringling: weder Bakterium, noch Virus oder Parasit. Krebs entsteht aus dem eigenen Körper.

»Die Entstehung von Krebs bleibt immer Pech«
Marisa Kurz, Ärztin

Innere und äußere Faktoren führen zur Krebsentstehung

Fehler im Erbgut entstehen durch innere und äußere Faktoren. Innere Faktoren sind angeboren und zufällig. Dazu gehört zum Beispiel, wie gut Zellen Fehler in ihren Bauplänen selbst bemerken und reparieren können. Das lässt sich nicht beeinflussen. Zu den äußeren Faktoren zählen bestimmte Schadstoffe, wie sie im Zigarettenrauch vorkommen, oder UV-Strahlung. Ebenso bestimmte Verhaltensweisen wie mangelnde Bewegung oder eine unausgewogene Ernährung. Zum Teil ist es möglich, diese Faktoren zu vermeiden und damit das eigene Krebsrisiko zu senken. Doch weil nicht-beeinflussbare und beeinflussbare Faktoren zusammenwirken, bleibt die Entstehung von Krebs immer Pech.

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