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Medizin: Neue Wege aus der Qual

Dank einem besseren Verständnis der molekularen Schmerzsignale bieten sich nun neue Ansatzpunkte zur Entwicklung von Medikamenten – selbst gegen bislang oft schlecht bekämpfbare Formen von Schmerz.
Pochend, hämmernd, ziehend, juckend, brennend, bohrend, stechend, schneidend – Schmerz hat viele Gesichter. Die Gepeinigten wollen nur noch eines: dass er endlich aufhört.
Die beiden bekanntesten Schmerzmittel entstammen letztlich der traditionellen Volksmedizin. Sie nutzte jahrhundertelang den getrockneten Milchsaft des Schlafmohns mit seinen Opiaten wie Morphin, daneben unter anderem den Extrakt von Weidenrinde mit einem ähnlichen Wirkstoff wie in Aspirin. So hilfreich die modernen Versionen auch sein können, jede hat ihre Nachteile und Grenzen. Bei schwersten Schmerzen versagen Acetylsalicylsäure, der Aspirinwirkstoff, und andere Substanzen dieser Kategorie. Selbst Opiate, als allgemein stärkste Mittel, schlagen nicht immer an. Zudem können hier Gewöhnungseffekte auftreten, die immer höhere Dosen zur Schmerzlinderung erfordern. Dann drohen schwere Nebenwirkungen.
In den letzten zwanzig Jahren haben Neurowissenschaftler viel über die Signalübertragung bei Schmerz, die beteiligten Schaltkreise und Moleküle, herausgefunden. Daraus ergeben sich neue Ansätze, ihn mit weniger Nebenwirkungen besser zu bekämpfen. Erforscht werden derzeit sogar mehr solcher Strategien, als wir hier vorstellen können.
Im 17. Jahrhundert entwickelte der französische Philosoph, Mathematiker und Naturforscher René Descartes eine mechanistische Theorie zur Schmerzwahrnehmung. Ein Schlag oder Stich zog, so seine Vorstellung, im Prinzip an einem Nervenfaden, der im Gehirn eine Alarmglocke schrillen ließ. Und verbrannte man sich etwa einen Zeh, führten »sich schnell bewegende Feuerteilchen « zu Störungen, die »sich entlang von Nervenfasern fortpflanzen, bis sie schließlich das Gehirn erreichen«.
Juli 2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Juli 2007

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