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Tipps zum Energiesparen: Energiewende zum Selbermachen

​​Die Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Selbst zu handeln, ist mitentscheidend. Häufig kann man beachtliche Mengen Energie ohne großen Aufwand einsparen. Wie? Es gibt viele Möglichkeiten.
Energiesparen

Angenommen man müsste die Werbetrommel für die Energiewende rühren, dann könnte sich das zum Beispiel so anhören: »Sie wollen die Klimaerwärmung aufhalten? Unabhängig werden von Kohle, Gas und Öl – Energieträgern, die Krisen verursachen, immer kostspieliger werden und sowieso bald erschöpft sind? Dann packen Sie jetzt mit an: Bringen Sie die Energiewende voran! Setzen Sie jetzt auf erneuerbare Energien – retten Sie die Welt und sparen Sie auch noch Geld!« Na, überzeugt?

In Deutschland scheint die Energiewende solche Reklame gar nicht nötig zu haben, denn offenbar hat sie hier zu Lande längst die Mehrheit auf ihrer Seite: Laut Sozialem Nachhaltigkeitsbarometer 2021 befürworten 70 Prozent den Umbau Richtung nachhaltiger Energiegewinnung und -versorgung. Das Ziel ist klar, die Treibhausgasemissionen müssen gesenkt werden. Indem man auf fossile Brennstoffe verzichtet, ist dabei am meisten zu gewinnen: Sie sind für rund 85 Prozent der deutschen Emissionen verantwortlich, die den Klimawandel antreiben. Am Ende soll eine klimafreundliche Alternative stehen, die Vollversorgung mit erneuerbaren Energien. Damit könnte Deutschland bis 2045 klimaneutral werden, wenn auch unter erheblichen Anstrengungen.

Was Menschen am Ende verbrauchen: der Endenergiebedarf

Ganze 78 Prozent sind sich laut der oben zitierten repräsentativen Umfrage einig, dass jeder und jede einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten sollte. Aber lohnt sich die Anstrengung von vielen Einzelnen überhaupt? Können sie entscheidend mithelfen, zum Beispiel, indem sie Energie sparen?

Themenwoche: Wie die Energiewende klappen kann

Deutschland hat einiges zu tun, damit die Energiewende hin zu einer klimaneutralen Versorgung bis 2045 gelingt. Auf Grund des Krieges in der Ukraine ist die Energieversorgung noch unsicherer geworden. Wie lässt sich die Versorgung ohne russische Energieimporte gewährleisten? Sind erneuerbare Energien schon so weit, dass man auf Kohlekraft verzichten kann? Diese und weitere Fragen behandelt »Spektrum.de« in der Themenwoche »Energiewende«.

Tatsächlich ist der sparsame Umgang mit Energie wesentlich, will man Klima- und Energieziele erreichen. Dabei spielt der Endenergiebedarf eine Rolle: die Menge an Energie, die Endverbraucher und -verbraucherinnen in Anspruch nehmen. Er ist in Deutschland seit 1990 relativ konstant geblieben, und das ungeachtet der im Lauf der Jahre deutlich effizienter gewordenen Technologien: Pro Tag und Person beträgt der Endenergiebedarf durchschnittlich etwa 85 Kilowattstunden. Rund 45 Prozent davon verbrauchen wir im Durchschnitt ohne Umwege in Form von Strom, Heizwärme und um in irgendeiner Weise motorisiert vorwärtszukommen. Die übrigen 55 Prozent des Endenergiebedarfs sind »graue« Energie. Sie steckt in Dienstleistungen und Produkten, die Menschen konsumieren, und wird aufgewendet, um sie herzustellen, zu transportieren, zu lagern, zu verkaufen und zu entsorgen. Der größere Posten des Endenergiebedarfs fällt also dort an, wo Endverbraucher selbst weder Strom noch Gas oder Treibstoff einsetzen.

