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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Ficus carica

Ficus carica L.
(syn. Caprificus insectifera, Ficus communis, F. latifolia, F. leucocarpa, F. macrocarpa, F. pachycarpa, F. praecox); Echter Feigenbaum (syn. Feige, Eßfeige); vgl. Abbildung.
Fam.: Moraceae.
Vork.: Arabien, Mittelmeergebiet, heute ausgedehnt bis China, Indien, Kanada, Mexiko, Chile.
Drogen: 1. Caricae fructus (syn. Carica, Caricae, Caricae pingues, Ficus passae, Fructus Caricae, Fructus Ficus, Pseudofructus Caricae); Feigen, der getrocknete, ganze Fruchtstand. Inh.: Carotinoide, Chlorophylle, Lipide, Vitamine (B1, B2, C, Nicotinamid), Flavonoide, Eiweiß, Kohlenhydrate (50-70 %, v.a. Saccharose, Pektine), Ballaststoffe, Spuren von Furocumarinen (Psoralen, Bergapten). Anw.: Die Droge und ihre Zubereitungen werden in der Volksheilkunde v.a. als Abführmittel bei Obstipation eingesetzt. Darüber hinaus existiert eine Vielzahl weiterer Anwendungsgebiete, die allerdings nicht ausreichend belegt sind, z.B. bei Hämorrhoiden, zur Auflösung von Nieren- und Blasensteinen/-grieß sowie bei Gicht. Eine Zubereitung aus gleichen Teilen Feigen, Mandeln, Pistazien, Kardamomen, Zucker und Safran in Milch aufgeschlämmt, gilt als Aphrodisiakum wie auch Feigen selbst bei den Arabern für diese Zwecke gegessen werden. Im Haushalt dienen Feigen als Obst, sie werden zur Dessert- und Branntweinherstellung verwendet sowie in gerösteter Form als Kaffeeersatz eingesetzt. Im Mittelmeerraum werden Feigen auch als Viehfutter verwendet. 2. Ficus-carica-Blätter; Feigenblätter, die frischen Blätter. Inh.: Cumarine und Furanocumarine (max. 0,8 %), u.a. Psoralen, Bergapten, Umbelliferon, Marmesin und Scopoletin, äther. Öl, Polysaccharide (ca. 4,8 %, pektinähnliche Stoffe), Vitamin C (ca. 0,33 %), Triterpene und Gerbstoffe. Im Milchsaft (Latex) der Blätter ist die Protease Ficin enthalten. Anw.: In der südamerikanischen Volksheilkunde wird ein Teeaufguß der Droge als Antidiabetikum verwendet, Feigenblätterdekokte werden bei Husten und Erkältungen eingesetzt. Auch zur Wundheilung, bei Verdauungsbeschwerden, zur Diurese und als Anthelmintikum findet die Droge ihren Einsatz. Die Protease Ficin wird u.a. zum Weichmachen von Fleisch eingesetzt. Tox.: Der Milchsaft der frischen Blätter kann bei gleichzeitiger Einwirkung von Sonnenlicht eine Hautirritation auslösen. Ursache dafür sind die Furanocumarine.
Histor.: Der Feigenbaum gilt als eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt und wird bereits im Alten Testament der Bibel erwähnt (1. Mose 2). Kulturen sind aus Kleinasien und den angrenzenden Gebieten vor ca. 5 000 Jahren bei den Assyrern, in Ägypten zur Zeit der Pharaonen, in Syrien, dem antiken Griechenland und um 1600 v.Chr. aus Kreta bekannt. Von hier aus erfolgte die Verbreitung der Feigenkultur in die anderen Mittelmeerländer, nach Asien, Afrika und Australien.



Ficus carica, Echter Feigenbaum

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