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Kompaktlexikon der Biologie: Intersexualität

Intersexualität, 1) Biologie: das Vorkommen von männlichen und weiblichen bzw. von intermediären Merkmalen bei ein und demselben Individuum, dem so genannten Intersex, bei normalerweise getrenntgeschlechtigen Arten. I. führt meist zur Unfruchtbarkeit (Sterilität) und kann unterschiedliche Ursachen haben: a) von der Norm abweichende Chromosomenzahlen, z.B. Individuen von Drosophila mit drei Autosomen-Sätzen und zwei X-Chromosomen (bei Drosophila entscheidet das Verhältnis von X-Chromosomen zu Autosomen über das Geschlecht). b) Kreuzung verschiedener Rassen, von denen die eine stärker, die andere schwächer wirksame Geschlechtsrealisatoren besitzt; z.B. haben bei der Bastardierung von europäischen und japanischen Schwammspinnern an sich weiblich determinierte Tiere innerhalb derselben Ovariolen Eizellen und Spermien. c) Störung der Geschlechtsdifferenzierung; dies kann z.B. bei Säugetieren durch die hormonelle Wirkung eines männlichen Embryos auf sein genetisch weiblich determiniertes Zwillingsgeschwister geschehen, sofern Blutaustausch über eine gemeinsame Placenta möglich ist; auf diesem Weg entstehen z.B. bei Rindern sterile so genannte Zwicken.

2) In der Humanmedizin ist I. das Vorhandensein von Merkmalen beider Geschlechter bei einem Menschen, d.h. Geschlechtsorgane und sekundäre Geschlechtsmerkmale sind nicht eindeutig weiblich oder männlich, sondern stehen zwischen den Geschlechtern; er wird dann als Intersex, Zwitter oder Hermaphrodit bezeichnet. Ursache können überzählige oder fehlende Geschlechtschromosomen sein (z.B. Klinefelter-Syndrom, Turner-Syndrom, Triplo-X-Syndrom), oft sind aber Mutationen in einzelnen Genen verantwortlich. Immer ist damit eine Hormonstörung verbunden. Es gibt auch das Phänomen, dass Menschen äußerlich einem Geschlecht angehören, das nicht ihr genetisches ist (Pseudohermaphroditismus). Hermaphroditismus

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Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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