Strom und Wärme: zu Hause leicht gespart

Mit dem Energiesparen in den eigenen vier Wänden zu beginnen, ist trotzdem sinnvoll: Auch weil Privathaushalte in Sachen Energieverbrauch mit Industrie und Verkehr fast gleichauf liegen. Mehr als​​ zehn Prozent der energiebedingten Emissionen werden in Deutschland durch den Strombedarf privater Haushalte verursacht.

Orientierungshilfen im Netz

Verbrauchen Sie zu viel Strom? Finden Sie es heraus: Der interaktive Stromverbrauchsrechner der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online bewertet nicht nur Ihren Stromverbrauch, sondern hilft Ihnen auch dabei, Stromfresser aufzuspüren, und empfiehlt konkrete Sparmaßnahmen in seinen Energiespar-Ratgebern.

Die Verbraucherzentrale bietet unabhängige Energieberatung per Telefon oder vor Ort sowie online jede Menge Tipps zum Sparen rund um den Energieverbrauch zu Hause.

Wer den eigenen Strombedarf auf Einsparmöglichkeiten abklopft, kann schnell große Potenziale aufdecken: Häufig sind es um die 30 Prozent und mehr, die man ohne großen Aufwand einsparen kann. Auf wie viel Strom man genau verzichten kann, lässt sich dabei gut einschätzen, durch einen Vergleich des letzten Jahresverbrauchs mit Durchschnitts- und Bestwerten.

Energiespartipps in Sachen Strom

Stromfresser aufspüren

Schauen Sie sich auf der Suche nach Einsparmöglichkeiten grundsätzlich den Stromverbrauch häufig genutzter Geräte an. Hier steckt das größte Potenzial zum Stromsparen. Aber es gibt auch viele versteckte Energiefresser, die im Stand-by-Betrieb unnötig viel Strom benötigen. Wenn Sie unsicher sind, was wie viel verbraucht, leihen Sie sich (zum Beispiel von einer Energieberatungsstelle der Verbraucherzentrale, einer Energieagentur oder dem Stromversorger) kostenlos ein Messgerät.

Ausschalten, aber richtig!

Nicht benötigte Elektrogeräte und Lampen sollten Sie ausschalten – egal wie energieeffizient sie sind. Was Sie nicht nutzen, sollte keine Energie verbrauchen. Wann haben Sie zum Beispiel das letzte Mal Ihren WLAN-Router ausgeschaltet?

Geräte mit Stand-by-Verbrauch sollten Sie über schaltbare Steckerleisten ausschalten. Zwar hat die Europäische Kommission die Stand-by-Verluste für viele neue Elektrogeräte mittlerweile stark begrenzt: Seit 2013 dürfen zum Beispiel Fernsehgeräte, die neu in den Handel kommen, nur noch eine Leistungsaufnahme im Bereitschaftszustand von maximal 0,5 Watt haben. Ähnliches gilt für Wasch- und Spülmaschinen, Wäschetrockner, Mikrowellen, Kaffeemaschinen, elektrische Zahnbürsten, Radios, Hi-Fi-Anlagen und andere Unterhaltungselektronik. Haben Geräte allerdings digitale Anzeigen, wie zum Beispiel ein Herd eine Uhr, ist weiterhin 1 Watt im Stand-by-Modus erlaubt. Zudem gelten die EU-Vorgaben nur für neue Produkte – ältere Elektrogeräte haben oft einen deutlich höheren Stand-by-Verbrauch. Übrigens: Auch Ladekabel (wie das fürs Handy) verbrauchen immer Strom, wenn sie am Netz hängen. Gleiches gilt für viele Netzteile von Laptops. Deshalb: besser ausstecken – solange der Akku noch nicht schwächelt.

Bye, bye, Birne

Ersetzen Sie Glüh- und Halogenlampen am besten durch LED-Leuchten. Die erzeugen mit über 80 Prozent weniger Strom die gleiche Helligkeit und kommen im Vergleich zur ebenso sparsamen Energiesparlampe ohne Quecksilber und lästige Anlaufzeit aus.

