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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Euphorbia-Arten

Euphorbia-Arten

Fam.: Euphorbiaceae.

Euphorbia amygdaloides (syn. Euphorbia silvatica, Tithymalus amygdaloides); Waldwolfsmilch (syn. Mandelblättrige Wolfsmilch).
Vork.: Europa, Nordafrika, Kleinasien, Nordamerika.
Inh.: Flavonoide (Quercetinglykoside), Triterpene (Lanosterol), Tetralinlignane, Inositol, fettes Öl (ca. 30 % im Samen).
Hom.: Euphorbia amygdaloides HAB34, die frischen, oberirdischen Teile blühender Pflanzen. Anw.-Geb.: Durchfallerkrankungen.

Euphorbia corollata L.; Kronenwolfsmilch.
Vork.: Nordamerika (Kanada bis Virginia).
Droge: Euphorbia-corollata-Wurzel, die ganze Wurzel. Inh.: Die Wurzel führt reichlich dicken, weißen Milchsaft. Die Inhaltsstoffe sind bisher noch nicht näher beschrieben worden. Anw.: in der indianischen Volksheilkunde als Brechmittel, als Laxans, schleimlösendes Hustenmittel, Diaphoretikum sowie bei rheumatischen Schmerzen.
Hom.: Euphorbia corollata HAB34, die frische Wurzel. Anw.-Geb.: Brechdurchfall.

Euphorbia cyparissias L. (syn. Galarhoeus cyparissias, Tithymalus cyparissias); Zypressenwolfsmilch (syn. Bauernrhabarber).
Vork.: heimisch in Europa, Nordafrika, Nordasien, nach Nordamerika und Neuseeland eingeschleppt. Die Pflanze ist stark giftig!
Drogen: 1. Euphorbia-cyparissias-Kraut; Bauernrhabarber, die ganze frische, blühende Planze mit Wurzeln. Inh.: Flavonole (Quercetin- und Kämpferolglykoside), Diterpenester (v.a. Derivate des Ingenan-Typs, die sogenannten Cyparissiasfaktoren Cy 1 bis Cy 14), Triterpene (u.a. Euphol, 24-Methylencycloartenol, Cycloartenol, Lanosterol), Fettalkohole, Harz (ca. 17 %), Gummi, Kautschuk, wenig äther. Öl. Anw.: In der Volksheilkunde werden die Wurzeln, in Essig mazeriert, bei Verstopfung, zur Förderung der Harnabsonderung sowie bei Zahnschmerzen eingenommen. Äußerlich angewendet dienen Extrakte der Droge gegen Warzen und Hühneraugen. Aufgrund der hautreizenden und tumorpromovierenden Diterpenester ist von einer Anwendung der Droge abzuraten. 2. Euphorbia-cyparissias-Latex; Teufelsmilch (syn. Eselsmilch), der frisch austretende Milchsaft. Inh.: Diterpenester (Cyparissiasfaktoren Cy11 und Cy14, jeweils ca. 0,16 %), Harz (ca. 15 %), Kautschuk (ca. 3 %), Gummi, Äpfel-, Gallus- und Weinsäure. Anw.: in der Volksheilkunde äußerlich zur Beseitigung von Warzen, Muttermalen und Sommersprossen, bei traumatischen Rissen und Abhebungen am Nagelwall (Niednagel). Innerlich wird die Droge als Ersatz für Scammonium (Convolvulus-Arten) als Brechmittel und Laxans eingesetzt. Diese Wirksamkeiten gelten als wenig gesichert. Bei chronischer Anwendung kann das Risiko einer Tumorentstehung nicht ausgeschlossen werden. Daher ist der Gebrauch der Droge abzulehnen.
Hom.: Euphorbia cyparissias HAB1; Wolfsmilch, die ganze, frische, blühende Pflanze. Anw.-Geb.: Hautrötung, Katarrhe der Atemwege, Magenkolik, Diarrhoe, Ekzeme, Psoriasis.
Histor.: Der Gattungsname wurde nach Plinius von Juba II., König von Mauretanien, zu Ehren seines Leibarztes Euphorbos benannt, während cyparissius auf die der Zypresse ähnlichen Blätter zurückgeführt wird. Der Name Wolfsmilch bezieht sich auf den scharfen, weißen, z.T. toxischen Milchsaft der Pflanzen. Wolfsmilcharten waren bereits im frühesten Altertum bekannt. So wurden bereits im vorchristlichen Corpus Hippocraticum mehrere Wolfsmilcharten, u.a. E. cyparissias, als diätetische Mittel genannt.

