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Lexikon der Kartographie und Geomatik: Geographie

Geographie, E geography, eine Raumwissenschaft, die sich mit der Erforschung bzw. Erklärung und Beschreibung der dreidimensionalen Struktur und Entwicklung der Landschaftshülle der Erde befasst. Im Vordergrund stehen Strukturen, Prozesse und Systeme im wechselseitigen Beziehungsgefüge Mensch-Umwelt. In diesem Sinne ist die integrative Betrachtungsweise der Landschaft unter physischen, biotischen und anthropogenen Aspekten unerlässlich.
Die Anfänge der wissenschaftlichen Geographie reichen bis in die Antike zurück. Das Wort "Geographie" taucht zuerst in einer pseudoaristotelischen Schrift auf. Ursprünglich bezeichnet es die kartographische Erd- und Länderdarstellung, die lange das Hauptziel blieb. Strabo (64 v. – 21 n. Chr.) hinterließ eine 17 Bücher umfassende "Geographica", in der er den Einfluss der Landesnatur auf die Bewohner beschreibt. Als Begründer der Allgemeinen Geographie gilt B. Varenius (1622-1650/51) mit seiner "Geographia generalis". Entscheidende Fortschritte in der Geographie gehen auf A. v. Humboldt (1769-1859) und K. Ritter (1779-1859) zurück.
Obwohl zu Struktur und Aufgaben der modernen Geographie unterschiedliche Auffassungen bestehen, wird i. a. von einer Gliederung in zwei Teildisziplinen, Physische Geographie und Anthropogeographie (Humangeographie, mit dem wichtigen Teilbereich der Wirtschafts- und Sozialgeographie) ausgegangen, die sich im Verlauf der ersten Hälfte des 20. Jhs. zu nahezu selbständigen Wissenschaften entwickelt haben. Diese werden jeweils in weitere Zweige bzw. Systemelemente unterteilt. Gleichzeitig ist die Unterscheidung von Allgemeiner Geographie und Regionaler Geographie von Bedeutung, wobei letztere ganzheitlich oder rein physiogeographisch oder anthropogeographisch aufgefasst und betrieben werden kann.
Die Physische Geographie befasst sich mit naturgesetzlich determinierten Strukturen und Prozessen der Geosphäre und deren Systemzusammenhängen. Im Laufe des 20. Jhs. bildete sich eine deutliche Spezialisierung in einzelne Zweige heraus, die enge Beziehungen zu den benachbarten Geowissenschaften (Bodenkunde bzw. Pedologie, Geobotanik, Geochemie, Geologie, Hydrographie, Meteorologie, Mineralogie, Ozeanologie) kennzeichnet. Somit gliedert man verschiedentlich die Physische Geographie auch in Geomorphologie, Bodengeographie, Hydrogeographie, Klimatologie, Biogeographie, Ozeanographie und Geoökologie bzw. Landschaftsökologie.
Methodisch werden verstärkt Fernerkundungssysteme (Fernerkundung) und Geoinformationssysteme eingesetzt. Für Dokumentation und Erkenntnisgewinnung spielt die kartographische Abbildung bzw. die Nutzung, vielfach auch die Herstellung von Karten und anderen kartographischen Darstellungsformen eine herausragende Rolle (vgl. thematische Karte, thematische Landesaufnahme, geowissenschaftliche Karten).
Die Herstellung und Nutzung von Karten als Forschungsmittel wird verschiedentlich als geographische Kartographie bezeichnet und bezieht sich auf Physische Geographie und Anthropogeographie gleichermaßen. digitale Kartographie und Geoinformatik haben diesen Arbeitsbereich in jüngster Zeit nachhaltig geprägt und verändert.
Die Anthropogeographie befasst sich mit der Raumwirksamkeit des Menschen und mit der von ihm gestalteten Kulturlandschaft. Hauptzweige der Anthropogeographie sind die Wirtschaftsgeographie und die Sozialgeographie. Die weitere Untergliederung führt zu Bevölkerungsgeographie, Siedlungsgeographie, Agrargeographie, Industriegeographie, Verkehrsgeographie u.a.; zugeordnet sind die Politische Geographie und die Historische Geographie. Wenn auch in diesem Rahmen keine flächendeckenden thematischen Landesaufnahmen infrage kommen, so sind kartographische Darstellungen in Verbindung mit Geoinformationssystemen hier in gleicher Weise von Bedeutung (vgl. Bevölkerungskarten, Wirtschaftskarten, usw.).
Die Regionale Geographie untersucht Teile der Erde als funktionale Einheiten unter länder- bzw. landeskundlichem Aspekt. Sie ist mehr als die klassische Länderkunde, weil ihr eine problembezogene und systemanalytische Betrachtung der Erdräume zu Grunde liegt. Dementsprechende Anforderungen werden in diesem Zusammenhang an kartographische Darstellungen gestellt (vgl. Regionalkarte, Regionalatlas, Nationalatlas, Atlas, Weltkartenwerke).
Andere Entwicklungen bzw. Auffassungen in der Theorie der Anthropogeographie gehen von drei großen Paradigmen aus, dem länderkundlichen Ansatz, der mit Inhalt und Zielstellung der oben behandelten Regionalen Geographie vergleichbar ist, dem raumwissenschaftlichen Ansatz und dem sozialgeographisch-handlungszentrierten Ansatz, wobei hier kartographischen Medien und Geoinformationssystemen eine nicht minder große Rolle zufällt (vgl. Planungskartographie).
Traditionell große Bedeutung kommt der Schulgeographie zu bei der Anwendung bzw. Vermittlung der Geographie im didaktisch-schulischen Bereich (auch als Erdkunde bezeichnet). Ihr fällt die Aufgabe zu, die Erkenntnisse der Allgemeinen Geographie und der Regionalen Geographie im Schulunterricht pädagogisch aufbereitet umzusetzen. Unverzichtbare Kommunikationsmittel sind hier die kartographischen Lehr- und Lernmittel (vgl. Schulkartographie), die heute vom Schulatlas bis zu den auf den Geographieunterricht ausgerichteten Geoinformationssystemen reichen.

WKH

Literatur: [1] Lexikon der Geowissenschaften (2001/2002), 6 Bde., Heidelberg. [2] Lexikon der Geographie, 3 Bde., Heidelberg 2001/2002. [3] LESER, H. (Hrsg.) (1997): Wörterbuch Allgemeine Geographie, Braunschweig. [4] LESER, H. (1980): Geographie (Das geographische Seminar), Braunschweig. [5] LEHMANN, E. (1985): Zur Wechselbeziehung zwischen Geographie und Kartographie. In: Fortschritte in der geographischen Kartographie, Gotha. [6] OBST, E. & SCHMITHÜSEN, J. (Hrsg.) (1965 ff.): Lehrbuch der Allgemeinen Geographie. Berlin, New York. [7] RITTER (1998): Allgemeine Wirtschaftsgeographie, München. [8] EHLERS, E. & WERTH, M. (Hrsg.) (1990): Länderkunde als wissenschaftliche Aufgabe. Saarbrücken, Fort Landerdale.

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KGR

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Dipl.-Met. Horst Hecht, Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, Hamburg

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Prof. Dr.-Ing. Bernhard Heck, Universität Karlsruhe, Geodätisches Institut

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JSR

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