Sparsam waschen & trocknen

Lassen Sie nur volle Waschmaschinen laufen und das bei möglichst niedriger Temperatur. Unterwäsche und Socken werden auch bei 30 Grad sauber, auch weil waschaktive Substanzen heute schon bei geringen Temperaturen wirksam reinigen. Wer so wäscht, spart enorm: Die Energiemenge, die Sie bei einer 60-Grad-Wäsche verbrauchen, reicht im Schnitt für drei Trommeln Wäsche mit 30 Grad.

Hohe Temperaturen sind trotzdem ab und an sinnvoll, selbst wenn gerade dieses Aufheizen viel Energie kostet. Etwa Wäsche, die mit Krankheitserregern in Berührung gekommen ist, aber auch Küchenhandtücher und Spüllappen sollten bei mindestens 60 Grad gereinigt werden – genauso wie die Maschine selbst. Wer etwa alle fünf Wäschen eine mit mindestens 60 Grad einlegt, verhindert, dass sich in der Waschmaschine ein Biofilm bildet, der Wäsche und Maschine müffeln lässt. Also verzichten Sie auf hohe Temperaturen, da wo sie unnötig sind, aber eben nicht ganz.

Wer nicht auf den Einsatz eines Trockners verzichten kann, sollte die Wäsche vorher bei möglichst hoher Drehzahl schleudern und sich einen Wärmepumpentrockner zulegen. Er verbraucht im Vergleich mit einem konventionellen Trockner bis zu rund 70 Prozent weniger Energie. Noch sparsamer ist die gute alte Wäscheleine.

Energiespartipps zum Kochen & Kühlen

Beim Kochen ist der Deckel auf Topf und Pfanne ein echtes Energiesparwunder, genauso wie der Dampfkochtopf. Auch wer die Herdplatte früher ausschaltet und mit Nachwärme kocht, spart Energie. Kühl- und Gefriergeräte sollte nicht neben Wärmequellen wie Backofen oder Heizung stehen. Müssen sie nämlich zusätzlich Abwärme kompensieren, sind hinten staubig oder innen vereist, verbrauchen sie deutlich mehr Energie. Tauen und stauben Sie also Kühl- und Gefriergeräte regelmäßig ab und platzieren Sie sie Energie sparend.

Wenn neu, dann effizient!

Beim Kauf von Elektrogeräten lohnt es sich, auf den Stromverbrauch zu achten. Wer auf die energieeffizientesten Haushaltsgeräte setzt, spart über deren ganze Lebensdauer Energie und Geld. Höhere Anschaffungskosten machen sich oft schnell wieder bezahlt. Bei besonders ineffizienten Geräten ist sogar vorzeitiges Ausmustern sinnvoll.

Die »+«-Klassen werden abgeschafft: Für Kühl- und Gefriergeräte, Geschirrspüler, Waschmaschinen, Waschtrockner und elektronische Displays wie Fernseher und Monitore gibt es seit März 2021 neue EU-Energieeffizienzlabels, seit September tragen auch Lampen neue Labels. Die Produkte werden jetzt wieder auf einer Skala von A bis G ausgezeichnet. Die Klasse A bleibt vorerst unerreicht, damit die Hersteller einen stärkeren Anreiz haben, effizientere Produkte zu entwickeln.

Obacht, Rebound-Effekt!

Der Rebound-Effekt beschreibt das paradoxe Phänomen, dass wir mit Energie sparender Technik sogar mehr Energie verbrauchen. Grund für den Mehrverbrauch ist unser Verhalten: zum Beispiel, wenn die Spülmaschine doppelt so oft genutzt wird wie früher – weil sie ein Energiesparmodell ist. Oder wenn eingesparte Energiekosten in einen Zweitfernseher investiert werden, der wiederum zusätzlich Energie verbraucht. Also nur nicht übermütig werden!

