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Amphibiensterben

Pilzinfektion rafft Amphibien in Rekordtempo dahin

Der Pilz Batrachochytrium dendrobatidis, der weltweit für den Rückgang und sogar das Aussterben zahlreicher Amphibienarten verantwortlich gemacht wird, breitet sich mit rasender Geschwindigkeit aus. Dies konnten Forscher in Panama beobachten, als der Erreger sich ein zuvor pilzfreies Gebiet eroberte. Innerhalb von vier Monaten tötete er mehr als die Hälfte der dort lebenden Frösche und Salamander.

<i>Hyla palmeri</i>
Hyla palmeri | Auch Hyla palmeri, eine Laubfroschart in Panama, ist von dem Pilzbefall bedroht.
Karen Lips von der Southern Illinois University in Carbondale und ihre Kollegen erkannten anhand bisher gemeldeter Infektionen, dass der Pilz in Panama von Westen gen Zentrum vordringt. Sie erfassten die Amphibienfauna in einem benachbarten, noch nicht betroffenen Gebiet und verfolgten dann die Entwicklung. Am 23. September 2004 entdeckten sie den ersten mit B. dendrobatidis infizierten Frosch. Bis Mitte Januar 2005 starben Individuen aus 38 Arten. Bis auf drei Ausnahmen trugen alle toten Tiere den Pilz im Körper.

Im Labor konnten manche Amphibien den Pilz bis zu 220 Tage in sich tragen, bevor sie erkrankten. Das beobachtete Massensterben in der panamaischen Region El Cope fand während der Regenzeit statt – einer Phase, in der sich viele Froscharten in Gewässern versammeln, um sich fortzupflanzen. Der auf Wasser angewiesene Pilz kann sich unter solchen Bedingungen optimal ausbreiten.

Ausbreitungsweg
Ausbreitungsweg | Die Karte stellt dar, wann und wo in Mittelamerika Amphibiensterben auftraten und so die Ausbreitung des Pilzes nach Südosten nachzeichnen.
Batrachochytrium dendrobatidis gilt als mitverantwortlich für den Rückgang von vierzig Amphibienarten in Mittelamerika und 93 Spezies weltweit. In Costa Rica dürfte er eine Hauptrolle beim Aussterben der Goldkröte (Bufo periglenes) und vieler Harlekinfrösche (Atelopus ssp.) gespielt haben. Als weitere Ursachen für den weltweiten Rückgang der Amphibien diskutieren Forscher Lebensraumzerstörung, Klimaphänomene, Umweltverschmutzung, UV-Strahlung oder weitere Krankheiten. Allerdings schwinden Arten- und Individuenzahlen auch in naturnahen, unbelasteten Lebensräumen.
08.02.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 08.02.2006

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