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Metzler Lexikon Philosophie: Rationalistische Sprachphilosophie

Der mit dem Wissensideal der Renaissance anhebende Anspruch einer universalen Begründung wird schon von Descartes auch für die Sprache postuliert, aber erst Leibniz hat diesen Anspruch in einer r.n S. umgesetzt. Der Grundgedanke, dass eine identische Grundform der Erkenntnis, die menschliche Vernunft, in allen Einzelerkenntnissen am Werke sei, wird auf die Sprache als ein System von Zeichen übertragen. In der zu diesem Zweck in Analogiebildung zur Arithmetik und Algebra angestrebten Universalsprache soll gewährleistet werden, dass sich durch eine begrenzte Zahl sprachlicher Zeichen, wenn diese nur nach bestimmten allgemeingültigen Regeln verknüpft werden, die Gesamtheit der Denkinhalte und ihre Struktur erschöpfend bezeichnen lassen. Einerseits kann sich das Denken nur im Medium sprachlicher Zeichen vollziehen, andererseits kann Sprache nur dann als eine Technik des menschlichen Verstandes fungieren, wenn sie die Gestalt von Kalkülen annimmt. Denn der Umstand, dass der sprachliche Ausdruck nach bestimmten Vorschriften regelgeleitet erzeugbar ist, wird zum Kriterium dafür, ob eine sprachliche Darstellung angemessen ist, d.h. ob ihr ein möglicher Gegenstand und damit ein Begriff entspricht. Das Kalkül ist der Garant der möglichen Existenz der Gegenstände des Erkennens. Dabei geht Leibniz davon aus, dass uns die Dinge nicht unmittelbar zugänglich sind, sondern in den Ideen zum Ausdruck kommen, dass der unmittelbare Gegenstand der Zeichen die Ideen von Dingen bzw. die Begriffe sind und dass wir zur Idee bzw. zum Begriff einer Sache gelangen können, wenn die Sache mit Hilfe von Zeichen darstellbar ist. Das Ziel einer allgemeinen Charakteristik ist es, einfache Ideen durch einfache Zeichen und komplexe Vorstellungen durch entsprechende Kombination solcher Zeichen auszudrücken. Eine derart allgemeine Grundsprache ersetzt die Besonderheit der kulturell verschiedenen Einzelsprachen. Da die Zeichen im Kalkül in einem eigenständigen System organisiert sind, kommt ihnen eine Unabhängigkeit gegenüber den möglichen Gegenständen ihrer Referenz zu. Im Zuge der Verwendung des Deutschen als Wissenschaftssprache setzte im 18. Jh. das Bestreben konsequenter Definition ein, das jedes Wort systematisch mit wohldefinierter und verschiedener Bedeutung festzulegen versuchte. Die Rationalisierung der Sprache führte auch zu der Forderung einer logischen Abfolge der Satzglieder und Satzfunktionen mit der Konsequenz einer abwertenden Beurteilung jener Sprachen, deren Wortstellung freier geregelt war. Hinter diesem Anspruch auf Systematisierung verbirgt sich die Überzeugung, dass die nichtrationalen Elemente des Geistes durch den Primat der Vernunft zu disziplinieren seien, was schon im Titel von J. W. Meiners allgemeiner Grammatik Versuch einer an der menschlichen Sprache abgebildeten Vernunftlehre oder philosophische und allgemeine Sprachlehre (1781) angezeigt wird.

Literatur:

  • E. Cassirer: Philosophie der symbolischen Formen. 1. Teil Die Sprache. Darmstadt 1985. S. 67 ff
  • S. Krämer: Berechenbare Vernunft. Rationalismus und Kalkül im 17. Jahrhundert. Berlin/New York 1991.

PP

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Herausgegeben von Peter Prechtl (†) und Franz-Peter Burkard.

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