Auch in Sachen Wärme gibt es zu Hause jede Menge Einsparpotenzial: Bis zu drei viertel macht der Energieeinsatz für die Heizung in privaten Haushalten aus. Vor allem, weil Gebäude schlecht gedämmt, aber auch viele Heizungsanlagen in deutschen Kellern ineffiziente Oldies sind. Gute Wärmedämmung und effiziente Heiztechnik kann bis zu über 90 Prozent Energie einsparen und gleichzeitig für angenehme Raumtemperaturen sorgen.

Energiesparen beim Heizen

Die Sache mit dem Regeln

Wählen Sie die Raumtemperatur nicht höher als nötig, denn jedes Grad mehr schlägt mit rund sechs Prozent mehr Heizenergie zu Buche. Und wirklich essenziell: Verwenden Sie Thermostate sinnvoll. Auf Stufe 5 wird so lange geheizt, bis tropische 28 Grad Celsius erreicht sind.

Was tun in der Nacht?

Regeln Sie nachts und bei Abwesenheit die Heizung herunter. Nachts empfiehlt es sich außerdem, Rollläden, Fensterläden und Gardinen zu schließen, um die Wärme bestmöglich drinnen zu halten.

Lüften und nicht verstellen

Unter dem Stichwort Stoßlüften sollten dauernd gekippte Fenster vermieden werden. Besser ist es, mehrmals täglich mit weit geöffneten Fenstern ​​kurzzeitig zu lüften und währenddessen die Heizung auszuschalten oder herunterzuregeln. Achten Sie außerdem darauf, dass Heizkörper nicht verdeckt oder zugestellt sind. Nur so kann die Heizwärme ihre volle Wirkung entfalten.

Thermostate müssen richtig eingesetzt werden.

Strom ist nicht gleich Strom, Ökostrom nicht gleich Ökostrom

Fest steht: Selbst wenn alle Energiespartipps umgesetzt sind, wird weiter Strom verbraucht. Wer die Energiewende voranbringen will, sollte deshalb auf einen umwelt- und klimafreundlichen Energieversorger und entsprechende Tarife setzen. Ein Etikett wie »Ökostrom« oder »grüner Strom« ist dabei nicht unbedingt verlässlich. Auch weil viele Anbieter »Graustrom« mit Hilfe von hinzugekauften Herkunftsnachweisen aus dem europäischen Ausland als Öko- oder Grünstrom vermarkten – ​​ohne sich selbst für den Ausbau erneuerbarer Energien einzusetzen.

Der Begriff Ökostrom ist weder gesetzlich definiert noch rechtlich geschützt. Deshalb empfiehlt es sich, genauer hinzuschauen, was mit dem Etikett Ökostrom angeboten wird, welcher Anbieter dahintersteckt und ob der Tarif einen Zusatznutzen für die Energiewende bringt. Wer durch den Ökostrombezug zu Klimaschutz und Energiewende beitragen will, sollte auf gelabelte Produkte zurückgreifen. So garantieren das Grüner Strom-Label und das ok-power-Siegel zum Beispiel, dass der entsprechende Tarif Neuanlagen fördert.

Beide Labels garantieren zudem, dass die Ökostromanbieter nicht an Atomkraftwerken, neuen Steinkohle- oder Braunkohlekraftwerken beteiligt sind. Noch genauer nimmt es der Robin-Wood-Ökostromreport: Dort werden ausschließlich Ökostromanbieter gelistet, die eigentumsrechtlich und auch in ihrem Strombezug absolut unabhängig von der Kohle- und Atomindustrie sind. Wer ein bisschen Zeit investiert, um die Angebote zu vergleichen, kann mit einem entsprechend gelabelten Ökostromtarif günstiger wegkommen als mit dem Tarif des Grundversorgers.

Ökostromtarife mit Mehrwert vergleichen

Beim gemeinnützigen Öko-Wechselservice »Switch for Climate« sind ausschließlich Anbieter gelistet, die der Robin-Wood-Ökostromreport empfiehlt. Wer dorthin wechselt, unterstützt damit zusätzlich Klimaschutzprojekte.

