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Storks Spezialfutter: Heizlüfter sind auch keine Lösung

Im Winter zu heizen, könnte teuer werden. Viele haben sich deshalb einen elektrischen Heizlüfter besorgt. Das ist aber der falsche Weg aus der Energiekrise, findet unser Kolumnist Ralf Stork.
Füße mit bunten Socken vor zwei Heizlüftern.
Die Füße zum Wärmen an den Heizlüfter halten – angenehm, aber teuer. Heizlüfter sind wahre Stromfresser.

Die Heizlüfter werden knapp. Und das in einem Sommer, der fortwährend die 30-Grad-Marke knackt. Eigentlich sollten die Ventilatoren ausverkauft sein. Der Grund dafür, dass Heizlüfter gerade starken Absatz finden, ist der Krieg in der Ukraine. Russland setzt sein billiges Gas als politisches Druckmittel ein, indem es die Lieferungen drosselt. In der Folge ist Erdgas fast unbezahlbar geworden: Im ersten Halbjahr 2021 kostete die Kilowattstunde im Durchschnitt 6,4 Cent. Zum Kriegsbeginn im Februar 2022 lag der Preis bei 12 Cent. Aktuell kostet die Kilowattstunde 34 Cent. Heizen ist also um ein Vielfaches teurer geworden. Weil später im Jahr noch eine Gasumlage droht und viele Menschen befürchten, im Winter bei 19 statt 21 Grad Celsius in der Wohnung frieren zu müssen, gibt es nun einen Ansturm auf die vermeintlichen Alternativen: Heizlüfter.

Das ist nachvollziehbar. Irgendwie zumindest. Viele haben Angst vor dem, was da im Winter auf uns zukommen könnte. Sie sichern sich daher mit einer Elektroheizung ab. Nur: Sinnvoll ist so ein Verhalten nicht – weder auf privater noch auf gesellschaftlicher Ebene.

Der Welt steht ein Umbruch bevor – ob die Menschheit will oder nicht: Landwirtschaft, Verkehr und Energiegewinnung müssen nachhaltig und fit für den Klimawandel werden, gleichzeitig gilt es, eine wachsende Weltbevölkerung mit wachsenden Ansprüchen zu versorgen. Was bedeutet das für uns und unsere Gesellschaft? Und was für die Umwelt und die Lebewesen darin?
In »Storks Spezialfutter« geht der Umweltjournalist Ralf Stork diesen Fragen einmal im Monat auf den Grund.

Denn zum Glück muss keiner befürchten, dass die Heizungen ausfallen, weil kein Gas mehr da ist. Vielmehr geht es darum, die Raumtemperatur – wenn nötig! – um wenige Grad zu senken. Das lässt sich mit einem dicken Pullover wesentlich günstiger auffangen als mit einem Heizlüfter, der ein wahrer Stromfresser ist. Pro Stunde benötigt ein derartiges Gerät im Durchschnitt 2 bis 2,5 Kilowattstunden Strom. Bei einem aktuellen Strompreis von mehr als 50 Cent pro Kilowattstunde ergeben sich somit Kosten von 1 bis 1,50 Euro die Stunde. Im Dauerbetrieb wird das ziemlich teuer. Und wenn viele Leute so eine Alternativheizung anschmeißen, steigt das Risiko eines Stromausfalls, weil die Netze überlastet werden könnten. Auf diese Gefahr haben der Verband der Elektrotechnik, Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) und der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) in einer gemeinsamen Pressemitteilung hingewiesen.

Grundsätzlich sollte es also nicht darum gehen, es auf jeden Fall richtig mollig warm zu haben, sondern darum, mit vertretbaren Einschränkungen Energie zu sparen. Jeder ein bisschen, damit die Gesellschaft als Ganzes möglichst gut und unbeschadet durch die zweifellos herausfordernde Zeit kommt. Einen etwas dickeren Pullover in der Wohnung zu tragen, halte ich für durchaus vertretbar. Der Betrieb eines Heizlüfters ist genau das Gegenteil von Energiesparen und konterkariert zudem die dringend benötigte gesellschaftliche Solidarität. Nicht falsch verstehen: Die hohen Energiepreise sind eine enorme Belastung, die für viele Haushalte nur schwer zu stemmen ist. Sich einen Heizlüfter anzuschaffen, ist trotzdem der falsche Weg!

Wenn Stromerzeugung auf Kosten der Umwelt geht

Dasselbe gilt für die Art der Stromgewinnung, um durch die Krise zu kommen. Hier sollten Nutzen und Kosten, insbesondere Umweltkosten, in einem nachhaltigen Verhältnis stehen. Auf viele kleine Wasserkraftanlagen trifft das nicht zu. Die Bundesregierung wollte das Problem beheben, hat aber kurzfristig einen Rückzieher gemacht.

Im April 2022 wurde das so genannte Osterpaket des Wirtschaftsministeriums auf den Weg gebracht. Darin finden sich viele ambitionierte Maßnahmen für eine unabhängige und nachhaltige Energiepolitik. Im ursprünglichen Entwurf war auch die Streichung der Förderung kleiner Wasserkraftanlagen enthalten. Aus guten Gründen.

Deutschlandweit – aber vor allem in Bayern und Baden-Württemberg – gibt es etwa 8000 Wasserkraftanlagen. Wasserkraft ist zwar eine regenerative Energiequelle, sie ist aber nicht unbedingt umweltfreundlich: Jede Anlage bremst den natürlichen Wasserlauf. Für wandernde Fische stellt sie zudem ein oft unüberwindliches Hindernis dar – und eine tödliche Falle, weil viele Fische in die Turbinen schwimmen und dort getötet werden.

Die Nutzlosigkeit kleiner Wasserkraftanlagen

Dabei tragen die kleinen Wasserkraftwerke kaum etwas zur gesamten Stromerzeugung bei: Rund 7200 Anlagen haben eine Nennleistung von weniger als 500 Kilowatt und produzieren gerade mal zehn Prozent des Wasserkraftstroms. Das sind weniger als 0,5 Prozent des deutschlandweit produzierten Stroms. Solche Kleinanlagen sollten künftig aus der Förderung genommen werden, schlug das IGB Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei vor, weil der ökologische Schaden den energetischen Nutzen bei Weitem übersteigt.

Sollten. Als im Juli das Osterpaket im Bundestag beschlossen wurde, war das Ende der Förderung für Kleinwasserkraftwerke kurzfristig gestrichen worden.

Im Süden der Republik wurde die Entscheidung kräftig bejubelt. Auch mit Verweis auf die aktuelle Energiekrise, in der jede in Deutschland produzierte Kilowattstunde wichtig sei. So groß auch die regionale Bedeutung der Wasserkraft sein mag. Zur Bewältigung der bundesweiten Energiekrise sind kleine Wasserkraftanlagen nicht viel zielführender als das Heizen mit Heizlüftern.

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