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Lexikon der Mathematik: Zhu Shijie

chinesischer Mathematiker, geb. Ende 13. Jh. Yanshan (nördliche Provinz Hebei), China, gest. Anfang 14. Jh..

Zhu Shijie (Ehrenname Hanqing, Schriftstellername Songting) ist weder in den offiziellen Annalen der Yuan-Dynastie erwähnt, noch in der unter Leitung von Ruan Yuan (1764–1849) 1799 verfaßten Sammlung der Biographien von Mathematikern und Astronomen (Chou ren zhuan). Lange Zeit waren seine Werke, die Einführung in das Studium der Mathematik (Suan xue qi meng 1299) und der Jadespiegel der vier Unbekannten (Si yuan yu jian 1303) verschollen, und erst nach ihrer Wiederentdeckung in der späten Qing-Dynastie wurden aus deren Vorwörtern die wenigen biographischen Anhaltspunkte in die Fortsetzungen der Biographien von Mathematikern und Astronomen (Chou ren zhuan xu) von Luo Shilin (1790–1853) aufgenommen.

Demnach stammte Zhu Shijie aus Yanshan nahe der Hauptstadt Peking und reiste über 20 Jahre lang durchs Land. Dabei hat er offensichtlich die mathematische Tradition der südlichen Song-Dynastie und insbesondere Yang Huis Werke kennengelernt, deren Elemente er in seinen Werken verarbeitete und weiterentwickelte. Das frühere Werk Zhu Shijies, die Einführung in das Studium der Mathematik, ist heute in China nur in Form von Neuauflagen des koreanischen Druckes von 1660 erhalten. Es spielte in der Verbreitung der algebraischen tian yuan–Methode nach Ostasien eine wichtige Rolle. Jedoch erregte die Wiederentdeckung des Werkes um 1809 weniger Aufsehen als der zwei Jahrzehnte zuvor wiedergefundene Jadespiegel.

Die Vielzahl der verfaßten Kommentare standen im Kontext einer Wiederbelebung klassischer chinesischer Mathematik als Gegenreaktion zum Import westlicher algebraischer Methoden. Luo Shilin beschreibt im Vorwort seiner kommentierten Edition des Jadespiegels, den 1836 erschienen Detaillierten skizzierten Rechenwegen des Jadespiegels der vier Unbekannten (Si yuan yu jian xi cao) die Geschichte der Wiederentdeckung dieses Textes. Als er Zhu Shijies Klassiker las, bedauerte er seinen früheren Glauben an die Wiederbelebung antiker mathematischer Klassiker durch deren Interpretation mit westlichen Methoden.

Zwölf Jahre lang studierte er die im Jadespiegel verwendete si yuan-Methode zur Lösung von Poly-nomialgleichungen mit vier Unbekannten. Seine kommentierte Edition beschreibt detailliert die Lösungen aller Aufgaben mit Rechenstäbchen und Tableaus.

[1] Bréard, A.: Re-Kreation eines mathematischen Konzeptes im chinesischen Diskurs. Steiner-Verlag Stuttgart, 1999.

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  • Die Autoren
- Prof. Dr. Guido Walz

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