Das Vergleichsportal der Umweltverbände »Vergleich-dich-Grün« unterstützt die Suche nach und den Wechsel zu Tarifen, die das »Grüner Strom-Label« tragen.

Das »ok-power-Siegel« hat ein eigenes Portal mit Ökostrom-Vergleichstarifrechner, das den Wechsel entsprechend unterstützt.

Die Big Points für den Fußabdruck

Strom und Heizenergie sparen und die kluge Auswahl des Energieversorgers helfen, den Zielen der Energiewende näherzukommen. Ein Blick auf den typischen CO2-Fußabdruck der Menschen in Deutschland macht aber deutlich, dass unser Einfluss auf das Klima von weit mehr abhängt als dem direkten Verbrauch im Haushalt: Der Lebensstil, die Mobilität, Ernährung und der sonstige Konsum spielen eine große Rolle.

All das taugt damit als langer Hebel, mit dem wir unseren Einfluss auf die Klimakrise enorm in die eine oder andere Richtung verändern können. Denn wer bei diesen »Big Points« sein Verhalten ändert, kann den eigenen CO2-Fußabdruck schnell um die Hälfte verkleinern. Dem typischen Durchschnittsmenschen in Deutschland kann das in der Regel schon gelingen, wenn er oder sie auf sieben Maßnahmen achtet:

  • Möglichst wenig und wenn, dann bewusst konsumieren
    Je weniger eine Person konsumiert, umso kleiner ihr CO2-Fußabdruck. Das heißt, möglichst lange nutzen, reparieren, gebraucht kaufen, leihen – vor allem aber: weniger neu kaufen.
  • Am besten ganz aufs Auto verzichten
    Wer für die täglichen Wege, etwa zur Arbeit oder Kita, kein Auto nutzt, setzt einen Big Point um. Denn gerade dadurch kommt übers Jahr einiges zusammen. Einmalige Fahrten für Ausflüge, Urlaub oder Transporte fallen zusammengenommen nicht so stark ins Gewicht. Wer sein eigenes Auto gegen eine Carsharing-Mitgliedschaft tauscht, spart sich die teuren Unterhaltskosten und wer kein eigenes Auto besitzt, kommt auch nicht in Versuchung, es allzu oft zu nutzen.
  • Den Stromlieferanten klug wählen Der Wechsel zu Ökostrom spart durchschnittlich über eine halbe Tonne CO2 pro Person, ein gelabelter Tarif hat weitere Vorteile. Wichtig ist, dabei auf gelabelte Produkte zurückzugreifen.
  • Weniger tierische, dafür pflanzenbetonte Ernährung Mit vegetarischer oder veganer Ernährung lässt sich bis zu einer Tonne an Treibhausgasen vermeiden. Auch wer auf saisonale, regionale und Bio-Lebensmittel setzt, spart energiebedingte Emissionen ein.
  • Wohnraum dämmen Diesen Punkt kennen Sie auch längst: Eine gute Dämmung verringert den Energieverbrauch beim Heizen und spart schnell eine halbe Tonne und mehr CO pro Person und Jahr. Der große Hebel liegt in der Gebäudehülle.
  • Statt sich ins Flugzeug auf Alternativen setzen Fliegen ist die klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen. Innerhalb Deutschlands und Europas sind Bahn oder Bus und selbst das Auto umweltfreundlichere Alternativen.
  • Einen Sparduschkopf nutzen Überrascht? Ja, der Sparduschkopf ist tatsächlich ein Big Point: Sein Einsatz kann den von einer Person verantworteten CO2-Ausstoß deutlich reduzieren.

