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Lexikon der Chemie: Chemiefasern

Chemiefasern, aus natürlichen oder synthetischen Polymeren oder anorganischen Stoffen industriell hergestellte textile Faserstoffe. Als erste Fasern für textile Zwecke wurden um 1900 verschiedene cellulosische Chemiefasern hergestellt. Um 1930 wurden dann textil verwendbare Polyvinylchloridfasern erzeugt und in den folgenden 25 Jahren weitere Synthesefasern aus Polyamid, Polyester, Polyacrylnitril, Polyolefinen und anderen Polymeren entwickelt.

Die jetzigen Arbeiten auf dem Gebiet der Synthesefasern befassen sich vor allem mit der Modifizierung der bekannten Fasern für die verschiedenen Anwendungsgebiete und mit der Entwicklung von sog. High-Tech-Fasern.

1997 betrug die C.-Produktion etwa 29 Mio. t, wobei der Hauptanteil von über 27 Mio. t auf die Synthesefasern entfiel. Zum Vergleich: Die Erzeugung von Naturfasern lag im selben Zeitraum bei etwa 26 Mio. t. Während in Europa die C.-Produktion nahezu gleich bleibt, steigt die Produktion in Ostasien und anderen Regionen. Eine Übersicht über die wichtigsten C. zeigt die Tab. 1. (Näheres zu diesen Fasern ist unter den entsprechenden Stichwörtern zu finden.) Tab. 2 gibt einige Eigenschaften von Chemiefasern und zum Vergleich von Naturfasern wieder.

Chemiefasern. Tab. 1: Übersicht über die wichtigsten Chemiefasern (nach DIN 60 001, Teil 3).

Chemiefasern aus natürlichen Polymeren
Cellulosische Chemiefasern

Viskosefasern
Modalfasern
Cuprofasern
Acetatfasern
Triacetatfasern

Alginatfasern
Gummifasern
Chemiefasern aus synthetischen Polymeren
(Synthesefasern)
Elastofasern

Elastanfasern
Elastodienfasern

Fluorofasern
Polyacrylfasern

Polyacrylfasern
Modacrylfasern

Polyamidfasern

Nylonfasern
Aramidfasern

Polychloridfasern

Polyvinylchloridfasern
Polyvinylidenchloridfasern

Polyesterfasern
Polyolefinfasern

Polyethylenfasern
Polypropylenfasern

Polyvinylalkoholfasern
Chemiefasern aus anorganischen Stoffen
Glasfaserstoffe
Kohlenstoff-Fasern
Metallfasern

Chemiefasern. Tab. 2: Eigenschaften von einigen Chemiefasern.

Fasera
CO WO CV PA 6 PA 6.6 PES PAN
Höchstzugkraft in cN/tex 35 15 30 70 70 70 25
Höchstdehnung in % 8 30 20 25 25 20 25
Naßreißkraftverhältnis in % 110 85 65 90 90 100 90
Elastizitätsmodul in GPa 3 2 3 3 3 5 1,5
Temperaturverhalten in °C
Glasübergangstemperatur 40 45 70 60
Erweichung 180 220 235 190
Schmelztemperatur 215 260 255 250
Bügeltemperatur 180 140 150 150 200 170 150
Feuchteaufnahme im Normklima in % 8 15 12 4 4 0,3 1
Beständigkeitb gegen
anorg. Säuren – - – – - – – - – – - – ++ ++
Alkalien + – - ++ ++ + +
org. Lösungsmittel +++ +++ +++ ++ ++ + +++
Oxidantien + +/- + + ++
Bewetterung +/- – - – - + + ++ +++
biolog. Angriffe – - – - – - ++ ++ ++ +++
Licht – - – - – - +++ +++

a CO: Baumwolle,

WO: Wolle,

CV: Viskosefasern,

PA: Nylonfasern,

PES: Polyesterfasern,

PAN: Polyacrylnitrilfasern.

b Die Beständigkeit wird in 6 Abstufungen von – - – (nicht beständig) bis +++ (höchste Beständigkeit) angegeben.

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