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Geburtsmedizin: Wassergeburten sind nicht weniger sicher

Laut einer Analyse von 160 000 Geburten hat im warmen Wasser zu gebären sogar Vorteile gegenüber normalen Geburten. Voraussetzung ist, dass die Schwangerschaft problemlos verlief.
Eine Frau sitzt im Wasser und hält, unterstützt vom Vater, ihr Neugeborenes.
Bei einer Wassergeburt sitzt die werdende Mutter im warmen Wasser. Das Bild zeigt so eine Geburt zu Hause, die Studie bezieht sich jedoch nur auf Krankenhausgeburten.

Eine Wassergeburt – also eine Entbindung in einer mit warmen Wasser gefüllten Wanne – ist sowohl für die Mutter als auch für das Kind vorteilhaft. Zu diesem Ergebnis kommen Hebammenwissenschaftlerinnen um Ethel Burns von der Oxford Brookes University anhand einer Analyse der aktuellen Studienlage. Für die im Fachjournal »BMJ Open« erschienene Übersichtsarbeit wertete das Team 36 Studien aus, die seit dem Jahr 2000 erschienen waren. Diese erfassten insgesamt fast 160 000 Geburten. Demnach sind Sorgen vor erhöhten Gesundheitsrisiken bei beiden praktizierten Formen der Wassergeburt unberechtigt. Verlaufe die Schwangerschaft komplikationsfrei, könne man sich bedenkenlos für eine Wassergeburt entscheiden, so das Ergebnis der Arbeitsgruppe.

Es gibt zwei Varianten der Wassergeburt; bei beiden liegt die werdende Mutter erst einmal im warmen Wasser. Sie kann aber entweder diesen Geburtspool kurz vor der Entbindung verlassen, oder das Neugeborene kommt im Wasser zur Welt. Das ist ungefährlich – dessen Tauchreflex sorgt dafür, dass es erst atmet, wenn das Gesicht an der Luft ist. Entschieden sich Frauen für eine dieser beiden Varianten, waren sie laut der Untersuchung mit der Entbindung insgesamt zufriedener als Mütter, die für die Geburt nicht in die Wanne gestiegen waren.

Damit decken sich auch handfeste medizinische Befunde. Wie die Forscherinnen feststellten, blieb dabei der Damm, also die Region zwischen Vulva und After, häufiger intakt. Es waren auch weniger Dammschnitte nötig – ein Eingriff, der solchen Verletzungen vorbeugen soll. Nach der Geburt verloren frischgebackene Mütter weniger Blut. Sie berichteten zudem von einer weniger schmerzhaften Geburt und es wurden weniger Medikamente eingesetzt als bei einer Geburt »an Land«. Das galt sowohl für Schmerzmittel als auch für das geburtseinleitende Oxytozin. Neben der entspannenden und schmerzlindernden Wirkung des warmen Wassers trügen auch die veränderten Abläufe im Wasser dazu bei, so die Hebammenwissenschaftlerinnen.

Das Infektionsrisiko für Mutter und Kind war im Vergleich zur vollständigen Geburt im Bett des Kreißsaals unverändert. Es gab auch keinen Unterschied beim so genannten Apgar-Index, dem ersten Gesundheitscheck für das Baby. Neugeborene mussten nach der Geburt in der Wanne nicht häufiger wiederbelebt werden und litten nicht öfter an Atemnot. Allerdings riss die Nabelschnur öfter. Weil es zwischen den einzelnen Studien dabei zu deutlichen Unterschieden kam, vermuten die Forscherinnen, dass eine Verletzung der Mutter-Kind-Verbindung erheblich vom Vorgehen des medizinischen Personals abhängt. Manche Geburtshelferinnen -und helfer zögen das Baby daran etwa aus dem Wasser. Das Team um Ethel Burns schätzt den Befund allerdings als nicht besonders schwerwiegend ein. »Nabelschnurrisse wurde ohne Probleme von der Hebamme gemanagt, ohne Konsequenzen für das Neugeborene«, schreiben die Forscherinnen.

Zwar lässt die Studie nur Aussagen zu Geburten im Krankenhaus zu, das betrifft aber zum Beispiel in Deutschland 98 von 100 Kindern. »Die Studie bietet den bisher größten Einblick in die Nutzung von einem Geburtspool in der Umgebung, wo die meisten Frauen ihre Babys bekommen«, sagt Studienleiterin Burns über ihre Arbeit. Wassergeburten seien demnach eine einfache Maßnahme, die die Gesundheitsrisiken während der Geburt senkt und danach zufriedener macht, allerdings nur wenn keine Komplikationen zu erwarten sind. Bisher entscheiden sich in deutschen Kreißsälen dennoch sehr wenige Frauen für die Gebärwanne. Im Jahr 2017 waren es weniger als zwei Prozent.

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