Am letzten Punkt zeigt sich, welch große Wirkung auch vermeintliche Kleinigkeiten haben können. Dabei sollte man sich im Alltag aber nicht verzetteln, unterstreicht der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Michael Bilharz, der am Umweltbundesamt im Bereich Nachhaltige Konsumstrukturen forscht. »Was haben wir jahrzehntelang gepredigt – vom kürzer, vom kälter Duschen. Solche Strategien machen allerdings jede Alltagsentscheidung zur moralischen Grundsatzdiskussion. Auch deshalb haben sie kaum Wirkung«, sagt Bilharz. »Wenn Sie sich allerdings einen Duschsparkopf anschaffen, der das Wasser mit Luft aufperlt, dann haben Sie das gleiche Duscherlebnis und sparen pro Jahr locker 150 oder mehr Kilogramm CO pro Person ein.«

Sich den Energie sparenden Alltag erleichtern

Es gehe nicht darum, jede Entscheidung auf die Goldwaage zu legen, sagt der Wissenschaftler vom Umweltbundesamt. Viel einfacher und wirkungsvoller sei es, sich Rahmenbedingung zu schaffen, die im Alltag für einen mitdenken: »Egal ob Ökostrombezug, Hausdämmung oder Carsharing-Mitgliedschaft: Dafür müssen Sie sich nur einmal entscheiden, dann haben Sie Ruhe. Oder nehmen Sie das grüne Girokonto – einmal gewechselt und Ihr Geld arbeitet für die Energiewende.« Inzwischen gebe es viele Akteure auf dem Markt, die das Thema Nachhaltigkeit professionell weiterentwickelten und auf die man setzen könne, so Michael Bilharz.

Grün telefonieren oder Geld anlegen?

Auf der Website »Die Klimawette« finden sich Tipps, mit deren Hilfe man schnell und einfach den grünen Schalter umlegen kann. Dort finden sich zum Beispiel Dienstleister, die nachhaltigeren Mobilfunk oder klimafreundliche Geldanlagen anbieten.

Kleiner Fußabdruck, großer Handabdruck

Bei allem, was wir alle als Einzelkämpfer erreichen können: Am Ende ist die Energiewende eine Gemeinschaftsaufgabe. Damit sie gelingen kann, muss Klimaschutz einfacher, kostengünstiger und selbstverständlicher werden. Das sieht auch Bilharz so: »Natürlich sind andere politische Rahmenbedingungen das Nonplusultra«, sagt er. Entscheidend sei aber, wie es zu so einem Rahmen komme: »Bestenfalls gestalte ich meinen persönlichen Beitrag so, dass er einen politischen Impuls erzeugt. Im Idealfall verknüpft sich Einzelengagement zu einer kritischen Masse, an der die Politik nicht mehr vorbeikommt«, sagt Bilharz.

Wer einen strukturellen Wandel anstoßen will, sollte also nicht nur selbst Hand anlegen, sondern auch andere in Sachen Klimaschutz mitnehmen. Dafür steht die Idee des Handabdrucks. Der lässt sich ganz individuell gestalten und geht im Idealfall über das persönliche Umfeld hinaus: zum Beispiel in Form einer Mitgliedschaft in einer Organisation für mehr Klimaschutz oder über persönliches Engagement für mehr Nachhaltigkeit, etwa am eigenen Arbeitsplatz. Um die Energiewende voranzubringen, sind wir nicht nur als grüne Konsumenten, sondern auch als engagierte Bürger gefragt.

Doch kann das persönliche Engagement Einzelner wirklich eine Reaktion in Gesellschaft und Politik auslösen – hin zu einer schnellen Wende Richtung erneuerbarer Energien? Eine Vielfalt an neu gegründeten Bürgerenergiegenossenschaften, -vereinen und anderen gemeinschaftlich getragenen Organisationen scheint darauf hinzudeuten: Hier wollen Menschen die Energiewende selbst mitgestalten. »Selbstverständlich!«, antwortet auch Michael Bilharz. »Denken Sie nur an Solaranlagen. Die sind ein ganz wunderbares Beispiel für das Wechselspiel von Politik und privaten Akteuren. Auf das Bemühen Einzelner folgten Gesetze, die wiederum andere zum eigenen Solardach animierten. Damit haben wir in Deutschland die weltweite Kostendegression von Fotovoltaik ausgelöst.«

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