Euphorbia esula L. (syn. Euphorbia dalechampii, E. discolor, E. intermedia, E. racemosa, E. tristis, E. triumfetti, Tithymalus escula); Gemeine Wolfsmilch (syn. Eselswolfsmilch, Scharfe Wolfsmilch, Teufelswolfsmilch).
Vork.: Nord- und Mitteleuropa, nach Sibirien, China und Nordamerika eingeschleppt.
Droge: Euphorbia-escula-Kraut, die ganze frische Pflanze. Inh.: Alkaloide (nicht näher beschrieben), Diterpene (v.a. Monoester des Ingenols mit Benzoesäure oder aliphatischen Fettsäuren, z.B. Esulafaktoren E1, E2, E3), Triterpene, u.a. 24-Methylcycloartenol, Cycloartenol, Lupeol, α- und β-Amyrin, Flavone, Kohlenwasserstoffe, fettes Öl (in den Samen ca. 30 %). Anw.: In der Volksheilkunde wird die Droge, v.a. das Samenöl und die Wurzeln, bei starker Verstopfung und Wassersucht eingesetzt, in China auch gegen Tuberkulose. Äußerlich werden Drogenextrakte bei Flechten und Krätze sowie Pruritus und zum Abätzen von Warzen benutzt. Bei chronischer Anwendung kann das Risiko einer Tumorentstehung nicht ausgeschlossen werden. Daher ist der Gebrauch der Droge abzulehnen.
Hom.: Euphorbia esula HAB34, die frische, blühende Pflanze.

Euphorbia heliscopia L. (syn. Euphorbia dulcis, Galarhoeus helioscopius, Tithymalus helioscopius); Sonnenwolfsmilch (syn. Hundsmilch, Milchkraut).
Vork.: Europa, Westasien, Nordafrika, nach Japan, Nordamerika, Australien und Neuseeland eingeschleppt.
Droge: Herba Euphorbiae helioscopiae; Euphorbia-helioscopia-Kraut, der Sproß der Pflanze. Inh.: Polyphenole (Ellagitannine), Flavonole, Diterpene (Ingenan- und Jatrophan-Typ), Triterpene (Cycloartenol, 24-Methylencycloartenol), Kohlenwasserstoffe, Wachse, Elemol (Sesquiterpenalkohol), fettes Öl ( in den Samen ca. 9 %), nichtproteinogene Aminosäuren (Glycinderivate). Anw.: in der traditionellen chinesischen Medizin zur Behandlung von funktionellen Störungen und chronischen Krankheiten, u.a. Wassersucht. In Europa wird die Droge mitunter volkstümlich bei rheumatischen Beschwerden, Rippenfellentzündung sowie als Mittel zur Entfernung von Warzen verwendet.
Hom.: Euphorbia helioscopia HAB34, die frische, blühende Pflanze.

Euphorbia hirta L. (syn. Euphorbia capitata, E. pilulifera); Pillenwolfsmilch.
Vork.: Australien, Mittelamerika, heute auch eingeschleppt in China, Indien, Afrika, Karibik.
Droge: Herba Euphorbiae piluliferae; Euphorbia-pililifera-Kraut (syn. Pillenwolfsmilchkraut, Schlangenkraut), die ganze, getrocknete Pflanze mit oder ohne Wurzeln. Inh.: Polyphenole (ca. 2,2 %, v.a. Ellagitannine, Gallotannine, Gallussäure, Ellagsäure), Phenolcarbonsäuren (Chlorogensäure, Kaffeesäure), Flavonoide, Leukoanthocyane, Anthocyanoside, Diterpenoide (Diterpenester vom Tiglian- und Ingenan-Typ), Triterpene (α- und β-Amyrin, Fridelin, Taraxerol), Sterole, Kohlenwasserstoffe, Fettsäuren, Inositol (0,5 %), äther. Öl, Gummi, Harz, Schleimstoffe. Anw.: selten in der europäischen Volksheilkunde bei Asthma bronchiale, Katarrhen der oberen Luftwege, Heufieber und Spasmen der Stimmbänder; in Afrika, Asien und in der Karibik häufig bei Husten, Bronchitis und Asthma sowie Herzkrankheiten, Dysenterie, Wurmerkrankungen, Gonorrhoe und Sterilität des Mannes. Auch gibt es Berichte über die äußerliche Anwendung bei Verletzungen, Wunden und anderen Hauterkrankungen. Die Wirksamkeit der Droge bei Dysenterie scheint aufgrund der antimikrobiellen Eigenschaften sowie der bezüglich Amöbendysenterie durchgeführten klinischen Studien denkbar. Für alle anderen Anwendungen ist die Wirkung nicht belegt.
Hom.: Euphorbia pilulifera HAB34, die frischen, oberirdischen Teile blühender Pflanzen. Anw.-Geb.: Harnröhrenentzündung, Ausfluß.

Euphorbia hypericifolia L. (syn. Euphorbia indica); Blättrige Wolfsmilch.
Vork.: heimisch in Nordamerika, heute weltweit verbreitet.
Inh.: Flavonoide (Quercetin und Quercitrin, Kämpferol, Rhamnetin), Triterpene und Sterole (24-Methylencycloartenol, Taraxerol, β-Sitosterol), Ellagsäure.
Hom.: Euphorbia hypericifolia HAB34, die frische, blühende Pflanze.

Euphorbia lathyris L. (syn. Euphorbia spongiosa, Tithymalus lathyris); Kreuzblättrige Wolfsmilch (syn. Maulwurfskraut, Springwolfsmilch, Springwurz).
Vork.: Mitteleuropa, Nord- und Südamerika, Australien. Zur Ölgewinnung auch kultiviert.
Droge: Semen Cataputiae minoris (syn. Semen Euphorbiae, Semen Lathyridis majoris, Semen Tithymali latifolii); Euphorbia-lathyris-Samen (syn. Purgierkörner, Springkörner), die reifen Samen. Inh.: fettes Öl (ca. 40-50 %), Diterpene (0,4 % Diterpenester des Ingenan-Typs mit Ingenol als Grundalkohol: Lathyrisfaktoren, Lathyrissubstanzen vgl. Formel), Cumarine (bis 0,3 %, u.a. Aesculetin und Euphorbetin vgl. Formel, Proteine (14-18 %), Kohlenhydrate (18-20 %). Anw.: früher zum Auslösen von Brechreiz und bei starker Verstopfung verwendet. Die Droge ist Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin und wird dort u.a. bei Sonnenstich, Mumps und akuten Rachenentzündungen eingesetzt. Äußerlich dient sie zur Behandlung von Warzen, Melanomen, Rheuma und Hautkrankheiten. Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungen (Ausnahme Verstopfung) ist nicht belegt. Bei chronischer Anwendung kann das Risiko einer Tumorentstehung nicht ausgeschlossen werden. Daher ist der Gebrauch der Droge abzulehnen.
Hom.: Euphorbia lathyris HAB34, die getrockneten, reifen Samen. Anw.-Geb.: akute Hautentzündungen, Krampfhusten.



Euphorbia milii Desmoul. ex Boiss. (syn. Euphorbia splendens); Christusdorn; vgl. Abbildung.
Vork.: Die Pflanze stammt ursprünglich aus Madagaskar und ist heute als Zimmerpflanze auch in Europa und Nordamerika verbreitet. Die Pflanze ist giftig!
Droge: Euphorbia-milii-Kraut; die frischen oberirdischen Teile mit Latex. Inh.: Diterpene (Diterpenester ungewöhnlicher Struktur: Milliamine A bis N, bis ca. 0,14 %, sowie weitere Derivate vom Ingenan-, Tiglian- und Daphnantyp), Triterpene und Sterole (u.a. β-Amyrinacetat, Cycloartenol, Euphol, Lupeol, β-Sitosterol), Gerbstoffe, Spuren von Lasiodiplodin (Makrolid). Anw.: in der Volksheilkunde innerlich bei Hepatitis und Abdominalödemen sowie äußerlich zur Warzenentfernung. Die Droge zeigt nach bisherigen Untersuchungen keine tumorpromovierenden Eigenschaften.
Hom.: Euphorbia splendens HAB34, die frische, blühende Pflanze.



Euphorbia milii, Christusdorn

Euphorbia resinifera O. C. Berg.
Vork.: Nordafrika und Kanaren, in Marokko und Iran auch kultiviert. Die Pflanze ist giftig!
Droge: Euphorbium (syn. Gummiresina Euphorbium); Euphorbiumgummi, der an der Luft eingetrocknete Milchsaft; vgl. Abbildung. Inh.: Diterpene (Ester des Tiglian-Typs: Resiniferafaktoren RR1, RR2, RR3; Ester der Ingenan-Typs: Resiniferafaktor RR4 sowie Ingenolester, Ingenol), Triterpene (Euphorbon, β-Amyrin, α-Euphol, Resiniferol, Taraxerol), organische Säuren (ca. 6 %), Harz (ca. 40 %), Inositole, Bitterstoffe, Kautschuk. Anw.: in der Volksheilkunde als Laxans und bei Regelstörungen sowie äußerlich als Hautreizmittel, zur Warzenbehandlung und zur Therapie bösartiger Geschwüre. Auch als Abortivum wird die Droge verwendet. Bei chronischer Anwendung kann das Risiko einer Tumorentstehung nicht ausgeschlossen werden. Daher ist der Gebrauch der Droge abzulehnen.
Hom.: Euphorbium HAB1, der erhärtete Milchsaft der Pflanze. Anw.-Geb.: akute Entzündungen der Haut, Entzündungen der Atemwege. vgl. Abbildung



Euphorbia resinifera, Euphorbium, Euphorbiengummi



Euphorbia resinifera. Blühender sukkulenter Sproß

Euphorbia villosa Waldst. et Kit. ex Willd. (syn. Euphorbia austriaca, E. carpatica, E. procera, E. semivillosa, E. tauricola); Zottige Wolfsmilch.
Vork.: südliches Mitteleuropa, Westsibirien, Transkaukasien.
Inh.: Es liegen keine phytochemischen Daten vor; lediglich (-)-Inositol soll vorhanden sein.
Hom.: Euphorbia villosa HAB34, der frische Wurzelstock.

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